Nahost-Gipfel Clinton schaltet sich wieder ein

Nach seiner Rückkehr vom G-8-Gipfel in Japan vermittelt US-Präsident Bill Clinton wieder beim Nahost-Gipfel in Camp David. Er will zunächst getrennt mit Israels Regierungschef Ehud Barak und Palästinenserpräsident Jassir Arafat sprechen. Eine Einigung ist noch nicht in Sicht.


Clinton greift wieder in den Gipfel von Camp David ein
AP

Clinton greift wieder in den Gipfel von Camp David ein

Thurmont - Clinton traf sich unmittelbar nach seiner Ankunft mit seinen Beratern und Außenministerin Madeleine Albright, die die Gespräche während Clintons Aufenthalt beim G-8-Gipfel in Japan geleitet hatte. Haupthindernis bei den Gesprächen in Camp David ist nach Angaben aus diplomatischen Kreisen, welche Seite die Hoheit über die Heiligen Stätten in Jerusalem erhalten soll.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte, Clinton werde sich bei den Gesprächen mit Arafat und Barak darüber informieren, ob genug Fortschritte erzielt wurden, um die Gespräche fortzusetzen. Boucher bekräftigte, dass die Verhandlungen in Camp David unter Zeitdruck stehen. "Wir sind nicht für unbegrenzte Zeit hier".

Clinton hatte sich vor dem Abflug vom G-8-Gipfel vorsichtig optimistisch geäußert, dass die noch offenen Streitfragen zwischen Palästinensern und Israelis in der knappen noch zur Verfügung stehenden Zeit lösbar sein würden. Es habe "einige Fortschritte" in den Kernfragen gegeben, sagte Clinton, wobei er sich auf den Streit um die künftigen Grenzen eines Palästinenserstaates, den Konflikt um die Rückkehrerlaubnis für die 3,6 Millionen palästinensischen Flüchtlinge, die Zukunft bestimmter jüdischer Siedlungen sowie die Zukunft Jerusalems bezog.

Der Sprecher Baraks, Gadi Baltianski, sagte, sehr bald nach der Rückkehr Clintons werde klar sein, ob es sich noch lohne, zu bleiben oder ob man die Koffer packen und abreisen werde . Aus ranghohen israelischen Kreisen verlautete, die Stimmung in der Delegation sei düster, und zwar deshalb, weil sich die Palästinenser in der schwierigsten Streitfrage, Jerusalem, so kompromisslos zeigten. Jüdische Siedler-Organisationen erklärten am Sonntag unverblümt, sich gegen jeden Vertrag stellen zu wollen, der ihnen das in der Bibel verheißene Land wegnehmen wolle. Siedler-Sprecher Jehoschua Mor-Josef sagte, alle Siedler im Westjordanland und im Gaza-Streifen würden unwiderruflich dort bleiben.

Palästinensische Vertreter erwarteten nach eigenen Angaben zunächst einmal neue Vorschläge der Amerikaner in der Jerusalem-Frage. Frühere Vorschläge, die lediglich eine gemeinsame Verwaltung im arabischen Ostteil Jerusalems vorgesehen hätten, seien von Arafat abgelehnt worden. Die Palästinenser bestehen auf der vollen Hoheit über Ost-Jerusalem, dass 1967 von Israel annektiert worden war.



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