Feuer in Nauener Flüchtlingsunterkunft Woidke kündigt Null-Toleranz-Politik an

Nach dem Feuer in einer neuen Flüchtlingsunterkunft in Nauen geht Brandenburgs Innenminister Schröter von Brandstiftung aus. Ministerpräsident Woidke nennt Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte beschämend.

Nauen in Brandenburg: Löscharbeiten dauerten bis zum Morgen
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Nauen in Brandenburg: Löscharbeiten dauerten bis zum Morgen


Eine Sporthalle im brandenburgischen Nauen, in der in wenigen Tagen rund hundert Flüchtlinge untergebracht werden sollten, ist komplett ausgebrannt. "Es handelt sich vermutlich um vorsätzliche Brandstiftung", sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz-Schröter (SPD) bei einem Besuch in Nauen laut dem RBB. Darauf deuteten die Brandrichtung, Ausbreitung und Schnelligkeit des Feuers hin.

Vom ersten Alarm um 2.22 Uhr in der Nacht bis zum Eintreffen der Feuerwehr seien lediglich zwölf Minuten vergangen. "Da brannte bereits alles lichterloh", sagte Schröter. Mit ersten Erkenntnissen der Polizei und Staatsanwaltschaft sei am Nachmittag zu rechnen. "Wir werden alles daran setzen, Ursachen und Täter zu ermitteln", betonte der Innenminister. "Solch ein Akt ist in keiner Weise zu tolerieren."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte: "Es bleibt dabei: null Toleranz gegenüber jeglicher Form von Fremdenfeindlichkeit." Falls die Ermittlungen bestätigten, dass es sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag handelte, würden Polizei und Justiz alles daran setzen, dass die Täter gefasst und bestraft werden, sagte er in Potsdam.

"Ob Ausländerhetze und tätliche Angriffe auf Menschen in Not in Heidenau oder die Verhinderung des Einzugs von Flüchtlingen in Nauen per Brandstiftung, derartige Aktionen sind beschämend und Deutschlands unwürdig", verurteilte Woidke die mutmaßliche Tat. Nun sei eine "wehrhafte Demokratie" und ein "Aufstand der Anständigen" erforderlich. "Ich appelliere an die Brandenburger: Setzen Sie Zeichen der Mitmenschlichkeit. Distanzieren Sie sich vom fremdenfeindlichen Mob."

"Wenn es Brandstifter sind, sind es für mich Verbrecher"

Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) hatte sich zuvor tief betroffen von dem Feuer gezeigt: "Wenn es Brandstifter sind, sind es für mich Verbrecher." Es gebe immer wieder rechtsextremistische Hetze in sozialen Netzwerken, sagte er. Nachdem zwei Täter nach mehreren Anschlägen auf Parteibüros der Linken und der SPD gefasst worden seien, sei es in den vergangenen Wochen aber eher ruhig gewesen.

In der Stadt gebe es aber auch Widerstand gegen Rechtsextremisten, betonte Fleischmann. In der vergangenen Woche hätten sich mehrere Verbände zusammengeschlossen, um gegen Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

Die Polizei geht nach den bisherigen Erkenntnissen von Brandstiftung aus. Ein technischer Defekt sei höchst unwahrscheinlich, hieß es. Spezialisten sollen die Ursache am Vormittag eingehender untersuchen. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Rechtsextreme störten Stadtverordnetenversammlung

Die Sporthalle gehört zum Oberstufenzentrum mit beruflichem Gymnasium des Landeskreises Havelland. Der Landkreis hatte im Juli angekündigt, dass in der Halle vorübergehend Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Vorgesehen war eine Nutzung von September bis Jahresende. Mit Inbetriebnahme neu errichteter Container-Unterkünfte in Schönwalde und Dallgow-Döberitz sollte die Sporthalle dann wieder ihrem eigentlich Zweck dienen.

In Nauen hatte es in diesem Jahr mehrfach Proteste gegen die geplante Aufnahme von Flüchtlingen gegeben. Im Februar störten Rechtsextreme eine Stadtverordnetenversammlung zu diesem Thema so sehr, dass die Sitzung abgebrochen werden musste.

Erst in der Nacht zum Montag hatte es in einer geplanten Asylunterkunft im baden-württembergischen Weissach im Tal gebrannt.

heb/dpa/AFP



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