Bundestag Mindestens 123 Abgeordnete haben einen Nebenjob

Abgeordnete im Bundestag: Wer ist neben seinem Mandat noch tätig?

Abgeordnete im Bundestag: Wer ist neben seinem Mandat noch tätig?

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Die Bundestagsabgeordneten haben ihre Nebeneinkünfte veröffentlicht. Wie viele Parlamentarier verdienen neben ihrem Mandat etwas dazu? Wo sitzen die meisten Nebenjobber? Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Berlin - Der Bundestag geht in die Transparenzoffensive, seit Freitag sind die Nebenverdienste der Parlamentarier im Internet einsehbar . Dafür mussten die 631 Abgeordneten so detailliert wie noch nie darüber Auskunft geben, für welche Organisationen, Firmen oder Betriebe sie tätig sind - und ob und wie viel sie damit verdienen.

SPIEGEL ONLINE zeigt, wie viele Parlamentarier neben ihrem Mandat Einkünfte beziehen:

  • Demnach haben 123 Abgeordnete nach eigenen Angaben Nebeneinkünfte von mindestens 1000 Euro bezogen. Diese Parlamentarier haben ihre Extraverdienste nach dem neuen Zehn-Stufen-System sortiert.
  • Wahrscheinlich gibt es noch mehr Nebenjobber im Bundestag. 273 Abgeordnete haben keine ihrer Tätigkeiten mit einer Stufe oder dem Hinweis auf eine ehrenamtliche Tätigkeit versehen. Das müssen sie auch nicht zwingend: Wer Einkünfte unter 1000 Euro monatlich oder unter 10.000 Euro jährlich bezieht, muss nichts davon veröffentlichen.
  • Explizit keine Nebeneinkünfte haben nach eigenen Angaben 115 Abgeordnete bezogen.
  • Ausschließlich im Ehrenamt haben nach eigenen Angaben 120 Abgeordnete nebenbei gearbeitet.

Und so sieht die Verteilung in der grafischen Darstellung aus:

Ob Landwirte, Juristen, Aufsichtsräte oder Besitzer eines Familienbetriebs: Ein Streifzug durch die Profile der Abgeordneten zeigt, wie viele unterschiedliche Professionen und Berufe sich im Bundestag tummeln. Doch die Zahl derer, die neben dem Mandat etwas dazuverdienen, verteilt sich im Bundestag sehr unterschiedlich.

  • In der Linksfraktion gaben 41 Prozent der Abgeordneten an, keine Nebentätigkeiten zu verfolgen. Das sind deutlich mehr Mandatsträger ohne Nebenjob als in allen anderen Fraktionen.
  • Bei den Grünen gab ein Drittel der Abgeordneten an, ausschließlich einer ehrenamtlichen Tätigkeit nebenbei nachzugehen.
  • In der Unionsfraktion sammeln sich die meisten Nebenverdiener, und auch die meisten Großverdiener. Ein ausführliches Ranking der Top-Verdiener im Bundestag finden Sie hier.

Und so verteilen sich die Nebenverdienste nach Fraktionen sortiert im Detail:


Auffällig ist auch der Unterschied nach Geschlechtern:

  • Gerade einmal neun Prozent der Politikerinnen geben Nebenverdienste mit einer Stufe an. Bei ihren männlichen Bundestagskollegen sind es 25 Prozent. Unter den ersten zwölf Top-Verdienern findet sich nur eine Frau.
  • Jede vierte Abgeordnete arbeitet nebenbei gar nicht. Bei den Männern sind es 15 Prozent, die keine Nebentätigkeit angeben.

Fazit: Die neuen Transparenzregeln sorgen für mehr Klarheit. Dank der zehn Einkommensstufen ist erstmals detaillierter nachvollziehbar, wie viel ein Volksvertreter nebenher verdient. Allerdings sorgt etwa die jährliche Mindestgrenze von 10.000 Euro dafür, dass man weiterhin nicht genau weiß, wer überhaupt Extraeinkünfte bezieht - und wer wegen der Bagatellgrenze durchs Raster fällt. Zudem sind die Abgeordnetenprofile auf der Website des Bundestags nur mühsam zu durchsuchen. Bürgernah und nutzerfreundlich ist das nicht.

Nebenverdienste der Bundestagsabgeordneten


Haben Sie Fragen an Ihren Abgeordneten? Dann stellen Sie diese über das Bundestagsradar, das SPIEGEL ONLINE mit Hilfe des Politik-Portals abgeordnetenwatch.de  erstellt. Klicken Sie einfach auf den jeweiligen Parlamentarier:

Mitarbeit: Almut Cieschinger und Mara Küpper (Dokumentation)
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