Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


zwei Großereignisse kündigen sich diese Woche an, beide haben - wie könnte es auch anders sein - mit Donald Trump zu tun. Das eine wird sicher stattfinden: das zweite Gipfeltreffen zwischen dem US-Präsidenten und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un am Mittwoch in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi.

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Heft 9/2019
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Für das zweite mögliche Ereignis gibt es bisher nur Hinweise: Der fertige Bericht von US-Sonderermittler Robert Mueller über die mögliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Trumps Wahlkampfteam könnte diese Woche an den US-Justizminister übermittelt werden. Das wäre für die US-Politik ein Erdbeben der Stärke 9 - unabhängig vom Inhalt des Berichts. Ob und wie viel davon später öffentlich wird, kann Justizminister William Barr (von Trump eingesetzt) selbst entscheiden.

Wir halten Sie zu beiden und allen anderen wichtigen Themen - zum Beispiel: den Brexit - natürlich hier und auf SPIEGEL ONLINE auf dem Laufenden.

Kim ist unterwegs nach Hanoi

DPA

Kim ist mit seinem Hochsicherheitszug bereits am Samstag in Richtung Vietnam aufgebrochen - der Schienenweg ist 4500 Kilometer lang. Die Angewohnheit, in Zügen statt Flugzeugen zu reisen, hat der nordkoreanische Herrscher von seinem Vater und Großvater übernommen. Was vom Gipfel zu erwarten ist? Es geht vor allem um Show und Simulation, davon können Trump wie Kim profitieren.

Echte Fortschritte beim Ziel, die nordkoreanischen Atomwaffen loszuwerden, sind nicht zu erwarten. Seit dem vergangenen Gipfel im Juni 2018 hat sich in den wesentlichen Fragen nichts getan. Möglich ist, dass die beiden Männer den Waffenstillstand auf der koreanischen Halbinsel in einen Friedensvertrag umwandeln - das wäre symbolisch wertvoll, würde aber am bestehenden Konflikt nichts ändern.

Merkel in der Wüste

DPA

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist heute im ägyptischen Urlaubsort Scharm el-Scheich, wo seit gestern die EU und die Arabische Liga einen gemeinsamen Gipfel abhalten. Merkel fehlt deshalb heute übrigens auch zum ersten Mal bei einer CDU-Vorstandssitzung. Sie wird in der Wüste auf schwierige Partner treffen - etwa den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi und den saudischen König Salman (Kronprinz Mohammed ist nach der Khashoggi-Ermordung noch nicht wieder salonfähig und muss zu Hause bleiben).

Es geht um die Frage, was die arabischen Länder gegen Terrorismus unternehmen können, es geht um das Thema Migration - die nordafrikanischen Mitgliedsländer der Liga sollen nach dem Willen der EU mehr unternehmen, dafür könnte Geld aus Europa fließen. Auch die Krisen und Konflikte in der Region (Nahostkonflikt, Syrien, Jemen) sind ein wichtiges Thema. Der Gipfel hat auch eine geopolitische Bedeutung: Die EU möchte Präsenz zeigen in einer Region, die von den USA zunehmend links liegen gelassen wird und in der Russland und Iran stärker werden.

USA verhandeln mit Taliban

JALIL REZAYEE/EPA-EFE/REX

In Doha gehen heute die Friedensgespräche zwischen den Taliban und der US-Regierung in die sechste Runde. Zuletzt hatte der US-Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad gesagt, es gebe einen Entwurf eines Rahmenplans für Friedensgespräche. Wie bei den bisherigen Gesprächen, ist die afghanische Regierung in Doha nicht dabei. Das weckt bei vielen Afghanen Misstrauen: Sie fürchten, dass die Trump-Regierung auf Teufel komm raus abziehen will, ohne Rücksicht auf das, was die Amerikaner im Land hinterlassen - und die Bevölkerung den Taliban überlassen.

Präsident Ashraf Ghani hat deshalb vergangene Woche eine sogenannte Loja Dschirga für März angekündigt, eine große Versammlung der Stammesältesten. Damit will er im Friedensprozess wieder eine Stimme erhalten. Auch für Deutschland ist der Ausgang der Gespräche wichtig: Es geht um die Frage, was vom wichtigsten militärischen Engagement der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg am Ende eigentlich bleibt.

Die Oscars 2019 sind verliehen

REUTERS

Damit hatten die wenigsten Experten gerechnet: "Green Book - Eine besondere Freundschaft" ist bei der Oscarverleihung zum besten Film gekürt worden und hat sich damit unter anderem gegen "Bohemian Rhapsody", "Roma" und "Vice - Der zweite Mann" durchgesetzt. Insgesamt gab es drei Oscars für den Film rund um das Verhältnis zwischen einem schwarzen Pianisten und seinem weißen Fahrer in der Zeit der Rassentrennung in den Südstaaten der USA.

Bester Hauptdarsteller wurde Rami Malek, er spielt in "Bohemian Rhapsody" den legendären Queen-Sänger Freddie Mercury. Und bei den Schauspielerinnen siegte Olivia Colman für ihre Darbietung der englischen Königin Anne in der Historiengroteske "The Favourite - Intrigen und Irrsinn".

