Nazis Ex-SS-Offizier Viel ist tot

Der frühere SS-Offizier Julius Viel ist im Alter von 83 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. Der ehemalige Unterscharführer war im April in einem Prozess zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Karlsruhe - Viel sei am Sonntag an seinem Wohnort Wangen im Allgäu gestorben, hieß es aus Justizkreisen. Das Landgericht Ravensburg hatte ihn verurteilt, weil er Ende des Zweiten Weltkriegs in Leitmeritz (Litomerice) in Tschechien sieben jüdische Zwangsarbeiter ermordet haben soll.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte vor kurzem eine Revisionsverhandlung gegen Viel wegen dessen schwerer Krebserkrankung verschoben. Viels Gesundheitszustand hatte sich in letzter Zeit derart verschlechtert, dass er wahrscheinlich nicht mehr in der Lage gewesen wäre, das Revisionsverfahren noch zu überblicken. Nach den Worten des BGH- Sprechers Wolfgang Krüger hatten die Mitteilungen des Vollzugskrankenhauses und der Strafkammer des Landgerichts Ravensburg den Schluss nahe gelegt, dass Viel "nicht mehr versteht, worum es geht".

Das Ravensburger Landgericht hatte 38 Prozesstage lang gegen Viel verhandelt - wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nur vier Stunden pro Tag. Nach Erkenntnissen der Richter erschoss Viel 1945 innerhalb einer Minute "aus Freude an der Vernichtung menschlichen Lebens" ohne jeglichen Anlass sieben jüdische Häftlinge, die einen Panzergraben ausheben sollten, wie es in einer BGH-Mitteilung heißt. Das Landgericht erkannte auf Mord aus niedrigen Beweggründen und Mordlust. Angeklagter und Staatsanwaltschaft legten gleichermaßen Revision ein.

Trotz seiner Krankheit saß Viel ab Oktober 1999 in Untersuchungshaft. Am 15. Februar erklärte das Landgericht den Angeklagten für haftunfähig, woraufhin er vom Gefängniskrankenhaus in Hohenasperg in ein allgemeines Krankenhaus verlegt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Viel als Journalist in Wangen im Allgäu ein Leben "ohne Fehl und Tadel" geführt, hieß es bei der Urteilsverkündung des Landgerichts. Die späte Aussage des ehemaligen Waffen-SS-Junkers Adalbert Lallier, dessen Ausbilder Viel war, hatte zur Verurteilung geführt.