Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


Angela Merkel bekommt ihr Gehalt auch dafür, dass sie Geduld hat im Umgang mit schwierigen Männern. Wohin sie auch blickt, überall hocken Herren, die ihren Spaß daran haben, ihr das Leben schwer zu machen. Seehofer in München, Putin in Moskau, und Obama war meistens auch keine Hilfe.

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Heft 46/2016
(wie wir sie kennen)

Der amerikanische Präsident blickte in seiner Amtszeit lieber Richtung Asien, was auch zur Folge hatte, dass die Europäer mit den Krisen im Nahen Osten und der Ukraine ziemlich allein waren. Obama war ein pazifischer, kein atlantischer Präsident. Immerhin besucht er nun auf seiner Abschiedstournee durch Europa noch einmal die Kanzlerin. Heute Abend landet er in Berlin. "Angela Merkel war die engste Verbündete meiner achtjährigen Präsidentschaft", sagte Obama, bevor er ins Flugzeug stieg. Das war zwar eine freundliche Lüge. Merkel hört sie trotzdem gern.

REUTERS

Kanzlerin in der Zwangsehe

Bevor Merkel Obama empfängt, muss sie noch - nun ganz offiziell - Frank-Walter Steinmeier als ihren Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorstellen. Merkel hat eine gewisse Routine darin, Männer zu loben, die sie gar nicht wollte. Mit Joachim Gauck lebte sie zunächst auch in einer Art Zwangsehe, die von den Grünen und der SPD eingefädelt worden war. Aber wie das so ist in arrangierten Beziehungen: Am Ende funktionieren sie besser als manche Liebesheirat.

Vergangenen Sommer jedenfalls bekniete Merkel Gauck und bat ihn, noch eine Amtszeit dranzuhängen. Sie wurde zwar nicht erhört. Aber dass Steinmeier ihr Schwierigkeiten bereiten wird, steht nicht zu befürchten. Merkel liebt berechenbare Männer. Und den Vorwurf, er habe ein feuriges Gemüt, musste sich Steinmeier noch nie gefallen lassen.

AP

Die Welt versucht sich in Trumpologie

Eine Woche ist es nun her, dass Amerika gewählt hat, und die Welt fragt sich noch immer: Was will Trump? Die Wohlmeinenden sagen, Trump werde ein zweiter Ronald Reagan; andere rechnen mit dem Schlimmsten. Trump hat für jeden Charaktertypen etwas im Angebot. Während sich die Optimisten an der Tatsache aufrichten, dass er ein paar freundliche Worte für Hillary Clinton gefunden hat und sie nicht gleich ins Gefängnis stecken lassen will, verzagen die Pessimisten an der Nachricht, dass Trump Stephen Bannon zu seinem Chefstrategen macht - einen Mann, der in seinem früheren Leben die rechte Krawallseite "Breitbart News" geleitet hat. Trumpologie wird auf absehbare Zeit eine Wissenschaft sein, die die Welt bewegt.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

DPA

Gewinner des Tages...

... ist Norbert Röttgen. Alle bangen, ob die Kanzlerin der freien Welt (KdfW) für eine vierte Amtszeit kandidiert. Jetzt endlich die erlösende Nachricht: "She will run for chancellor", sagte Röttgen gestern im Fernsehsender CNN. Chefkorrespondentin Christiane Amanpour, sonst spezialisiert auf die großen Krisenherde, war so aufgeregt, dass sie die Sätze des "Senior @CDU Politician" aus Meckenheim sofort per Twitter teilte.

Aufatmen überall: Die letzte Verteidigerin des freien Westens lässt uns nicht allein mit Putin und Trump! Die Erleichterung wurde auch nicht dadurch geschmälert, dass Merkels Sprecher schmallippig erklärte, die Kanzlerin bleibe bei ihrer Linie, sich zu gegebenem Zeitpunkt zu äußern. Denn Röttgen verfügt über besonders intime Kenntnisse der merkelschen Gemütslage. Schließlich war er der einzige CDU-Minister, den sie eigenhändig aus dem Kabinett befördert hat.

Einen angenehmen Tag wünscht Ihnen,

René Pfister

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
i.dietz 16.11.2016
1. Guten Morgen
Obama auf Abschiedstour - wohl mit einem weinenden und einem lachenden Auge ! Tritt Merkel noch mal an ? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Röttgen zum Kreis der Vertrauten der Kanzlerin gehört - er dürfte höchstens mal den Flur-Funk abgehört haben ! Bis dann dann ....
lillime2 16.11.2016
2. KdF - ein schlechter Witz
Frau Merkel ist Kanzlerin der freien Welt?! Was ist das denn für eine populistische Behauptung? Typisch Journalisten! Ich denke, die meisten deutschen Bürger haben genug von Frau Merkel, genau wie ich. Ich habe sie letztes Mal gewählt, ein großer Fehler. Ich mag diese einseitige Berichterstattung einfach nicht mehr lesen. Die Medien haben auch eine Verantwortung und ich denke, aus der Trump-Wahl sollte man Einiges lernen.
swf3 16.11.2016
3. Norbert Röttgen,
der Gewinner des Tages!!!
simon_specht 16.11.2016
4. Genau lillime2...
....typisch Journalisten. Am besten lesen Sie Focus, Bild oder noch besser Compact. Denn nur dort findet man die wahren Informationen. Oder bei facebook. Ich kenne keine Alternative zu Frau Merkel und werde sie wieder wählen.
roughneckgermany 16.11.2016
5. Lillime
Was ist schlecht an Merkel? Was hat sie denn so schlechtes gemacht? Ich hab die CDU bisher noch nie gewählt aber Merkel find ich gut. Wer aus der CDU sollte es denn sonst machen? Schäuble? Tauber? TdM? Nein danke.
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