Nato Deutschland soll mehr fürs Militär ausgeben

Deutschland hat einen Rüffel von der Nato bekommen: Generalsekretär Stoltenberg fordert Berlin auf, mehr Geld in die Bundeswehr zu investieren. Es gebe keine faire Lastenverteilung in dem Bündnis.

Soldaten der Bundeswehr: Deutschland gibt 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für seine Armee aus
Getty Images

Soldaten der Bundeswehr: Deutschland gibt 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für seine Armee aus


Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg drängt Deutschland zu höheren Verteidigungsausgaben. Hintergrund sind die zunehmenden Krisen. Vor den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Nato-Beitritts der Bundesrepublik erinnerte er die Bundesregierung an das Ziel des Bündnisses, die Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Deutschland liegt derzeit bei 1,2 Prozent.

"Ich spreche alle Verbündeten an. Aber als große Volkswirtschaft fällt Deutschland stärker ins Gewicht als andere", sagte Stoltenberg der "Süddeutschen Zeitung". "Die USA geben vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus, in Europa sind wir näher bei einem Prozent. Das ist keine faire Lastenverteilung."

Die Nato hatte sich bei ihrem Gipfeltreffen in Wales im vergangenen Jahr vorgenommen, das Zwei-Prozent-Ziel innerhalb eines Jahrzehnts zu erreichen. Bisher geben nur fünf der 28 Nato-Staaten so viel für die Verteidigung aus: die USA, Großbritannien, Griechenland, Polen und Estland.

Die Bundesregierung will den Verteidigungsetat in den nächsten vier Jahren zwar schrittweise von derzeit 32,97 auf 35,01 Milliarden Euro anheben. Das reicht aber bei weitem nicht für das Nato-Ziel. Legt man das BIP des vergangenen Jahres zugrunde, müsste Deutschland 58 Milliarden Euro ausgeben, um die zwei Prozent zu erreichen.

Es kann sogar sein, dass sich Deutschland trotz der Aufstockung des Verteidigungsetats um 6,2 Prozent bis 2019 weiter von dem Nato-Ziel entfernt, denn das BIP wird wahrscheinlich schneller steigen. In den vergangenen vier Jahren wuchs es um 12,7 Prozent.

Stoltenberg nimmt am Dienstag an den Feierlichkeiten zur 60-jährigen Nato-Mitgliedschaft Deutschlands in Berlin teil. Der Jahrestag war bereits am 6. Mai. Wegen der Feiern 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in derselben Woche wurde die Nato-Veranstaltung in den Juni gelegt.

ler/dpa



insgesamt 45 Beiträge
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marthaimschnee 29.06.2015
1.
Und deswegen wird der Konflikt mit Russland aus den USA nach allen Kräften geschürt, damit die elenden Europäer begreifen, daß sie sich stärker verteidigen müssen. Ach und wie war das doch, die NATO wird sich nicht auf ein neues Wettrüsten einlassen? Nee, sie prescht voran!
ohjeeeee 29.06.2015
2. Teure Wahlgeschenke und Griechenlandrettung
Woher soll das Geld denn bitte kommen? Deutschland ist zu einem riesigen Sozialstaat verkommen. Für Militär bleibt da nicht mehr viel übrig, da muss erst wieder eine saftige Steuererhöhung (primär für die Mittelschicht) erfolgen...
tennislehrer 29.06.2015
3. Mit Waffen lässt
sich viel Geld verdienen. Deshalb werden auch Konflikte wie in der Ukraine befeuert. Meiner Ansicht nach sollten wir die NATO verlassen.
slowli 29.06.2015
4. Vorschlag
Wie wäre es mit mehr Geld für Bildung?
esenombre1712 29.06.2015
5. Bin absolut für eine Angleichung
Wie wäre es denn wenn die USA ihre Militärausgaben auch drastisch reduzieren? Die freiwerdenden Mittel könnten sie dann verwenden um ihre Veteranen (Helden?!)zu versorgen, die sie die letzten Dekaden wortwörtlich wie schmutzige Lappen benutzt haben.
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