Dirk Kurbjuweit

Die Lage am Morgen Glaube, Hoffnung, Maske

Dirk Kurbjuweit
Von Dirk Kurbjuweit, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,

heute beschäftigen wir uns mit den Problemen beim Schulstart, mit den Explosionen in Beirut, mit Rosi Mittermaier und Christian Seifert.

Die unglückliche Geschichte der Maske

Die Maske wird mehr und mehr zum Symbol für die Zustände dieser Zeit. Leider steht sie auch für Nichtwissen und Unsicherheit, wie derzeit an der Schuldebatte zu sehen ist. Die Bundesländer konnten sich nicht auf ein einheitliches Konzept dafür einigen, wer wann wo Masken tragen soll. Lehrer? Schüler? Auf dem Pausenhof? In den Gängen? In den Klassenzimmern?

Das nährt Zweifel daran, wie wirksam die Mund-Nasen-Bedeckungen sind. Wenn Bayern keine Masken im Unterricht vorschreibt, Nordrhein-Westfalen aber schon, wie sollen dann die Menschen in Nordrhein-Westfalen davon überzeugt sein, dass eine Maskenpflicht in den Klassenräumen notwendig ist. Und wie sollen die Bayern darauf vertrauen, dass in ihrem Land genug getan wird, um die Schüler zu schützen?

So setzt sich die unglückliche Geschichte der Maske fort. Erst galt sie als unwirksam, dann als unverzichtbar. Da es offenbar immer noch an wirklich überzeugendem Wissen über die Wirkung der Masken fehlt, geht es um Wahrscheinlichkeit und Glaube. Es spricht viel dafür, dass die Masken wirken. Der Rest ist dann Glaube, und so war es ja immer. Je weniger die Menschen wussten, desto mehr verließen sie sich auf ihren Glauben. Eine gewisse Einheitlichkeit der Verkündigung würde aber helfen.

Heute beginnt das neue Schuljahr in Hamburg - und das Ifo-Institut legt eine Umfrage unter Eltern vor. Und ich werde auch an diesem Tag konsequent Masken tragen, weil ich an ihre Wirkung glaube.

Gewaltige Explosionen

Wie im Krieg, ist eine Floskel, die man häufig hört, auch von Menschen, die nie einen Krieg erlebt haben. Mir ging sie aber auch durch den Kopf, als ich die Bilder von den Explosionen im Hafen von Beirut gesehen habe. Dort gab es schon früher gewaltige Explosionen, die Teil eines Krieges waren. Bei Anschlägen auf die US-Botschaft und einen Militärstützpunkt am Flughafen starben in den Achtzigerjahren Hunderte Amerikaner.

Auch gestern gab es viele Tote und Verletzte. Die Ursache der Explosionen standen bis zum Morgen aber noch nicht fest. Vermutlich hängt die zweite, deutlich größere Explosion aber mit den fast 3000 Tonnen Ammoniumnitrat zusammen, die im Hafen gelagert gewesen sein sollen. Davon sprach zumindest der libanesische Premier am Abend. Dann mischte sich auch noch Donald Trump aus Washington ein. Er erklärte, in bekannt vager Manier, in Beirut sei wohl eine "Art von Bombe" zum Einsatz gekommen.

Königin der Herzen

Für Kaiser oder Könige spielten Nachnamen keine Rolle, bis heute sind sie unter ihren Vornamen bekannt. Friedrich, Wilhelm, Friedrich-Wilhelm, Ludwig, Elisabeth, Franz-Josef. Im deutschen Sport wurde das übernommen. Die ganz Großen werden dadurch geadelt, dass man nur ihre Vornamen nennt. Kaiser Franz. Boris. Steffi. Und natürlich Rosi.

Rosi Mittermaier gewann bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck 1976 Gold in der Abfahrt und im Slalom, Silber im Riesenslalom. Und danach wurde sie der netteste, bodenständigste, herzlichste Superstar aller Zeiten. Ich habe einmal einen Nachmittag mit ihr und ihrem Mann Christian Neureuther in Garmisch-Partenkirchen verbracht. Selten habe ich mich bei Fremden so zu Hause gefühlt. Eine Gold-Rosi auch in den menschlichen Disziplinen.

Heute wird Rosi Mittermaier 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch.

Gewinner des Tages...

...ist Christian Seifert. Gestern habe ich mir die Pressekonferenz des Geschäftsführers der Deutschen Fußball Liga in voller Länge angeschaut. Er sprach über mögliche Zuschauerkonzepte für die kommende Saison der Bundesliga. Kein Alkohol in den Stadien, keine Stehplätze, personalisierte Tickets, zunächst keine Fans der Auswärtsmannschaft.

Wie Seifert sprach, war beeindruckend: ruhig, souverän und demütig. Er betonte immer wieder das Primat der Politik, das Primat des Kampfes gegen Corona. "Wir erwarten nichts, wir fordern nicht", sagte er. Das klang ganz anders als die Großkotzigkeit und Anmaßung, die sonst manchmal von Fußballfunktionären zu hören ist, besonders aus München. Seifert warb zudem nachdrücklich für Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregeln. Da habe ich von Politikern weit schwächere Auftritte gesehen.

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Ihr Dirk Kurbjuweit

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