Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,


CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer greift heute in den sächsischen Wahlkampf ein. Nicht mit unglücklichen Interviews (bis zum Redaktionsschluss dieser Lage tauchte jedenfalls kein neues auf), sondern physisch. Heute Nachmittag besucht sie die CO.DON.AG in der Leipziger BioCity. Die Firma entwickelt, produziert und vertreibt körpereigene Zelltherapien, mit denen Knorpelschäden am Kniegelenk repariert werden können.

CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX
Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 34/2019
Ewig junge Haut? Die falschen Versprechungen der Kosmetikindustrie - und was wirklich hilft

Bundestagpräsident Wolfgang Schäuble hat derweil deutlich gemacht, was er von Kramp-Karrenbauers jüngsten Äußerungen hält: nicht viel. In einem ihrer zahlreichen verunglückten Statements hatte die CDU-Chefin dem Ex- Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen einen Austritt aus der CDU nahegelegt. "Die Frage, ob Herr Maaßen Mitglied der CDU sein darf oder nicht, gehört in den Bereich von Witzveranstaltungen", sagte Schäuble nun der "Bild"-Zeitung. "Warum sollte Herr Maaßen nicht CDU-Mitglied sein?" Ein Ex-Parteichef, der einer Nachfolgerin vorwirft, ihre Äußerungen gehörten in den Bereich von Witzveranstaltungen? So etwas findet man bislang nicht mal in der SPD.

Vielleicht sollte Kramp-Karrenbauer in Leipzig mal nachfragen, ob körpereigene Zelltherapien auch für Volksparteien denkbar sind, die unter herben Verschleißerscheinungen leiden. Und falls ja, wer im Falle der CDU die Zellen spenden sollte: Kramp-Karrenbauer selbst? Friedrich Merz? Armin Laschet? Oder doch gleich eine Schocktherapie mit Hans-Georg Maaßen?

Nimmt die SPD die Fünfprozenthürde?

Hendrik Schmidt/ DPA

Nach einer Vorwahlumfrage der ARD kann die sächsische CDU immerhin vier Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Befragung im Vormonat zulegen und kommt auf 30 Prozent. Ihr Hauptkonkurrent, die AfD, sackt hingegen auf 24 Prozent. Sollte das Endergebnis ähnlich sein, würde wohl ausgerechnet Kramp-Karrenbauer davon profitieren, die in der sächsischen CDU eher als Klotz am Bein gesehen wird.

Die SPD nähert sich derweil zielstrebig der Fünfprozenthürde, von der sie jetzt nur noch zwei Prozentpunkte trennen. Und das ausgerechnet in Sachsen, wo am 23. Mai 1863 ihr Vorläufer, der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, gegründet wurde.

In Brandenburg sieht es etwas besser aus für die Genossen. In der ARD-Umfrage kommen sie hier auf 22 Prozent und liegen damit gleichauf mit der AfD. Der Grünen-Hype hingegen scheint zumindest in Brandenburg vorerst gestoppt. Im Vergleich zur Umfrage im Vormonat verliert die Partei satte fünf Prozentpunkte und kommt nur noch auf zwölf Prozent.

Das vergessene Volk der Rohingya

Allison Joyce/ Getty Images

Weitgehend unter dem Radar der modernen Aufmerksamkeitsökonomie spielt sich das Drama der Rohingya ab. 740.000 Mitglieder dieser ethnischen Minderheit flohen vor zwei Jahren aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch. Sie flohen vor Morden und Vergewaltigungen des Militärs und suchten Schutz in einem der ärmsten Länder der Welt. Das Flüchtlingslager, in dem die meisten von ihnen unter menschenunwürdigen Bedingungen hausen, ist das größte der Welt.

Eigentlich hatten Myanmar und Bangladesch nun ein Abkommen zu ihrer Rückführung vereinbart. Doch kaum ein Rohingya ist bereit, die widrigen Umstände im Lager gegen erneuten Terror einzutauschen, den sie in Myanmar befürchten.

Die Rohingya, ein fast vergessenes Volk, sind zum Spielball zweier Länder geworden. Es wäre Zeit, dass nicht nur idealistische Hilfsorganisationen Empathie für diese Minderheit zeigen, sondern auch machtvollere Akteure. Die Europäische Union zum Beispiel.

Die Trump-Agenda von Biarritz

Christian Hartmann/ REUTERS

Morgen beginnt der G7-Gipfel der großen Industriestaaten im französischen Biarritz. Gastgeber Emmanuel Macron hat schon heute gut zu tun. Er trifft ein Beratungsgremium für die Gleichheit von Frauen und Männern und spricht mit Vertretern von NGOs und Unternehmen über Umweltschutz und den Kampf gegen Ungleichheit in der Welt. Es sind die großen, hehren Themen, die am Vortag des Gipfels im Zentrum stehen.

Sobald der echte Gipfel beginnt, wird es dann um jene Themen gehen, die vor allem US-Präsident Donald Trump der Welt aufzwingt: Der Handelsstreit mit China etwa, oder der Konflikt mit Iran nach der Aufkündigung des Atom-Deals durch Trumps Administration.

