Naturschützer Entfernungspauschale als "Zersiedelungsprämie"

Während sich die Koalition bei der Entfernungspauschale offenbar einigt, kommt von Umweltschützern harsche Kritik an der geplanten Entlastung für Pendler.


Die Grünen wollen, dass alle Pendler steuerlich gleich behandelt werden
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Die Grünen wollen, dass alle Pendler steuerlich gleich behandelt werden

Osnabrück - Der Bund für Umwelt und Naturschutz ("Bund") sprach sich gegen eine nach Wegstrecke differenzierte Entfernungspauschale aus und forderte mittelfristig sogar deren stufenweise Abschaffung. Die "Bund"-Vorsitzende Angelika Zahrnt sagte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei unakzeptabel, wenn jene am meisten Geld bekämen, die am weitesten pendelten und damit die Umwelt am stärksten belasteten.

Eine Förderung nach Entfernung sei "eine Zersiedelungsprämie", sagte Zahrnt. Damit fördere man etwas nach raumplanerischen Gesichtspunkten Unerwünschtes. "Mit dem gleichen Recht könnten Stadtbewohner, die unter dem Lärm und den Abgasen der Pendler leiden, eine Entschädigung für ihre höheren Mieten verlangen." Gegen eine einheitliche Obergrenze bei der steuerlichen Förderung habe der "Bund" nichts.

Zahrnt forderte, die Entfernungspauschale solle auf zwei Jahre begrenzt werden. In dieser Zeit könnten sich Pendler überlegen, ob sie auf den öffentlichen Nahverkehr oder ein verbrauchsarmes Auto umsteigen wollten. "Wir müssen davon abkommen, das Zurücklegen von Wegen und die damit verbundenen Umweltbelastung zu subventionieren."

Die schleswig-holsteinische Justizministerin Anne Lüttkes von den Grünen sagte der Kölner Zeitung "Express": "Für uns ist die Gleichbehandlung aller Pendler das oberste Ziel. Daher muss die Entfernungspauschale nicht nur für Auto- und Bahnfahrer, sondern auch für Radfahrer und Fußgänger gelten."







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