Abschreckung gegen Russland Bataillon aus Sachsen gehört zur neuen Nato-"Speerspitze"

Die neue schnelle Eingreiftruppe der Nato soll bereits Anfang 2015 einsatzbereit sein. Die "Speerspitze" wird als Abschreckung gegen Russland eingerichtet. Auch ein Bataillon aus Sachsen ist daran beteiligt.
Nato-Generalsekretär Stoltenberg: Plant "Speerspitze" für "Anfang kommenden Jahres"

Nato-Generalsekretär Stoltenberg: Plant "Speerspitze" für "Anfang kommenden Jahres"

Foto: Julien Warnand/ dpa

Brüssel - Die Nato treibt die Vorbereitungen für ihre neue schnelle Eingreiftruppe voran. Sie soll in Zeiten der Krise mit Russland vor allem ein Zeichen der Unterstützung für die osteuropäischen Bündnispartner sein. Beim Treffen der Außenminister der Allianz in Brüssel kündigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg an, dass erste Einheiten der sogenannten Speerspitze bereits Anfang 2015 einsatzbereit sein sollen. Deutschland kommt beim Aufbau der Truppe eine zentrale Rolle zu.

Am Aufbau der neuen Truppe soll sich im nächsten Jahr auch das Panzergrenadierbataillon 371 aus Marienberg in Sachsen beteiligen. Der Gefechtsverband ist als zweiter großer Beitrag der Bundeswehr neben dem Deutsch-Niederländischen Korps in Münster vorgesehen. Zu dem Bataillon "Marienberger Jäger" gehören rund 900 Soldaten.

Zunächst nur in einer Light-Variante realisierbar, soll das Deutsch-Niederländische Korps die "Speerspitze" der Nato führen. Von Münster aus gesteuert sollen zunächst 5000 Mann innerhalb von Tagen mobilisierbar sein und im Fall des Falls auch an den Ostrand des Bündnisses verlegt werden.

Was die Außenminister beschlossen, folgte aus den Gipfelvereinbarungen vom Nato-Treffen in Wales im September. Damals hatte die Allianz angekündigt, wegen der Ukraine-Krise härtere Bandagen gegenüber Moskau anzulegen. Das Bündnis will wieder abwehrfähiger werden. Damit sollen seine neuen Mitglieder am Ostrand eine Rückversicherung erhalten, dass Russland Staaten wie Estland oder Litauen nicht destabilisieren oder annektieren kann, wie es in der Ostukraine passiert ist.

Nur Light-Variante realisierbar

Bisher allerdings sind die sogenannten "reassurance measures" eher symbolischer Natur. Wie immer eher vorsichtig betonte Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier schon vor dem Treffen in Brüssel, man arbeite lediglich daran, "die Einsatz- und Führungsfähigkeiten des Bündnisses zu erhöhen". Deutschland, so der Minister, leiste seinen Beitrag - beim Upgrade für ein deutsch-polnisches Kommandozentrum in Stettin und bei der Luftraumkontrolle über dem Baltikum.

Im Gegensatz zu den markigen Worten von Wales wirken die aktuellen Pläne einigermaßen abgespeckt. Zunächst war von einer Mobilisierungszeit von nur zwei Tagen die Rede, nun von einer Woche. Militärs halten selbst diesen Zeitrahmen für unrealistisch. Denn die Truppenteile, die zu dem Kommandostab in Münster gehören, bleiben in Sachsen und Niedersachsen und anderen Partnerländern stationiert - somit sind sie kaum innerhalb von Tagen einsetzbar.

Selbst eine Übung wäre teuer

Selbst eine Übung der Truppe würde für die teilnehmenden Nationen teuer werden, denn die Nato folgt dem Prinzip, dass dasjenige Land bezahlt, das die Truppen stellt. Militärs schätzen, dass schon ein Manöver mit den Truppenteilen um die 25 Millionen Euro kosten würde - angesichts der in der ganzen Nato sinkenden Wehrbudgets durchaus eine Hausnummer. Zudem sind praktisch eigentlich nur Deutschland, Frankreich und Großbritannien in der Lage, eine solche Truppe zu führen.

Für Deutschland, bei aggressiven Symbolen gegen Russland stets vorsichtig, kommt die kleinere Variante der "Speerspitze" recht gelegen. So war das Deutsch-Niederländische Korps so oder so an der Reihe, die "Nato Response Force" (NRF) 2015 zu führen. Nun bekommt das Projekt einen neuen Namen, trotzdem aber kann Berlin innerhalb des Bündnisses feststellen, dass die Bundeswehr ihren Anteil leistet. Teile der NRF wurden etwa 2004 zum Schutz der Olympischen Spiele in Athen eingesetzt. Kampfeinsätze gab es aber noch nie.

ler/mgb/AFP/dpa