Nato-Anforderung Deutsche Tornado-Jets in den Süden Afghanistans

Nach Informationen des SPIEGEL will die Bundesregierung deutsche Aufklärungstornados in den Süden Afghanistans entsenden. Ein neues Mandat im Bundestag soll für den umstrittenen Einsatz aber nicht eingeholt werden.


Berlin - Die Nato hat deutsche Tornado-Aufklärungsflugzeuge angefordert, die im umkämpften Süden Afghanistans aushelfen sollen. Der stellvertretende Nato-Oberbefehlshaber Sir John Reith hat die Flugzeuge laut SPIEGEL in einem vertraulichen Brief an Bundeswehrgeneralinspekteur Wolfgang Schneiderhan angefordert. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte inzwischen den Vorgang. Mit einer Antwort der Bundesregierung sei Anfang des kommenden Jahres zu rechnen.

"Tornado"-Kampfflugzeug der Bundeswehr: Einsatz im Süden Afghanistans steht bevor.
DDP

"Tornado"-Kampfflugzeug der Bundeswehr: Einsatz im Süden Afghanistans steht bevor.

Nach Informationen des SPIEGEL will die Bundesregierung der Anforderung nachkommen - allerdings ohne sich ein neues Mandat im Bundestag dafür einzuholen: Aus Sorge vor neuen Kontroversen sollen lediglich die Fraktionsvorsitzenden und Wehrexperten über die Entsendung der Tornados unterrichtet werden.

Nach Information des SPIEGEL könnten sechs Tornado-Jets im späten Frühjahr in Kabul oder dem nordafghanischen Masar-i-Sharif stationiert werden, um den Kampf alliierter Truppen gegen die Taliban zu unterstützen.

Die Bereitschaft der Bundesregierung kommt überraschend: Vor drei Wochen noch hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Nato-Gipfel in Riga gegen ein Engagement der Bundeswehr im gefährlichen Süden Afghanistans gesträubt. Das Bundestagsmandat sieht vor, dass die rund 3000 in Afghanistan stationierten deutschen Soldaten im vergleichsweise sicheren Norden des Landes bleiben. Nur in Notfällen dürfen kleine Kontingente für begrenzte Zeit im Süden aushelfen.

Der SPIEGEL berichtet weiter, dass deutsche Einheiten der internationalen Isaf-Friedenstruppe in Masar-i-Sharif zwischen Weihnachten und Neujahr auch mit schweren Schützenpanzern des Typs Marder ausgestattet werden sollen.



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