Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


"nothing important happened today", schrieb der englische König George III. laut Legende am 4. Juli 1776 in sein Tagebuch und legte sich zur Nachtruhe. Die Nachricht, dass an diesem Tag 13 seiner Kolonien auf der anderen Seite des Atlantiks ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, erreichte ihn aufgrund der schlechten Infrastruktur der damaligen Kommunikationswege erst einige Tage später.

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Heft 14/2019
Der bizarre Streit um den Schutz unserer Kinder

So sehr wir uns manchmal denken mögen, wir würden zu vielen Reizen und Informationen ausgesetzt sein - kein Internet ist offenbar auch keine Lösung. Und damit: Guten Morgen am letzten Werktag der Woche! Hier kommen die Themen, die uns heute beschäftigen werden.

Schulleiter streiten über "Fridays for Future"

Getty Images

Die Kanzlerin outete sich mehrfach als Fan, Annegret Kramp-Karrenbauer hingegen hätte ihren heute erwachsenen Kindern nicht einmal eine Entschuldigung geschrieben: Die Rede ist von den "Fridays for Future"-Demonstrationen, die heute wieder europaweit stattfinden werden, und für die - daran entbrennt sich erstaunlicherweise ein größerer Streit als über den Schutz des Klimas - Schülerinnen und Schüler freitags der Schule fernbleiben.

Wie Schulen damit umgehen, dass die Heranwachsenden für das Klima auf den Unterricht verzichten, ist den Schulleitern überlassen. Und das ist - ebenso wie das Demonstrieren übrigens - eine Gewissensfrage. Meine Kolleginnen Lisa Duhm und Nike Laurenz haben zwei Schulleiter über ihre jeweiligen Standpunkte streiten lassen: Der eine gibt Schülern eine Sechs, wenn sie Prüfungen verpassen. Die andere unterstützt es, wenn Jugendliche zur Demo gehen - auch während der Schulzeit. Wer hat recht?

Egal auf welcher Seite Sie stehen - auf dieses Pro und Contra können Sie sich im Laufe des Vormittags auf SPIEGEL ONLINE freuen.

Ist der AfD-Chef noch zu halten?

John MACDOUGALL / AFP

Die neuen Enthüllungen von SPIEGEL und "Report Mainz" treffen die AfD zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Am Samstag will die AfD ihren Wahlkampf für die Europawahl eröffnen. Nach Recherchen von SPIEGEL und "Report Mainz" könnte auch EU-Spitzenkandidat Jörg Meuthen von Zahlungen aus dem Vermögen des schwerreichen Conle-Clans profitiert haben - und versinkt immer tiefer in der Spenden- und Strohmannaffäre. Ist der AfD-Chef noch zu halten? Das fragen sich inzwischen auch viele Anhänger der selbst ernannten Rechtsstaatspartei.

Der Fototermin des Tages...

DPA/ Bundesregierung

... findet in Berlin statt, wo ein Hauch von Melancholie und Reminiszenz über der Stadt liegt: Kanzlerin Angela Merkel empfängt den früheren US-Präsidenten Barack Obama im Kanzleramt. Es ist kein Staatsbesuch, sondern quasi ein Privatbesuch, weil Obama sich gerade auf Promo-Tour in Deutschland aufhält (über seinen Auftritt in der Kölner Lanxess-Arena lesen Sie hier mehr).

In der Weltpolitik gab es in den vergangenen Jahren keine schönere Politikromanze, als die zarten Bande zwischen Merkel und Obama. Und mir fällt kein Staatschef-Pärchen ein, das ähnlich ikonische Fotos hervorgebracht hätte wie Barack und Angela (die besten Fotos finden Sie hier). Beide wählten immer wieder das Wort Freundschaft, Obamas letzter Anruf als Staatschef galt der Kanzlerin. Als sie sich das letzte Mal im Amt sahen, habe Merkel eine einzelne Träne im Auge gehabt, heißt es in einer Obama-Biografie. Das ist schon die Klaviatur der extrem tiefen Gefühle, die da gespielt wird.

