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CSU-Chef Markus Söder kann sich freuen: Seine Partei hat ihm beim CSU-Parteitag in München demonstrativ den Rücken gestärkt. Er wurde mit 91 Prozent wiedergewählt, das ist ein besseres Ergebnis als die 87 Prozent, die er bei seiner ersten Wahl vor gut neun Monaten erhielt. Es gibt zwar ein wenig Gegrummel über den Modernisierungskurs, den Söder der CSU verordnen will, insgesamt ist man in der Partei aber wohl mit dem Chef zufrieden.

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Heft 43/2019
Wie der Sieg der Despoten in Syrien ein Volk zerstört, den IS stärkt und Europa bedroht

Derart gestärkt wird Söder heute sicher sehr selbstbewusst und fröhlich seinen Ehrengast empfangen: Die Vorsitzende der Schwesterpartei CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer. Die sitzt nach ihren diversen Patzern der vergangenen Monate nicht ganz so fest im Sattel, was dem Auftritt eine gewisse Würze verleiht.

Kramp-Karrenbauer dürfte mit freundlichem Applaus begrüßt werden, die Bayern sind schließlich höfliche Menschen. Aber die CSU-Leute im Saal werden sich gleichzeitig ihre eigenen Gedanken darüber machen, ob die Chefin der Schwesterpartei das Format hat, Angela Merkel im Kanzleramt zu folgen. Söder, dem ebenfalls Ambitionen nachgesagt werden, hat dazu sicherlich auch ein paar Ideen. Klugerweise behält er die derzeit aber für sich.

So läuft der Super-Samstag in London

AP Photo/Matt Dunham

In Großbritannien wird es heute wirklich ernst. Am frühen Vormittag wird das Unterhaus zu seiner Sondersitzung zusammenkommen, um über den Brexit-Deal von Premierminister Boris Johnson zu beraten. Britische Medien sprechen vom "Super Saturday", vom Super-Samstag. Es ist das erste Mal seit 1982, dass sich das britische Parlament zu einer solchen Sitzung an einem Wochenende trifft. Damals ging es um den argentinischen Angriff auf die Falkland-Inseln.

Zunächst soll Johnson reden, dann gibt es eine offene Debatte, auch über mögliche Änderungsanträge. Mit einer Abstimmung über den Deal wird irgendwann zwischen dem Nachmittag und dem frühen Abend gerechnet. Ob Johnson eine Mehrheit bekommt, bleibt weiter ungewiss. Alles ist möglich: Johnsons Triumph oder das ganz große Drama.

Wenn Johnson die Abstimmung verliert und sein Deal durchfällt, könnte er eine weitere Entscheidung erzwingen. Dann würde er vermutlich versuchen, eine Mehrheit für einen "No Deal"-Brexit zum 31. Oktober zu gewinnen. Gelingt ihm auch dies nicht, könnte automatisch das bestehende Gesetz in Kraft treten, das den Premierminister dazu verpflichtet, bei der EU um einen weiteren Aufschub des Brexit-Termins zu bitten.

Hätte, könnte, sollte: Der Tag ist für jede Menge Überraschungen gut. Unterschiedliche Gruppen von Abgeordneten wollen eigene Anträge einbringen, unter anderem könnte so über die Möglichkeit eines zweitens Brexit-Referendums abgestimmt werden. Es gibt auch einen Antrag, der fordert, den Brexit sofort und komplett abzusagen. Heute Abend wissen wir hoffentlich alle mehr. Das SPIEGEL-Team am Newsdesk und unsere Korrespondenten berichten über alle aktuellen Entwicklungen.

DER SPIEGEL bei der Buchmesse

Expa/ Johann Groder/ APA/ dpa

Die Frankfurter Buchmesse läuft noch bis zum Sonntag. Am SPIEGEL-Stand (Halle 3.0, D56) stehen am Wochenende noch viele interessante Termine an. Heute beginnt der Tag um 10 Uhr mit DIE LAGE live und einem Gespräch meiner SPIEGEL-Kollegen Martin Knobbe und Peter Maxwill. Es geht auch um Maxwills neues Buch "Die Reise zum Riss", in dem er an vielen konkreten Beispielen über die Spaltung der Gesellschaft in Deutschland berichtet. Später werden (neben anderen namhaften Autoren) Ulrich Wickert, Elif Shafak, Reinhold Messner (im Bild) und Rolf Seelmann-Eggebert am SPIEGEL-Stand erwartet (alle Infos gibt es hier).

