Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


warum Ostdeutschland so anders ist als der Westen - diese Frage wird die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer heute beschäftigen. In Berlin trifft sie Kreisvorsitzende ihrer Partei aus Sachsen. Dies ist das zweite Gespräch nach kritischen Briefen aus einigen sächsischen Kreisverbänden an Kramp-Karrenbauer. Zur Vorbereitung sollte sie sich ein Video der Sommerpressekonferenz ihrer Parteikollegin Angela Merkel, Ostdeutsche und Bundeskanzlerin, anschauen.

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Heft 33/2019
Wahnsinn Kreuzfahrt - die dunkle Seite des Traumurlaubs

Die hatte kürzlich Frustrationen im Osten damit erklärt, dass besondere Sozialtechniken aus DDR-Zeiten nach dem Fall der Mauer wertlos geworden seien. Die Menschen hätten zum Beispiel gelernt, geschickt in einer Mangelwirtschaft einzukaufen. In der Überflussgesellschaft beschränkt sich das Konsumentengeschick hingegen darauf, den Kontostand im Rahmen zu halten.

Frage: Wenn Merkel so genau weiß, was den Osten umtreibt, warum konnte sie dann nicht dazu beitragen, die neuen Landesteile besser in die Bundesrepublik zu integrieren?

Menschlich Krieg führen?

Stuart Price/ REUTERS

Den Krieg menschlicher machen, das klingt nach Zynismus, nach Unmöglichkeit. Wer so denkt, hat heute nichts zu feiern. Für die anderen ist das ein guter Tag, denn heute vor 70 Jahren wurde das Genfer Abkommen unterzeichnet. Es überarbeitet und ergänzt die Genfer Konvention von 1864, die Regeln für einen halbwegs humanen Umgang vor allem mit Verwundeten definierte. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz geht darauf zurück.

Am 12. August 1949 kamen unter anderem Regeln für Kriegsgefangene und die Zivilbevölkerung hinzu. Es wäre leicht aufzuzählen, wann und wo diese Regeln mit Füßen getreten wurden, Vietnam, Syrien und so weiter. Das war in jedem Fall schrecklich und unerträglich. Aber ohne Frage gibt es auch eine Menge Situationen, in denen das Genfer Regelwerk den Schrecken gelindert hat. Für jede einzelne hat es sich gelohnt.

Pack die Badehose ein...

Stefano Cavicchi/ DPA

Die Politik der Badehose wird selten angewandt, hat aber eine mindestens 100-jährige Demokratiegeschichte. Im Sommer 1919 ließen sich Reichspräsident Friedrich Ebert und Reichswehrminister Gustav Noske beim Baden in der Ostsee fotografieren. Diese Vergnügung kam in den harten Nachkriegszeiten nicht gut an.

Italiens Innenminister Matteo Salvini macht derzeit eine Strandtour und zeigt sich dabei auch in Badehose. Was er damit erreichen will, ist nicht ganz klar, um Schönheitspunkte kann es ihm eher nicht gehen. Es ist womöglich Ausdruck eines überbordenden Selbstbewusstseins, gekoppelt mit einer Verhöhnung seiner Gegner: Ich kann mir alles erlauben.

Das wird man noch sehen. Heute beginnen in Rom Gespräche darüber, ob und wann der Weg für Neuwahlen frei gemacht wird. Salvini hatte ein mögliches Ende der Regierung provoziert, weil er mit einem Sieg rechnete. Das ist aber gar nicht gewiss, wie sich am Wochenende zeigte. Es könnte Koalitionen geben, die ihn als Regierungschef verhindern. Dann hätte er noch mehr Zeit für den Strand.

Gewinner des Tages...

Bernd von Jutrczenka/ DPA

... ist Mark Knopfler, der heute 70 Jahre alt wird. Er war der Kopf der Band Dire Straits, und in meiner Generation haben Jungs 1978 zu "Sultans of Swing" mit der Luftgitarre gezaubert. Ich bin nur froh, dass es damals noch keine Handyvideos gab.

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
stefan.p1 12.08.2019
1. Kleiner Einwurf
Ist schon ein Reißer, Savini in der Badehose in einem Kajak!!! Vielleicht wollte der Mann auch nur ausspannen... Und wer zu "Sultans of Swing" Luftgitarre gespielt hat ,dem ist eh nicht meht zu helfen.
bronck 12.08.2019
2. Wie ist Krieg?
Ein Teilnehmer des zweiten Weltkrieges auf Deutscher Seite (er war vom Überfall auf Polen bis zum Rückzug in die Alpen komplett dabei und hatte teils haarsträubendes Glück habend überlebt) definierte Krieg mir gegenüber mal so: "Stell Dir die größte Scheiße vor, die Du Dir vorstellen kannst. Krieg ist 1000mal schlimmer." Der Krieg hatte aus ihm einen Pazifisten durch und durch gemacht. Er lehnte jeglichen Einsatz von Soldaten der Bundeswehr im Ausland kategorisch ab. Leider ist der Herr im hohen Alter verstorben. Uns fehlen diese mahnenden Augenzeugen. Heute haben leider allzu viele Menschen vergessen wie Scheiße Krieg wirklich ist und gehen damit viel zu leichtfertig um - auch und gerade in Deutschland.
haresu 12.08.2019
3. Gegenfrage
Was macht man gegen Wohlstandsverwahrlosung? Oder: was macht man wenn Menschen ein Miteinander nur auf der Grundlage eines Feindbildes leben können?
hans-hermann_lensing 12.08.2019
4. Augenwischerei
Der Osten hat seine eigenen Probleme. Aber so zu tun, dass es an der damaligen Diktatur und den daraus resultierenden folgen nach dem Ende liegt, dass der Osten sich politisch abkoppelt und nicht primär an der Flüchtlingspolitik ist nur Öl im Feuer der Rechtspopulisten. Zu wenig, zu spät.
interessierter Laie 12.08.2019
5. was soll die Politik denn noch leisten?
es geht nicht nur um die "Sozialtechniken" um Mangel zu bewältigen. Es geht auch um das Leben in einem repressiven Staat - den Rückzug ins Private und in den Freundes- und Verwandtenkreis, die Skepsis gegenüber "denen da oben", die Abschottung vor dem Rest der Welt und den Dauerbeschuss mit Propaganda, die diese Gesellschaft als überlegen darstellte. Auch gab es ja keine Durchmischung mit dem Westen außer für diejenigen, die in den Westen gegangen sind. Das kann kein Politiker lösen.
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