Vergleicht man die Themen des Vortags mit denen des eigentlichen Gipfels, kann man wehmütig werden: Welch große Probleme die großen Sieben angehen könnten, wenn sie sich den wirklich relevanten Fragen und nicht Trumps Fragen widmen könnten.

Gewinnerin des Tages...

DPA

... ist die Frau unseres Kolumnisten Samer Tannnous, der pointiert von seinem Alltag als Syrer in Rotenburg (Wümme) berichtet. Tannnous' Frau wird bald die Führerscheinprüfung ablegen. Wenn sie besteht, will ihr Mann künftig auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. "Ich fühle mich an dieser Stelle sehr fortschrittlich und gut integriert, gerade weil in diesem Land so viel Wert auf Gleichberechtigung gelegt wird", schreibt Tannnous. "Jetzt muss ich mir nur noch das Meckern abgewöhnen." Er sei sehr stolz auf seine Frau. In der syrischen Gesellschaft bedeute es einen deutlichen Statusgewinn, wenn eine Frau ein Auto fährt. "Es sendet das Signal an die Umwelt, dass es sich hier um eine starke und selbstbewusste Frau handelt."

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Einen heiteren Freitag wünscht Ihnen,

Ihr Markus Feldenkirchen

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dirkcoe 23.08.2019
1. Zum Abschluss freigegeben?
Erst Linnemann, dann Schäuble - Beide sorgen ohne Not dafür, das nur niemand das AKK Desaster vom Wochenende vergisst. Ich habe den Eindruck das selbst die CDU das Elend der gescheiterten AKK nicht länger erträgt und den Abschluss vorbereitet. Sollten die Wahlen im Osten ein Fiasko werden, ist Klein Annegret wohl Geschichte als begnadete Parteivorsitzende - als Kanzlerkandidatin ist sie es schon länger.
sandnetzwerk 23.08.2019
2. Ein Gipfel Jagd den nächsten
Die Herren und Damen Politiker sollten die Kosten in Zukunft privat tragen. Denn es kommt nichts von allgemeinen Interesse dabei raus. Seit Jahren nur das eine Ergebnis: wie reden miteinander. Worüber? Das Wetter, den Kaviar, die verabscheuenswürdigen Bürger?
johannadi 23.08.2019
3. Was heißt hier Grüner Hype?
Warum soll der Aufstieg der Grünen bitte "gestoppt" werden müssen? Ist es schädlich, sich über die Zukunft unserer Kinder Gedanken zu machen? Einzig den Grünen nehme ich ihr Engagement in Sachen Klimaschutz wirklich ab. Das, was zur Zeit von der CDU/CSU kommt, hält doch eh nur bis zum nächsten Stimmzuwachs. Für die ist doch dann wieder alles beim Alten und damit die Umwelt wieder vergessen ... Hauptsache die Großkonzerne machen Gewinne und bieten eine gute Position für die Karriere nach der Politik ....
whitewisent 23.08.2019
4.
Einfach mal bei Wikipedia nachschauen: "Jacques P. Leider stellt fest, dass der Begriff erst seit den 1960er Jahren vereinzelt für muslimische Gruppierungen verwendet wurde und noch in den 1990er Jahren in den Medien nicht als Begriff für eine Ethnie Verwendung fand, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Gruppen von Aufständischen war, die für die Errichtung eines unabhängigen muslimischen Staates an den Grenzen zu Bangladesch in der ehemaligen Arakanregion kämpften. Erst 1995 habe sich der Begriff international als Begriff für eine Volksgruppe verbreitet, weil er in englischsprachigen Berichten über die Menschenrechtssituation benutzt wurde. Nach 2012 fingen Rohingya-Aktivisten an, Muslime zu drängen, sich selbst als Rohingya zu bezeichnen." Das ist vieleicht die Antwort, warum der Welt und der EU dieses Volk so egal ist.
haresu 23.08.2019
5. Kein Witz sondern eine Notwendigkeit
Mal abgesehen davon, dass Schäuble eindeutig stillos und offensichtlich verbittert agiert, stellt sich natürlich schon die Frage, ob ein Maaßen wirklich in eine moderne, zukunftsfähige CDU passt. Die Antwort ist aus meiner Sicht eigentlich ziemlich eindeutig nein, aber diese Frage muss sich die CDU schon selber und grundsätzlich stellen. Kann und sollte man Kräfte integrieren, denen man bestenfalls attestieren kann, die AFD bekämpfen zu wollen indem man ihre Forderungen übernimmt? Gewinnt man so AFD- Wähler zurück, sollte man das überhaupt wollen und verliert man so nicht mindestens ebenso viele Wähler an die Grünen? Eine Partei für alle, vom konservativen Ökobauern bis zum rassistischen Hass- Bürger, geht das? Und macht das Sinn? Wenn ein Schäuble solche Fragen lächerlich findet, dann sollte er lieber schweigen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.