Die ganze Preisverleihung können Sie hier im Minutenprotokoll nachlesen. Zu einer schnellen Übersicht aller Gewinner gelangen Sie hier. Und natürlich halten Sie meine Kollegen bei SPIEGEL ONLINE heute auch tagsüber mit Analysen, Kommentaren und Videos auf dem Laufenden.

Verlierer des Tages...

AFP

... sind die Venezolaner. Der Versuch des Interimspräsidenten Juan Guaidó, den Machthaber Nicolás Maduro zu stürzen, indem er dringend benötigte Hilfsgüter ins Land bringen lässt, ist am Sonntag gescheitert. Regimetreue Nationalgardisten setzten einen Hilfskonvoi mit Lebensmitteln in Brand, als der gerade versuchte, die Grenze zu überqueren. Das Regime und die weitgehend loyale Armee befanden es für wichtiger, Maduros Überleben zu sichern, als jenen Venezolanern Hilfe zukommen zu lassen, die an Hunger leiden und denen überlebenswichtige Medikamente fehlen. Guaidó ist am Wochenende überraschend in Kolumbien aufgetaucht und die nächsten Tage werden zeigen, ob und wie er überhaupt zurück nach Caracas gelangen wird. Nun steigt die Gefahr, dass der Kampf um Venezuelas Zukunft blutig ausgetragen wird.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
StefanZ. 25.02.2019
1. Auf einem Auge blind
Anstatt sogenannte regimetreue Nationalgardisten sieht man auf etlichen Videos wie aus der Menge der aus Kolumbien anreisenden halbvermummten Molotov Cocktails gebastelt und dann fleißig geworfen werden. Das alles noch weit vor dem Grenzübergang. Ob dabei ein Laster absichtlich oder nur versehentlich in Brand gesteckt wurde ist eine andere Frage. Keine Frage ist, dass die Schuldzuweisung sehr schnell ihren Weg über diejenigen Medien fand, die Stories bevorzugen, die ins vorgefasste Weltbild passen. Aus Fehlern lernen geht anders.
imlattig 25.02.2019
2. hier tritt...
die ganze heuchelei des westens offen zu tage. gegen venezuela hetzen und echte folterstaaten hofieren.
DarthHias 25.02.2019
3. Oscars
Habe nicht alle der Filme gesehen, aber VICE gestern im Kino. Bin etwas enttäuscht dass weder Drehbuch noch Hauptdarsteller ausgezeichnet wurden.
gunpot 25.02.2019
4. Se sieht ja so aus als wollten
Sie Merkel für ihr Fernbleiben von CDU- Vorstandssitzungen kritisieren.Es ja auch schwer zu erraten, dass sie ihr Amt als CDU-Bundesvorsitzende u.a. auch deshalb abgegeben hat, um in der Bundespolitik die Hände frei zu haben. Sie kann es eben nie einen recht machen. Die Sitzung in Sharm el Sheikh mit den Staatsschefs der Arabischen Liga ist von extrem hoher Wichtigkeit.
juba39 25.02.2019
5. Es geht ja noch weiter...
Zitat von StefanZ.Anstatt sogenannte regimetreue Nationalgardisten sieht man auf etlichen Videos wie aus der Menge der aus Kolumbien anreisenden halbvermummten Molotov Cocktails gebastelt und dann fleißig geworfen werden. Das alles noch weit vor dem Grenzübergang. Ob dabei ein Laster absichtlich oder nur versehentlich in Brand gesteckt wurde ist eine andere Frage. Keine Frage ist, dass die Schuldzuweisung sehr schnell ihren Weg über diejenigen Medien fand, die Stories bevorzugen, die ins vorgefasste Weltbild passen. Aus Fehlern lernen geht anders.
...mit der Einäugigkeit. "Echte Fortschritte beim Ziel, die nordkoreanischen Atomwaffen loszuwerden, sind nicht zu erwarten.". Ja, wie denn auch? Hat denn die USA auf die ersten Schritte Nordkoreas, der Vernichtung von Atomreaktoren und Testanlagen, mit einem einzigen Schritt, z.B. Lockerung bei den Lebensmittelsanktionen, reagiert? Die USA fährt doch die alte Schiene. Erst auf die Knie, und dan, viekleicht, eventuell, überlegen wir uns, ob wir irgendetwas abbauen. Aber halt, wie wärs denn noch mit eiin klein bißchen Regierungswechsel? Das nicht zu sehen, das traue ich Herrn v. Rohr einfach nicht zu. Wo also liegen die Gründe, wie sie ja #1. auch bei Venezuela erkennt, daß deutsche Journalisten den Rest der Welt so stringent durch die US-Amerikanische Brille sehen? Und ja, StafanZ, obwohl selbst aus Prinzip kein Twitternutzer, haben uns genügend objektive Medien weltweit, die Bilder mit den molotovbastelnden "Oppositionellen" dort rübergebracht. Warum also sind solche Bilder in deutschen Medien nicht opportun? Versuch doch mal jemand diese verquere Sicht der Realität iin Venezuela auf Deutschland zu beziehen. Wie werden wohl die Teilnehmer, um es erst einmal wertneutral auszudrücken, bei den nächsten "Revolutionären Maifeiern" in Berlin benannt werden? Werden uns dann auch die molotovwerfenden Chaoten unterschlagen? Weil, es sind ja Revolutionäre. Diesen Schluß, Herr von Rohr, könnte man nach einem solchen Artikel ziehen.
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