Nachwahl in Dresden Merkel und Schröder kämpfen um die letzten Stimmen

Zwei Tage vor der Nachwahl gehen Gerhard Schröder und Angela Merkel heute zeitgleich in Dresden auf Stimmenjagd. Die CDU-Chefin forderte von der SPD, ihren Anspruch auf das Kanzleramt endlich anzuerkennen. Schröder rief die Union auf, bei Personalfragen auf Ultimaten zu verzichten.


Berlin/Dresden - "Man kann nicht sagen, man nehme Verhandlungen erst auf, wenn wir eine Vorleistung erbracht haben", sagte Schröder der "Sächsischen Zeitung". Alle Personalfragen müssten in den Verhandlungen geklärt werden. "In einer Großen Koalition braucht man eine Vertrauensbasis", sagte der Kanzler.

Schröder-Wahlplakat in Dresden: Entscheidung am Sonntag
AP

Schröder-Wahlplakat in Dresden: Entscheidung am Sonntag

Bei gleich starken oder annähernd gleich starken Gruppierungen, die zusammengehen wollen, könne der eine den anderen nicht dominieren. In jedem Fall gelte: "Bei einem so geringen Unterschied bei den Mandaten im Parlament kann die eine Seite der anderen Seite keine Ultimaten stellen oder irgend etwas diktieren." Schröder ließ offen, ob die Gespräche an Personalfragen scheitern können: "Ich kann das nicht voraussagen."

Merkel bekräftigte dagegen ihren Anspruch auf das Kanzleramt. Dies sei auch Bedingung für Koalitionsverhandlungen mit der SPD. Verhandlungen über ein Bündnis könnten erst beginnen, "wenn die notwendige Vertrauensbasis geschaffen ist", sagte Merkel. Zur ausreichenden Vertrauensbasis gehöre, "dass die SPD den Anspruch der Kanzlerschaft für die Union als stärkste Fraktion und damit der Kanzlerkandidatin anerkennt".

Merkel und Schröder machen heute zeitgleich Wahlkampf in Dresden. Während Merkel gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt in der Fußgängerzone in der Dresdner Altstadt auftreten wird, will Schröder am Nachmittag in Begleitung von SPD-Chef Franz Müntefering in einem Biergarten am Elbufer um Stimmen werben.

Die Nachwahl im Dresdner Wahlkreis 160 am Sonntag war wegen des Todes einer Direktkandidatin erforderlich geworden. Aufgerufen zur Abstimmung sind 219.397 Wahlberechtigte. Mehr als 35.600 von ihnen haben bereits per Briefwahl abgestimmt, das ist fast jeder Sechste. Bei der Bundestagswahl vor drei Jahren lag die Beteiligung in dem Wahlkreis bei 75,9 Prozent. Die Dresdner Abstimmung kann nur noch geringen Einfluss auf die Sitzverteilung im neuen Bundestag haben.

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