Nach Unfällen Bundesregierung bekommt sechs neue Flugzeuge

Die veraltete Flugzeugstaffel der Bundesregierung wird erneuert. Aus Angst vor öffentlicher Empörung war die Anschaffung neuer Maschinen immer wieder verschoben worden.


Berlin - Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigte heute die Anschaffung von sechs neuen Mittelstrecken- Maschinen für die Flugbereitschaft des Bundes. Das Paket kostet insgesamt 615 Millionen Euro einschließlich Raketenabwehr, Pilotenausbildung und Wartung bis zum Jahr 2019. Erworben werden vier "Global 5000"-Jets des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier mit je 12 Plätzen sowie zwei Airbus A319 mit 48 Sitzen. Damit sollen die sechs 22 Jahre alten Challenger-Maschinen ersetzt werden, die mehrfach ausfielen und nur eingeschränkt einsetzbar sind.

Die Grundsatzentscheidung für die Erneuerung der Flugzeugstaffel hatte die Regierung schon vor Monaten gefällt und eine Ausschreibung eingeleitet. Die Beratungen des Haushaltsausschusses des Bundestages verliefen heute aber alles andere als glatt. Auch innerhalb der Koalitionsparteien gab es Differenzen, die auf eiligst einberufenen Sondersitzungen der Haushaltsexperten ausgeräumt wurden. Schließlich meint etwa der Bundesrechnungshof, dass vier Maschinen auch gereicht hätten. Zudem müssten nicht alle Flugzeuge mit dem teuren Selbstschutz gegen Raketen ausgestattet werden.

Schon Joschka Fischer wollte neue Flieger

Für den Kauf neuer Regierungsflugzeuge hatte sich schon der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) eingesetzt. Als Vielflieger litt er besonders häufig unter der Unzuverlässigkeit der Luftwaffen-Maschinen. Auf einem Flug nach Madrid barst einmal die Außenschicht einer Scheibe. Im Januar 2005 zog kurz nach einem Start Rauch durch Cockpit und Kabine. Die Piloten mussten Sauerstoffmasken aufsetzen und funkten das Notsignal.

Einen der schwersten Zwischenfälle musste Außenminister Frank Walter Steinmeier durchstehen, als er zum EU-Lateinamerika-Gipfel nach Wien flog. Kurz nach Abflug signalisierte ein Instrument im Cockpit einen drohenden Druckabfall. Der Pilot musste auf Sinkflug umschalten und im Tiefflug Wien ansteuern. Auch Bundestagspräsident Lammert blieb einmal nichts anderes übrig, als auf einen Linienflug auszuweichen, um von einem Besuch in Polen zurückzukommen. Zuletzt musste Bundespräsident Köhler Ende Oktober seine Teilnahme an einer Preisverleihung in Aachen wegen technischer Probleme mit zwei Flugzeugen kurzfristig absagen.

Neben den Challenger-Maschinen besitzt die Flugbereitschaft noch drei Airbus A310 aus den Beständen der DDR, die weiter fliegen sollen. Der damalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatte 2002 nach einer Lateinamerikareise mit Kanzler Gerhard Schröder geschimpft, es sei unzumutbar, dass der Bundeskanzler mit so einer "alten Honecker-Maschine" herumreisen müsse.

cvo/dpa



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