Bereits gestern traf mein Kollege Dirk Kurbjuweit den Wissenschaftler Armin Nassehi ("Muster - Theorie der digitalen Gesellschaft") zu einem Gespräch. Nassehi vergleicht das Internet mit der Erfindung des Buchdrucks vor 500 Jahren. Damals wurde eine "riesengroße Katastrophe" prophezeit, jedoch sei sie ausgeblieben, sagte er. Heute seien ähnliche Entwicklungen festzustellen. Nassehis einprägsamster Satz bei dem Gespräch: "Das Internet bringt viele zusammen: Große Genies und die Idioten." Da hat er recht.

Gewinner des Tages…...

NASA TV/ REUTERS

...sind die beiden Nasa-Astronautinnen Christina Koch und Jessica Meir. Sie haben gemeinsam von der Internationalen Raumstation aus einen Weltraumspaziergang unternommen. Es war in der Geschichte der Raumfahrt der erste Ausflug ins All, an dem ausschließlich Frauen beteiligt waren. Koch und Meir mussten außerhalb der Raumstation ein defektes Elektroteil auswechseln.

Der historische Moment wurde gebührend gefeiert. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, erklärte, Koch und Meir seien "eine Inspiration für Frauen und Mädchen in ganz Amerika". Das nächste Nasa-Projekt dieser Art ist schon in Arbeit: Im Jahr 2024 soll die erste Frau zum Mond reisen.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
lucky.sailor 19.10.2019
1. Welche Wahl?
Wann hören wir endlich auf von einer WAHL zu sprechen, wenn es nur einen Kandidaten gibt. Das ist doch reine Akklamation und erinnert stark an sogenannte Wahlen in diktatorischen Regimen. Wenn's dann im Ergebnis noch über 90 Prozent geht, wird's vollends zur Farce.
thequickeningishappening 19.10.2019
2. # Soeder's Ambitionen
Immer wenn Die CSU Den Kanzlerkandidaten stellte ging Die Sache schief (FJS, Stoiber). Und Das waren keine kleinen Kaliber.
M. Vikings 19.10.2019
3. Zum letzten Absatz im Artikel, der den Brexit betrifft.
Wenn Johnson h e u t e für den Vertragsentwurf im Unterhaus keine Mehrheit bekommt, und h e u t e keinen r a t i f i z i e r t e n Vertrag zustande bringt,. wird heute Nacht 0:00 Uhr GMT "das bestehende Gesetz" der Benn Act wirksam. Der zwingt den Premier zu einem Fristverlängerungsantrag und zwar umgehend. Vorgeschrieben wir ihm der Text des Schreibens und die Mindestdauer der neuen Frist. Das neue Ablaufdatum wäre der 31.1.2020. https://www.instituteforgovernment.org.uk/explainers/benn-act
Hannibal Murkle 19.10.2019
4.
@"CSU-Chef Markus Söder kann sich freuen: ... Er wurde mit 91 Prozent wiedergewählt, ..." Die letzten Monate machte der Herr stark auf Öko, als Dank dafür hat Greenpeace einen Heber gemietet und auf der Parteizentrale CSU in SUV umgetauft - wie Medien berichteten. So endet jede Anbiederung - man zeigt nur Schwäche, doch den Ökos wird es eh nie genug, solange keine ökosozialistische Räterepublik ausgerufen wurde. (So eine ist erklärtes Ziel von XR.) Besser standhaft bleiben und Klimahysterie bekämpfen - man muss nur den Leuten erklären, wie löchrig die Klimamodelle sind, die mit den realen Messdaten keinesfalls übereinstimmen. Den wenigen Leuten erklären, die noch daran glauben - ob ZDF oder N-TV, laut Umfragen wollen die allermeisten NICHT für Klimaschutz zahlen.
burlei 19.10.2019
5. Söder als Kanzlerkandidat ...
... wäre noch um Längen besser als alles, was die CDU so auffahren kann. AKK? Ein Albtraum. J. Spahn? Hektisch, aber bisher noch den Beweis für seine Führungsqualität schuldig geblieben. Fr. Merz? Der Alptraum eines jeden Bürgers, der nicht Millionär ist. Sonst ist da nur noch dritte und vierte Riege. 16 Jahre Kohl und 14 Jahre Merkel haben nicht nur der Republik, sie haben auch der CDU geschadet. Nein, dann lieber Söder. Mit dem könnten sogar die Grünen. Mit der CDU kann eigentlich nur noch die AfD und dann beginnt der Alptraum richtig.
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