Nato-Gipfel Bush will Schröder nicht unter vier Augen sprechen

Regierungssprecher in Deutschland und den USA versuchen zu beschwichtigen: Die Verstimmung zwischen den Staaten gehe nicht so weit, dass sich Präsident Bush und Kanzler Schröder meiden würden. Doch beim Nato-Gipfel in Prag könnte es am Donnerstag allenfalls zu einem Handschlag kommen, ein offizielles Treffen ist nicht geplant.


Ein Bild aus Zeiten der uneingeschränkten Solidarität: Schröder und Bush in Washington
DPA

Ein Bild aus Zeiten der uneingeschränkten Solidarität: Schröder und Bush in Washington

Berlin/Washington - Auch wenn keine offizielle Begegnung geplant sei, gebe es genug Gelegenheiten, sich während des Gipfels zu bereden, sagte ein Sprecher der Bundesregierung heute in Berlin. Alle Beteiligten gingen davon aus, dass Schröder und Bush "sich sehen, sich treffen und kurz miteinander sprechen werden".

Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, weder die deutsche, noch die amerikanische Seite hätten ein Vier-Augen-Gespräch vorgeschlagen. Dies sei angesichts zahlreicher Kontakte zwischen der deutschen und der US-Regierung in der letzten Zeit auch nicht notwendig, hieß es.

Der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, sagte am Montagabend in Washington, Bush werde Schröder beim Nato-Gipfel nicht meiden. Es gebe zwar kein Zweiertreffen, aber wohl einen Handschlag zur Begrüßung. Die Beziehungen zu Deutschland seien wichtig, und Washington werde weiterhin mit der Bundesrepublik in Fragen gemeinsamen Interesses zusammenarbeiten.

Deutschland und die USA sind erst vor kurzem nach wochenlanger Verstimmung wegen des Streits um einen möglichen Irak-Krieg wieder auf Annäherungskurs gegangen. Auf dem Nato-Treffen in Prag am Donnerstag und Freitag sehen sich Bush und Schröder erstmals seit dem Bundestagswahlkampf, der von Anti-Kriegsrhetorik geprägt war, wieder.

Nach wochenlangem Schweigen hatten Schröder und Bush erst vorletzte Woche wieder miteinander telefoniert. Das Telefonat sowie Besuche von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) in Washington wurden als Beginn des Tauwetters in den deutsch-amerikanischen Beziehungen gewertet.

Der Kanzler, Fischer und Struck werden am Mittwochabend in Prag erwartet. Bush sollte bereits am Dienstagabend in der tschechischen Hauptstadt eintreffen. Der US-Präsident wollte am Mittwoch vor Beginn des Nato-Treffens mehrere Staats- und Regierungschefs treffen.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.