Nazi-Massaker in Italien Stuttgart treibt Ermittlungen gegen Verdächtige voran

Nach der Verurteilung von ehemaligen SS-Soldaten in Italien wollen nun auch die Deutschen ihre Ermittlungen zu den Nazi-Massakern abschließen. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft bereitet die Anklage gegen 14 mutmaßliche Täter vor. In Italien hatten zuvor zehn NS-Verbrecher wegen des Massenmordes in Sant'Anna eine lebenslange Haftstrafe erhalten.


La Spezia/Stuttgart - Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen 14 Männer, denen vorgeworfen wird, 343 Zivilisten in dem Bergdorf Sant'Anna di Stazzema ermordet zu haben, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde. Das Militärgericht in La Spezia war von 560 Getöteten bei dem Massaker am 12. August 1944 ausgegangen. Der Stuttgarter Behörde liegen 343 Totenscheine vor, sie zweifele die italienischen Angaben aber nicht an, so der Sprecher.

Die Stuttgarter Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft gegen neun der Männer, die in La Spezia verurteilt wurden. Zudem werde gegen fünf weitere Männer wegen des Massakers ermittelt. Die deutschen Ermittler hätten inzwischen alle Überlebenden des Massakers als Zeugen vernommen, sagte der Sprecher.

Das Simon Wiesenthal Center in Jerusalem forderte die Staatsanwaltschaft auf, die Ermittlungen zügig zu beenden. "Die Staatsanwaltschaft sollte ihre Bemühungen verstärken, damit es möglichst schnell zu einer Entscheidung über eine Anklage kommt", sagte Efraim Zuroff, Leiter des Wiesenthal Centers in Jerusalem. "Das Urteil aus La Spezia zeigt, dass es nach wie vor möglich ist, NS-Verbrecher zu bestrafen."

Die Verdächtigen sind nach Angaben der Stuttgarter Staatsanwaltschaft im Alter um die 80 Jahre und leben im gesamten Bundesgebiet verteilt. Die ehemaligen Soldaten sollen der 16. Panzergrenadierdivision "Reichsführer-SS" angehört haben. Ein genauer Zeitpunkt, zu dem die Arbeit der Anklagebehörde abgeschlossen sein wird, wurde noch nicht genannt.

In Italien stehen unterdessen zwei weitere Prozesse wegen Nazi-Massakern an. Am 5. Juli sollen in La Spezia Vorverhandlungen über das das Massaker von Civitella und das "Blutbad von Marzabotto" beginnen. In der Apennin-Ortschaft wurden bei einem Überfall von SS-Einheiten und der Wehrmacht im September 1944 hunderte Zivilisten getötet. Das Massaker gilt als das schwerste Nazi-Kriegsverbrechen auf italienischem Boden. Die genaue Zahl der Opfer ist bis heute ungeklärt, einige italienische Quellen sprechen von bis zu 1.800 Opfern.



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