Nahost Tödliche Schüsse aus dem Gemüsetransporter

Blutige Vergeltung: Israelische Soldaten haben im Gazastreifen das Auto eines ranghohen Hamas-Aktivisten mit Kugeln durchsiebt. Der Getroffene, Riad Abu-Sed, gilt als Führer des bewaffneten Flügels von Issedin el Kassam, einer radikalen Hamas-Organisation.


Gaza-Stadt - Mit der Tat setzte die israelische Armee eine Reihe von Vergeltungsmaßnahmen fort, die sich offenbar gegen die Hintermänner eines Anschlags vom Wochenende richtet, bei dem vier Soldaten umkamen. Nach palästinensischen Angaben hatte ein Kommando der israelischen Armee im Süden der Stadt Gaza gelauert und auf das Auto Abu-Seds geschossen. Das Opfer starb wenig später im Krankenhaus. Die Armee ließ ihrerseits verlauten, man habe den Extremisten nicht töten, sondern festnehmen und vor Gericht stellen wollen. Riad Abu-Sed war im vergangenen Jahr zum Nachfolger des Hamas-Führers Salah Schehade ernannt worden. Schehade war im Juli bei einem Luftangriff der israelischen Armee ums Leben gekommen. Dabei wurden außerdem 14 weitere Menschen, darunter mehrere Kinder, getötet.

Ein palästinensischer Augenzeuge berichtete, die Soldaten hätten Abu-Seds Wagen aus einem Gemüsetransporter heraus beschossen. Das Auto des Extremisten sei von Kugeln durchsiebt worden. Ein Insasse sei sofort tot gewesen, der andere verletzt in ein israelisches Krankenhaus gebracht worden. Die Armee teilte mit, Abu-Sed sei zunächst schwer verletzt worden, weil er das Feuer auf die Soldaten eröffnet habe. In Palästinenserkreisen war von einem "Mordanschlag" die Rede.

Am Samstag waren bei einem Angriff auf einen israelischen Panzer vier Soldaten getötet worden. Seitdem kamen bei gewaltsamen Zusammenstößen 13 Palästinenser ums Leben. In der Nacht zu Montag starben bei einem Einsatz israelischer Soldaten in Gaza-Stadt zwei Palästinenser. Die Truppen waren, unterstützt von 35 Panzern und Kampfhubschraubern, kurz nach Mitternacht in den Stadtteil Scheich Radwan eingedrungen. Sie zerstörten außerdem das Haus eines Hamas-Mitglieds.

Trotz der zunehmenden Gewalt hofft der palästinensische Innenminister Hani el Hassan, dass die israelische Armee sich bald wieder zurückzieht. Seit Beginn des Palästinenser-Aufstands im September 2000 gegen die israelische Besetzung des Gaza-Streifens sind mehr als 2500 Menschen getötet worden. 1839 Palästinenser und 705 Israelis starben. Gespräche über eine friedliche Lösung waren bisher erfolglos.



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