Teurer Neubau Erste Mitarbeiter beziehen Büros in Berliner BND-Zentrale

Sechseinhalb Jahre nach Baubeginn haben die ersten BND-Bediensteten ihre Arbeit in der neuen Geheimdienstzentrale in Berlin aufgenommen. Der Grünen-Abgeordnete Ströbele kritisiert den Neubau als "mächtig, riesig, hässlich und ungeheuer teuer".
BND-Neubau in Berlin: 260.000 Quadratmeter Bürofläche

BND-Neubau in Berlin: 260.000 Quadratmeter Bürofläche

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Berlin - Die ersten 174 Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) haben am Montag ihre Arbeit in der neuen Zentrale in Berlin aufgenommen. Sie dürften sich zunächst ziemlich verloren vorkommen: Der Neubau an der Chausseestraße in Mitte misst rund 260.000 Quadratmeter Bürofläche.

In den kommenden Jahren sollen insgesamt knapp 4000 Geheimdienstmitarbeiter in die Hauptstadt ziehen, die derzeit noch in der bisherigen BND-Zentrale in Pullach bei München und in mehreren Nebenstellen arbeiten.

Das komplette Gelände in Berlin soll bis Ende 2016 bezugsfertig sein; bis dahin sollen auch die Arbeiten am Hauptgebäude abgeschlossen sein. Dort sollen die meisten Büros, die BND-Führungsebene und das Info-Zentrum untergebracht werden. Der Neubau soll insgesamt rund 5200 Räume beherbergen.

Nach BND-Angaben werden dafür 135.000 Kubikmeter Beton und 20.000 Tonnen Stahl verbaut. Durch das Gelände ziehen sich demnach rund 20.000 Kilometer Glasfaserkabel und 10.000 Kilometer Kupferkabel. Für den kompletten Umzug müssen laut BND 58.000 Möbelstücke und rund 100.000 Umzugskartons an den neuen Standort transportiert werden.

"Mächtig, riesig, hässlich und ungeheuer teuer"

Das Bauprojekt hatte in den vergangenen Jahren wegen Kostensteigerungen und Verzögerungen für Kritik gesorgt. Beim ersten Spatenstich 2006 hatte der Bauherr, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, mit Kosten von 720 Millionen Euro gerechnet. Inzwischen geht das Bundesamt von 912,4 Millionen Euro aus. BND-Chef Gerhard Schindler bezifferte die Gesamtkosten inklusive des Umzugs der Mitarbeiter vor anderthalb Jahren auf rund 1,3 Milliarden Euro.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) verwies bei der Eröffnungsfeier darauf, dass die Informationen des BND eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Politik darstellten. Gerade bei internationalen Krisen sei es unabdingbar, dass sie zeitgerecht zur Verfügung stünden - was durch die räumliche Nähe sichergestellt werden könne.

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele wies diese Argumentation zurück: Er verstehe nicht, warum die BND-Mitarbeiter ihre Arbeit "nicht genauso gut oder genauso schlecht von Pullach aus weiter machen können wie jetzt von Berlin aus".

Der Bezug des BND-Neubaus sei "kein guter Tag für den deutschen Steuerzahler", kritisierte Ströbele am Montag im RBB-Programm "radioeins". Das Gebäude sei "nicht nur mächtig, riesig, hässlich, es ist auch ungeheuer teuer".

syd/AFP
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