Nachfolge von Sahra Wagenknecht Amira Mohamed Ali ist neue Co-Chefin der Linksfraktion

Neue Kollegin für Dietmar Bartsch: Amira Mohamed Ali soll künftig als Co-Vorsitzende die Linksfraktion im Bundestag führen. Sie folgt auf Sahra Wagenknecht, die nicht mehr kandidierte.

DPA/Carsten Koall

Amira Mohamed Ali ist neue Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag. Die Abgeordnete aus Niedersachsen setzte sich im zweiten Wahlgang mit 36 zu 29 Stimmen gegen Caren Lay durch. Bei 68 Anwesenden und drei Enthaltungen entspricht das 52,2 Prozent. Mohamed Ali führt künftig an der Seite von Dietmar Bartsch die Fraktion, der ohne Gegenkandidat mit 44 Stimmen wiedergewählt wurde.

Für Bartsch war das Ergebnis eine deutliche Verschlechterung: Nach Angaben eines Fraktionssprechers entsprach es 63,7 Prozent der Stimmen. 2015 waren es noch rund 80 Prozent gewesen.

Die bisherige Co-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hatte im Frühjahr erklärt, nach vier Jahren im Amt nicht mehr kandidieren zu wollen. Als Grund gab sie Burn-out an. Sie habe den Tag nun auch herbeigesehnt, sagte sie vor der Fraktionssitzung. "Ich wünsche meiner Nachfolgerin und der gesamten neuen Fraktionsspitze, dass sie jetzt eine gute Chance bekommt." Einen Rückzug aus Politik und Öffentlichkeit plant Wagenknecht allerdings nicht.

Mohamed Ali bemängelte "hohe Reibungsverluste" in der Fraktion

Die Rechtsanwältin Mohamed Ali sitzt erst seit 2017 für Die Linke im Bundestag und wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet, zu dem auch Wagenknecht gehört. In der Fraktion hat sie sich bisher um Verbraucher- und Tierschutz gekümmert sowie um Recht und Ernährung.

Anfang November hatte sie die Fraktionsmitglieder über ihre Kandidatur informiert. In einer E-Mail schrieb sie, Fraktion und Partei befänden sich "in einer herausfordernden Situation". Es gebe in der Fraktion "immer wieder hohe Reibungsverluste, die mit dafür verantwortlich sind, dass die Wahrnehmbarkeit unserer Arbeit geschwächt wird".

Dies sei ein Grund dafür, dass Die Linke bei vielen Menschen nicht mehr als politische Kraft wahrgenommen würde, die zu den großen gesellschaftlichen Diskussionen etwas beizutragen habe, so Mohamed Ali. "Das ist verheerend."

Die unterlegene Caren Lay gehört zu den prominenteren Linken, war bereits Bundesgeschäftsführerin und Vizeparteichefin. Zuletzt war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende.



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mes/kev/dpa



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
friedrich_eckard 12.11.2019
1.
Die gewählte Kandidatin, deren Name sie eigentlich dazu verpflichtet, erfolgreich zu sein... pardon, wo steht das Phrasenschwein?... wird in sehr grosse Schuhe treten müssen, und es ist zu hoffen und zu wünschen, dass sie hineinwächst; die Zeit dazu wird man ihr lassen müssen. Für sie spricht schon einmal jedenfalls, dass jemand in dieser Funktion mit diesem Namen alleine eben dieses Namens wegen den rechten Sümpflingen den Schaum vor die reinigungsbedürftigen Mäuler treiben wird, von wegen "Umvolkung" und so... alle guten Wünsche und viel Erfolg!
josho 12.11.2019
2. Mit der Aussage...
......."dass die Linke bei vielen Menschen nicht mehr als politische Kraft wahrgenommen würde, die zu den großen gesellschaftlichen Diskussionen etwas beizutragen habe" trifft sie den Nagel ziemlich auf den Kopf. Das liegt vor allem auch daran, dass man statt politische Verantwortung wahrzunehmen auf Persönlichkeiten wie Sarah Wagenknecht so lange draufschlägt, bis sie mürbe sind. Die Schuhe, in die Frau Mohamed Ali als Nachfolgerin jetzt schlüpft, sind mutmaßlich einige Nummern zu groß für sie. Aber warten wir es ab.....
bwaare 12.11.2019
3. ... nicht mehr wählbar
Ohne Politikerinneren wie Frau Wagenknecht ist die LINKE nicht mehr wählbar. Es ist ja eh keine sozialistische Politik mehr. Es ist sozialdemokratische Politik. Irgendwie muss das Vakuum der SPD besetzt werden. Die Linken hätten eine reine Ostpartei bleiben müssen ohne die WASG oder wie dieser Verein hieß.
Schartin Mulz 12.11.2019
4. Sicher
haben die Linken auch schwere Fehler gemacht. Aber dass sie keine Chance hatten, die enttäuschten SPD-Wähler aufzufangen, liegt auch daran, dass die SPD-nahen Medien (ehemals "linke Kampfpresse") keine Chance ausgelassen haben, diese Partei zu diskreditieren. Und Bündnisse zwischen SPD und Linken dämonisert haben. Jede Äußerung von Lafontaine als "Linkspopulismus" gebrandmarkt, selbst wenn er dasselbe erzählte, was er vorher als SPD-Politiker auch gesagt hatte. Jetzt haben wir den Salat. DIe Linken spielen keine Rolle, aber die Wähler sind auch nicht bei der SPD geblieben. Z.T. sind sie beim alten Koalitionspartner Die Grünen" gelandet, aber nicht wenige auch bei der AfD. Und plötzlich wird in den Medien sogar ein CDU/Linke-Bündnis propagiert.
yvowald@freenet.de 12.11.2019
5. Amira folgt auf Sahra - eine gute Wahl!
Glückwunsch an Amira Mohamed Ali. Und Daumendrücken für eine gute politische Arbeit mit dem Ziel, De Linke noch attraktiver zu machen, damit künftig Bündnisse mit den Grünen und den Sozis möglich sind. Amira ist Mitglied der Gewerkschaft IG Metall und des Deutschen Tierschutzbundes. Schon diese beiden Mitgliedschaften deuten an, wie Amira denkt und für welche Personengruppen sie sich einsetzen wird.
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