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Gestorben Karl Lamers, 86

aus DER SPIEGEL 37/2022
Foto: Thomas Imo / photothek / IMAGO

Er wuchs bescheiden auf, dafür dachte er später dann in ganz großen Linien. Der CDU-Politiker Karl Lamers wurde in Königswinter geboren. Seine Familie sei arm gewesen, erzählte Lamers einmal. Der Vater starb im Zweiten Weltkrieg, als Lamers noch keine zehn Jahre alt war. Das Interesse an Politik gab er trotzdem an seinen Sohn weiter. Im Alter von 20 Jahren trat Lamers in die CDU ein, von 1980 bis 2002 saß er im Bundes­tag, zwölf Jahre davon als außenpolitischer Sprecher der Fraktion. Gemeinsam mit Wolfgang Schäuble verfasste Lamers 1994 ein Papier zur Europapolitik, das sich heute noch aktuell liest. Die Ostpolitik Deutschlands habe wesentlich »im Zusammenwirken mit Russland auf Kosten der dazwischen liegenden Länder« bestanden, heißt es darin. Diese Fehler gelte es zu beheben – durch eine Einbindung der Länder in die EU und die »vertiefende Verfestigung« des europäischen Staatenbundes. Bis zuletzt setzte sich Lamers für die Idee einer starken EU ein. Er war ein Mann mit festen Überzeugungen, der sich gleichzeitig nicht gegen Änderungen sträubte. Gern zitierte er ein chinesisches Sprichwort: »Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.« Karl Lamers starb am 27. August.

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