Nachrichten-Überblick Der Tag des Rücktritts von Franz Müntefering

Paukenschlag in Berlin: Vizekanzler Franz Müntefering will noch in diesem Monat von seinen Ämtern als Vizekanzler und Arbeitsminister zurücktreten. Der Tag im Überblick.


+++ [18:07] +++ Merkel dankt Müntefering

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Rücktritt von Arbeitsminister Franz Müntefering bedauert. Merkel sagte am Abend in Berlin, es sei schade, dass sie die Zusammenarbeit mit dem Vizekanzler nicht fortsetzen könne. Müntefering sei wie sie überzeugt davon gewesen, dass Deutschland tief greifende Reformen brauche. Sie habe Münteferings Entscheidung, aus familiären Gründen seine Regierungsämter niederzulegen, zur Kenntnis genommen. "Ich habe dabei gemerkt, dass es Situationen im Leben gibt, die deutlich machen, dass es Wichtigeres gibt als Politik." Müntefering will an der Seite seiner Ehefrau sein, die Krebs hat. "Ich wünsche ihm und seiner Frau das allerbeste", sagte Merkel. Und: "Heute ist der Tag für ein herzliches Dankeschön an Müntefering."

+++ [17:57] +++ Struck äußert Trauer

SPD-Fraktionschef Peter Struck hat sich betroffen über den Rückzug von Franz Müntefering geäußert. Ihn erfülle die notwendige Entscheidung Münteferings mit Trauer und Bestürzung. Er sehe ihn ungern das Amt verlassen, respektiere aber seine Entscheidung, sagte Struck in Berlin. Müntefering und er arbeiteten nun seit 27 Jahren zusammen. "Er ist ein Freund von mir." Die Fraktion, der Müntefering auch weiterhin angehöre, habe sich heute erhoben und den scheidenden Minister mit Applaus empfangen.

+++ [17:48] +++ Beck verteidigt Verzicht auf Wechsel

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat seinen Verzicht auf einen Wechsel ins Bundeskabinett nach dem Rücktritt Münteferings verteidigt. Beck sagte heute Abend in Berlin, sein Eintritt in die Bundesregierung wäre ein "Fehler". Die gegenwärtige Art des Zusammenwirkens der SPD-Spitzenleute in Fraktion, Partei und Regierung biete bessere Möglichkeiten, sozialdemokratische Politik durchzusetzen.

+++ [17:31] +++ Schröder bedankt sich

Mit Bedauern, Verständnis und einem Dank hat Ex-Kanzler Gerhard Schröder auf Münteferings Rückzug reagiert. "Sein Rücktritt ist nicht nur ein Verlust für die SPD und die Bundesregierung, sondern auch ein Verlust für die Politik in Deutschland." Der Ex-Kanzler bezeichnete Müntefering als "starken Charakter" und "politisches Urgestein". Schröder zeigte sich "sicher, dass seine Stimme in der deutschen Politik auch in Zukunft von großem Gewicht sein wird". Die schriftliche Erklärung endet mit: "Um es im Münte- Sprech zu sagen: "Arbeit gut, Hilfe groß, Mensch klasse." Danke Franz!"



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.