Nachwahl auf Rügen Parteienbündnis scheitert mit Coup gegen die NPD

Die NPD sitzt im neuen Landtag von Mecklenburg-Vorpommern mit fünf Abgeordneten. Das für die Nachwahl auf Rügen geschmiedete Parteienbündnis aus Grünen, Linken und Freien Wählern verfehlte sein Ziel, den Rechtsextremen ein Mandat abzunehmen. Bluten muss stattdessen die SPD.

Wahlplakat auf Rügen: Der Plan, der NPD einen Sitz abzunehmen, ist gescheitert
DPA

Wahlplakat auf Rügen: Der Plan, der NPD einen Sitz abzunehmen, ist gescheitert


Bergen/Schwerin - Es ist ein erfreuliches Ergebnis für die Grünen. Die Partei erzielte bei der Landtags-Nachwahl auf der Ostsee-Insel Rügen ihr landesweit bestes Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern. Damit errang sie ein siebtes Landtagsmandat. Die Grünen erreichten im Wahlkreis 33 (West-Rügen und Insel Hiddensee) 24,8 Prozent der Zweitstimmen. Sie lagen damit vor der SPD (22,4) und der CDU (19,0). Die Linke kam mit 18,9 Prozent auf Platz vier, gefolgt von FDP (5,5) und NPD (5,4).

Der von den Grünen zusätzlich gewonnene Sitz geht zu Lasten der SPD und nicht - wie erhofft - zu Lasten der NPD, die weiterhin mit fünf Abgeordneten im Landtag vertreten ist. Der Plan des Parteienbündnisses aus Grünen, Linken und Freien Wählern, den Rechtsextremen ein Mandat abzunehmen, ist damit gescheitert.

Im Landtag bleibt die SPD auch nach der Nachwahl mit Abstand stärkste Kraft. Sie hat 27 Sitze, gefolgt von der CDU mit 18 und der Linken mit 14 Sitzen.

Die FDP, die bei der Wahl am 4. September mit 2,7 Prozent den Sprung in den Landtag klar verfehlte, hatte auf den Einzug ihres Rügener Direktkandidaten Gino Leonhard in das Parlament gehofft - vergebens: Leonhard belegte mit 14,9 Prozent der Stimmen nur Platz drei.

Das Direktmandat im bisher CDU-dominierten Wahlkreis 33 ging erstmals seit 1990 an einen SPD-Mann. Der Sozialdemokrat Ingulf Donig fuhr mit 25,7 Prozent vor dem Linken-Kandidaten Andre Schröder (23,5) das beste Ergebnis ein. Thomas Gens - für die CDU nachnominiert, aber inzwischen wegen seiner DVU-Vergangenheit aus der Partei ausgeschlossen - erreichte mit 13,3 Prozent der Erststimmen Platz vier. Die Wahlbeteiligung auf Deutschlands größter Insel lag am Sonntag mit 40,8 Prozent auf einem historischen Tiefstand.

Grünen-Landeschef Jürgen Suhr sagte, zwar freue er sich über das zusätzlich gewonnene Mandat. "Ich bedauere aber sehr, dass wir unser wichtigstes Ziel, der NPD einen Sitz abzunehmen, nicht geschafft haben."

ler/dpa/dapd

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Seite 1
mangeder 19.09.2011
1. .
In abgeschiedenen Orten (wie bespielsweise auf abgelegenen Inseln) hat man wohl über Jahrunderte seine Verwandtschaft geheiratet - das würde auch erklären, warum die alteingesessenen Insulaner selbst zu so einer einfachen Aufgabe zu doof sind, wie mit einem Kreuzchen die Nazis aus dem Land zu wählen.
sappelkopp 19.09.2011
2. Ich glaube einfach...
...die wollten die Nazis gar nicht rauswählen, Mecklenburg-Vorpommern will die Nazis. Bei einem Wohnmobilurlaub im Mai 2010 auf Rügen hatte ich ein Erlebnis auf einem Campingplatz. Da wurde ein "südeuropäisch" aussehender Mann mit seiner Familie abgewiesen, als er einen Platz mieten wollte. "Alles vorbestellt", so die Antwort, die von der Campingplatzinhaberin auch noch unfreundlich kam. Nachdem die Familie den Raum verlassen hatte, hat sie gleich die Tür hinter ihr abgeschlossen. Ich war zufällig an der Rezeption und habe das mitbekommen und habe sie zur Rede gestellt. Es wäre ihr Platz und sie könne sich ihre Gäste aussuchen. "Stimmt, habe ich gesagt, und ich kann mir meinen Campingplatz aussuchen!" Dann bin ich abgereist und zwei Plätze weiter gefahren. Ich werde mein Geld nicht mehr nach Meck-Pom tragen. Sollen doch da die Nazis Urlaub machen.
Königstiger87 19.09.2011
3. kt
Zitat von mangederIn abgeschiedenen Orten (wie bespielsweise auf abgelegenen Inseln) hat man wohl über Jahrunderte seine Verwandtschaft geheiratet - das würde auch erklären, warum die alteingesessenen Insulaner selbst zu so einer einfachen Aufgabe zu doof sind, wie mit einem Kreuzchen die Nazis aus dem Land zu wählen.
Sie sollten nicht von sich auf andere schliessen. Wer im Kampf gegen Antidemokraten antidemokratisch vorgeht ist selber einer. Der Zweck heiligt die Mittel nicht!
yilderim 19.09.2011
4. Titel
Seltsam: Da wird ein Riesen Bohei um 5 Fuzzis von der NPD (5,4%) gemacht, während die linksextremen Seite des Spektrums zusammen mindestens 44% belegt (Grün 24,8; Linke 18,9). Zusammen mit der SPD kommen die linken und linksextremen Parteien auf 70% (!) und der Spiegel hat nichts besseres zu tun vor der NPD zu warnen??? Nur zur Erinnerung: In der DDR und der Sowjetunion hatten die linken Parteien 98-100%. Soll das wieder angestrebt werden?
H.P.Barkam 21.09.2011
5. So geht das nicht
Zitat von mangederIn abgeschiedenen Orten (wie bespielsweise auf abgelegenen Inseln) hat man wohl über Jahrunderte seine Verwandtschaft geheiratet - das würde auch erklären, warum die alteingesessenen Insulaner selbst zu so einer einfachen Aufgabe zu doof sind, wie mit einem Kreuzchen die Nazis aus dem Land zu wählen.
Was sich mangeder hier herausnimmt, ist eine Frechheit. So gehen vernunftbegabte Menschen nicht miteinander um. Ich schlage mangeder also vor zu ergründen, wann in seiner/ihrer Entwicklung Verstand und Erziehung abhanden gekommen sind.
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