Neue im Bundestag 100 Tage Hamsterrad

Die Wege sind lang, der Schnee schlecht geräumt, das Zuhause weit weg: Auch nach drei Monaten sind die meisten neuen Bundestagsabgeordneten noch nicht ganz im Berliner Politikalltag angekommen. 100 Tage Parlament - SPIEGEL ONLINE stellt sechs Novizen vor.

Von Sonja Bechtold, und


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Neue im Parlament: Noch nicht ganz angekommen
Berlin - Es war ein großer Tag für sie: Zum ersten Mal durften die 202 neuen Abgeordneten an diesem 28. Oktober im Plenarsaal des Bundestages Platz nehmen. Durch die Reichstagskuppel schien die milde Herbstsonne zur konstituierenden Sitzung, am Plenum mühte sich ein Herr mit bunter Fliege - Alterspräsident Heinz Riesenhuber von der CDU - durch eine mitunter abseitige Rede, später gab es ein bisschen Aufregung, weil Angela Merkel bei der Kanzlerwahl ein paar Stimmen aus dem schwarz-gelben Lager fehlten.

Die Parlamentspremiere - für viele Neue ein Highlight ihres bisherigen politischen Lebens. Darunter junge Leute, teilweise direkt von der Universität, aber auch Politiker um die 60, die beruflich schon einiges erreicht haben.

100 Tage später ist diese Euphorie bei den meisten Novizen verflogen. Inzwischen steckt jeder von ihnen tief in der Abgeordnetenarbeit - ob in den jeweiligen Ausschüssen, den Arbeitsgruppen ihrer Fraktionen oder anderen Aufgaben. Ihre erste Rede haben die meisten hinter sich, selbst für politische Juniorprofis wie Johannes Vogel, den Vorsitzenden der Jungen Liberalen, war das nicht ohne: "Es hat mich überrascht, wie nervös ich war", sagt der FDP-Abgeordnete.

Manche haben immer noch kein festes Büro

Einige Parlamentsneulinge haben nach drei Monaten immer noch keine endgültigen Räumlichkeiten für sich und ihre Mitarbeiter, keine feste Telefonnummer, keine Visitenkarten. "Das nervt mich schon ziemlich", sagt die Linke-Abgeordnete Nicole Gohlke.

Sie finden sich nach und nach zurecht im politischen Alltag - aber richtig angekommen sieht sich auch nach 100 Tagen kaum einer. "Mitunter fühle ich mich noch wie ein Hamster im Laufrad", sagt der SPD-Abgeordnete Claudio-Steffen Lemme.

Das Hin und Her zwischen dem heimatlichen Wahlkreis und der Hauptstadt ist für viele noch ungewohnt. Manchmal sind es allerdings auch ganz praktische Dinge, die nerven: "Der Winterräumdienst ist hier längst nicht so fit wie bei uns zu Hause", sagt der bayerische CSU-Parlamentarier Karl Holmeier aus der Oberpfalz. Seine CDU-Kollegin Nadine Müller dagegen hatte zunächst Pech mit ihrer Berliner Wohnung - ein Wasserschaden.

Und trotzdem, der Grüne Thomas Gambke ist nicht allein, wenn er über sein neues Abgeordnetenleben sagt: "Ich mache das mit großer Freude."

SPIEGEL ONLINE zeigt, wie sechs Novizen ihre ersten 100 Tage erlebt haben:

insgesamt 1957 Beiträge
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Seite 1
Saudi-Arabien 02.02.2010
1.
Zitat von sysopDie ersten 100 Tage der Regierung sind traditionell eine Zäsur - Zeit für eine Zwischenbilanz. Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht?
Da fällt mir die Antwort leicht. [quote] Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht? [/quote} Nichts außer Ärger.
saul7 02.02.2010
2. ++
Zitat von sysopDie ersten 100 Tage der Regierung sind traditionell eine Zäsur - Zeit für eine Zwischenbilanz. Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht?
Die Erkenntnis, dass mit Klientel-Politik kein Staat zu machen ist!!!
bammy 02.02.2010
3.
Zitat von sysopDie ersten 100 Tage der Regierung sind traditionell eine Zäsur - Zeit für eine Zwischenbilanz. Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht?
Schlagzeilen ;-)) Was sollen die schon gebracht haben? Die ersten Gesetze sind erst mal 4Wochen in Kraft.
Direwolf 02.02.2010
4.
Zitat von sysopDie ersten 100 Tage der Regierung sind traditionell eine Zäsur - Zeit für eine Zwischenbilanz. Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht?
Eine große Enttäuschung. Der Start ist genau so übel wie der Anfang von Rot-Grün und läßt mich armen NRW Wähler mit der Frage zurück, wen ich denn überhaupt noch wählen soll.
yogtze 02.02.2010
5.
Uns nichts - augenommen denjenigen unter uns, die zufällig Hoteliers, Apotheker oder Pharmahersteller sind... Es muss aber weitergehen, die FDP ist ja "vielschichtig" - als Klientelpartei, da gibt es noch einige Interessengruppen zu bedienen.
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