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29. August 2019, 19:37 Uhr

Russischer Rechtsextremist

Neonazi-Kampfsportler erhält Einreiseverbot für Schengenraum

Denis Niktin gilt als führender Kopf der rechtsextremen Kampfsportszene. Nun haben die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen ein weitreichendes Einreiseverbot gegen den Russen erwirkt, der lange in Köln lebte.

Er pflegt Kontakt zu Größen wie dem NPD-Vize Thorsten Heise, hielt bei einem Rechtsrock-Konzert im thüringischen Themar 2017 eine Rede vor 6000 Neonazis. Nun haben die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen gegen den in Köln aufgewachsenen russischen Rechtsextremisten Denis Nikitin ein Einreiseverbot für den Schengenraum erwirkt.

Das teilte das nordrhein-westfälische Integrations- und Flüchtlingsministerium mit. Zuvor hatte der Rechercheverbund von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" darüber berichtet.

Denis Nikitin heißt eigentlich Denis Kapustin. Allerdings war er lange nur unter ersterem Namen bekannt. In den vergangenen Jahren trat der 34-jährige Kampfsportler immer wieder als Sponsor von Kampfevents auf, mehrfach etwa in Rom, Lyon, Athen und beim "Kampf der Nibelungen" im sächsischen Ostritz.

SPIEGEL-Recherchen hatten erhebliche Widersprüche in seiner Biografie offengelegt - und Hinweise auf mutmaßliche kriminelle Geschäfte Nikitins in der Ukraine geliefert (mehr dazu lesen Sie hier).

Er wird auch im aktuellen nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht erwähnt. Dort heißt es, er trage maßgeblich dazu bei, die rechtsextreme Kampfsportszene zu professionalisieren. Dazu führe er zahlreiche rechtsextremistische Kampfsportveranstaltungen in mehreren Ländern durch.

Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wurde Nikitin im Februar zunächst "von Amts wegen" in Köln abgemeldet. Der Kampfsportler hatte sich nach Behördenerkenntnissen demnach bereits längere Zeit nicht mehr in seiner Wohnung in Köln-Chorweiler aufgehalten und war ins Ausland gezogen. Im Mai folgte schließlich die "Erlöschung der Niederlassungserlaubnis" - damit besitzt er keinen aufenthaltsrechtlichen Status mehr.

Die Behörden verhängten zudem ein Einreiseverbot für den gesamten Schengenraum.

Laut dem Rechercheverbund wird normalerweise hauptsächlich Straftätern eine Wiedereinreise verwehrt. Nur in seltenen Fällen geschehe dies, weil eine Person als Verfassungsfeind gilt oder von ihr Gefahr ausgeht.

Nordrhein-Westfalens Integrations- und Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) sagte laut Mitteilung: "Wir gehen konsequent gegen alle Personen vor, die unsere demokratische Grundordnung und damit auch die öffentliche Sicherheit gefährden."

mho/dpa

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