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07. September 2019, 06:17 Uhr

Die Lage am Samstag

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,

welch ein Drama: Ausgerechnet Boris Johnson, der Mann, der versprach, auf keinen Fall am 31. Oktober bei der EU um einen Aufschub des Brexit-Termins zu bitten, kommt nun womöglich in die Verlegenheit, genau dies tun zu müssen. Schon am Montag soll das vom Parlament durchgesetzte Gesetz in Kraft treten, das ihm quasi den No-Deal-Brexit zum 31. Oktober untersagt.

Wie kann Johnson in dieser Lage noch sein Gesicht wahren? Einen Ausweg gibt es immer, es ist der Rücktritt. Laut britischen Medien wird diese Möglichkeit derzeit in Downing Street 10 nicht mehr ausgeschlossen. Johnson selbst sagte vieldeutig, er wolle eher "in einem Graben sterben", als am 31. Oktober um einen Aufschub zu bitten. Das heizt auf der Insel die Spekulationen an.

Sollte es tatsächlich zum Johnson-Rücktritt kommen, könnte Labour-Chef Jeremy Corbyn oder ein anderer Oppositionspolitiker eine Koalitionsregierung als "Caretaker" führen - bis zu baldigen Neuwahlen. Für Johnson hätte dieses Szenario durchaus Vorteile: Im Wahlkampf könnte er als Spitzenkandidat der Tories sein Comeback versuchen. Und: Die Brexit-Verzögerung müssten dann in Brüssel andere beantragen.

Was wird jetzt aus den Bahamas?

Es gehört zu den traurigen Eigenarten großer Naturkatastrophen, dass ihr ganzes Ausmaß meist erst einige Tage später sichtbar wird. Dann nämlich, wenn es den Helfern gelingt, in die zerstörten Gebiete vorzudringen. So ist es auch auf den Bahamas, wo Hurrikan "Dorian" offenbar weit mehr Todesopfer gefordert hat, als bislang bekannt. Viele Hundert Menschen gelten weiterhin als vermisst, die Behörden erwarten, dass die Zahl der Toten noch erheblich ansteigen wird. Bislang wurden 43 Tote gezählt.

Die US-Regierung macht sich nach amerikanischen Medienberichten derweil Sorgen, dass China die Katastrophe auf den Bahamas nutzen könnte, um den eigenen Einfluss in der Region auszubauen. Das Nachrichtenportal "Axios" und der Sender NPR berichten, dass Washington erwartet, dass China massive Hilfen für den Wiederaufbau der Inseln zur Verfügung stellen will. Peking könnte die Hilfen gleichsam als "Trojanisches Pferd" nutzen und einen Außenposten aufbauen - vor der Haustür der USA. Miami ist nur 50 Flugminuten von den Bahamas entfernt.

Trumps Nahostpolitik zerbröselt

Eigentlich wollte US-Präsident Donald Trump im Nahen und Mittleren Osten alles besser machen als seine Vorgänger. Wie es aussieht, ist jedoch das Gegenteil der Fall. Ganz beiläufig hat in diesen Tagen Trumps Beauftragter für den Nahost-Frieden, Jason Greenblatt, seinen Rücktritt angekündigt. Offenbar war der persönliche Immobilienanwalt des Präsidenten aus New York dann doch nicht der Richtige, um diesen komplizierten Konflikt zu lösen. Auf den groß angekündigten Trump-Friedensplan warten sie in der Region jedenfalls noch immer.

Auch im Iran-Konflikt droht neues Ungemach. Die iranische Atomorganisation (AEOI) will heute Details zur dritten Stufe der Abkehr vom Wiener Atomabkommen von 2015 bekanntgeben. Das Abkommen war einseitig von Trump aufgekündigt worden, weshalb Iran nun seinerseits stufenweise aussteigen will. Präsident Hassan Rohani kündigte an, die AEOI solle ohne Einschränkung alles in Angriff nehmen, was für den Ausbau der nationalen Atomtechnologie und für die Forschung notwendig ist. Als wahrscheinlich gilt, dass Iran nun die Produktion von atomwaffenfähigem Uran vorantreiben wird.

Verlierer des Tages...

... ist die Raumfahrernation Indien. Als viertes Land nach den USA, Russland und China wollte Indien eine Mondlandung unternehmen. Doch der Versuch ist in der Nacht offenbar gescheitert. Zunächst ging alles glatt, doch kurz vor der Landung riss der Kontakt zu dem unbemannten Landemodul "Vikram" ab. Dies deutet darauf hin, dass es zu einer Bruchlandung gekommen sein könnte. Die gescheiterte Mission ist auch ein Rückschlag für Indiens nationalistischen Premierminister Narendra Modi. Er hatte wohl gehofft, mit einem Erfolg beim Wahlvolk punkten zu können. Modi will allerdings nicht aufgeben. Das Raumfahrtprogramm solle fortgesetzt werden, verkündete er sofort: "Unsere Reise geht weiter."

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Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Ihr Roland Nelles

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