Geht es um Weltpolitik? Um die abgekühlte Beziehung der beiden Länder, seit Obamas Nachfolger im Amt ist? Tauschen die zwei Buchtipps? Oder schwelgen sie in Erinnerungen an die guten alten, politisch ruhigeren Zeiten? Wir werden es - höchstwahrscheinlich - nicht herausfinden. Der Termin sei ein vertrauliches Gespräch, die Öffentlichkeit solle nicht informiert werden, heißt es. Bleiben uns sicher die Fotos.

Wenn der Brexit aber nun ein Loch hat?

REUTERS

Haben wir's uns doch gedacht: Im britischen Unterhaus sind sie nicht ganz dicht. Gestern Nachmittag musste eine Debatte im Parlament unterbrochen werden - weil es durch das Dach in die ehrwürdigen Hallen regnete (was Sie sich hier im Video anschauen können - achten Sie auf den Ton!). In Westminster kämpft man schon lange mit der, Makler würden sagen, "historischen" Struktur des House of Commons: Lecks und Überschwemmungen sind häufig, in den Wänden haben sich Mäuse eingenistet, die Toiletten sind veraltet, die Steinfassade bröckelt, in den Wänden ist Asbest.

Nun standen die Abgeordneten tatsächlich im Regen. Und nicht nur das Internet übertraf sich mit Brexit-Analogien. "Vermutlich ist das eine Art Symbol dafür, wie kaputt das Parlament aus der Sicht von vielen Menschen ist", kommentierte der Labour-Politiker Justin Madders lakonisch den, nun ja, Dachschaden.

Nachklapp: Die Lage von gestern

Nach meiner gestrigen Lage zum Umgang mit Hass im Netz erreichten mich Dutzende E-Mails mit Fragen, Anmerkungen und Einladungen, weiter zu diskutieren. Es kamen Mails von Betroffenen, es kamen Hinweise auf Propagandalinks mit der Bitte um Einordnung, es kamen Erfahrungsberichte positiver wie negativer Art. Es schrieben mir Nutzerinnen und Nutzer unserer Facebook-Seite, die entweder sehr zufrieden mit unserer Form der Moderation dort sind, und welche, die bekannten, dass sie das Kommentieren dort aufgegeben hätten (Es gab eine besonders nette Mail eines Lesers, der mir möglichst bald einen schönen freien Tag ohne soziale Netzwerke wünschte - werde ich am Wochenende haben, danke!).

Für all diese Zuschriften vielen herzlichen Dank. Ich werde Ihre Mails beantworten (nach meinem Netzwerke-freien Tag), die vielen klugen Denkanstöße sortieren und in unserem Ressort diskutieren. Und dann lesen wir uns.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Dr.Krümelmonster 05.04.2019
1. aufgewacht
"Guten Morgen am letzten Werktag der Woche" Guten Morgen, Frau Mayer. Der letzte Werktag ist der Samstag. ;-)
frank57 05.04.2019
2. Ja, Herr Meuthen
das wird eng! Spendenaffären sind allerdings nichts neues in diesem Land! Immerhin kann man mit einem solchen Hintergrund noch Finanzminister oder Bundestagspräsident werden!
jwcotton 05.04.2019
3. Sie tut alles um Trumps Lieblingsfeindin zu bleiben
Erst den Mitlitärhaushalt provokant niedrig gestalten, obwohl Donald sowieso schon im Dreieck hüpft und jetzt auch noch seinem verhassten Vorgänger Obama eine Bühne geben. Angie und Donnie das könnte noch ein echter Rosenkrieg werden, nur wir bräuchten beide Psychophaten nicht.
elfaro 05.04.2019
4. Schwarze Kassen
sind beliebt in den Parteien. Jübgstes Beispiel die AfD. Davor gab es genau dieselben Vorfälle bei der CDU, jedoch blieb Kohl im Amt. Und der zweite Sammler illegaler Parteispenden war Finanzminister und ist jetzt Bundestagspräsident, Herr Schäuble. Das scheint aber niemanden zu stören.
Antila 05.04.2019
5. Der Obama ist noch nicht einmal mehr eine "lame duck".
Poltisch sind solche Treffen völlig bedeutungslos und reine Imageveranstaltungen, die nur Zeit und Aufwand kosten. Für´s Fotoshooting und andere Eitelkeiten wird die Merkel nicht vom deutschen Volk bezahlt.
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