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die neue Chefin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, wird heute offiziell die Liste mit den Namen der Kandidaten für die Kommissar-Posten vorlegen. Die geplanten Zuständigkeiten sollen dann am Dienstag bekannt gegeben werden.

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Heft 37/2019
Chaos nach Plan? Wie Premier Johnson die Zukunft der Briten verzockt

Die Namen der Kandidaten stehen im Prinzip fest. Aber wie üblich gibt es vor und hinter den Kulissen reichlich Fingerhakeln um die Frage, welches Land welches Ressort übernimmt. Denn manche Posten umweht mehr Prestige als andere. So schielt zum Beispiel Italien mit dem Kandidaten Paolo Gentiloni auf den Job des Wirtschaftskommissars. Bevor die Kommission am 1. November die Arbeit aufnehmen kann, müssen sich die Kandidaten noch in Anhörungen den Fragen der EU-Parlamentarier stellen. Dabei könnten einzelne Kandidaten durchaus durchfallen.

Wer geht jetzt noch?

Duncan McGlynn/ REUTERS

Bitte festschnallen, der Brexit-Irrsinn geht in eine neue Runde. Die Zeit bis zum Austrittstermin am 31. Oktober läuft gnadenlos ab, und der britische Premier Boris Johnson sucht immer noch nach einem Weg, irgendwie die Oberhand zu behalten. Es ist ein mehrdimensionaler Kampf - mit der Opposition, mit der EU in Brüssel und mit den Gegnern in den eigenen Reihen.

Der Rücktritt seiner Arbeitsministerin Amber Rudd am Wochenende könnte dabei für Johnson ein böses Omen sein: In London werden weitere Rücktritte in der Regierung erwartet. Rudd für ihren Teil war jedenfalls nicht mehr bereit, bei diesem riskanten Spiel mitzumachen.

Heute reist Johnson zunächst nach Irland zu Gesprächen über die Zollgrenzen nach einem möglichen Brexit. Dann will er im Parlament in London erneut versuchen, Neuwahlen im Oktober durchzusetzen. Auch diesmal dürfte er die Abstimmung nach Lage der Dinge verlieren. Wie es danach weitergeht, ob es zu einem Misstrauensvotum gegen Johnson kommt, ob er zurücktritt oder ob der Premier versuchen wird, den Brexit mit juristischen Tricks gegen den Willen der Parlamentsmehrheit zum 31. Oktober durchzusetzen - alles ist offen.

Um das Durcheinander auf der Insel perfekt zu machen, beginnt heute ganz nebenbei noch ein 48-stündiger Streik der Piloten von British Airways. Mit dem Brexit hat das ausnahmsweise nichts zu tun. Sie wollen eine bessere Bezahlung durchsetzen. 800 Flüge sollen pro Tag ausfallen, davon wären allein heute etwa 145.000 Passagiere betroffen. Da kann man den Freunden in London nur noch eines wünschen: starke Nerven.

Noch ein Herausforderer für Trump

Carolyn Kaster/ DPA

So langsam wird es richtig unübersichtlich: Zwar ist die Zahl der US-Demokraten, die bei der nächsten Präsidentschaftswahl gegen Donald Trump antreten wollen, in den vergangenen Wochen auf "nur noch" 20 gesunken. Doch dafür gibt es nach aktueller Zählung jetzt drei Republikaner, die den Präsidenten in der eigenen Partei herausfordern wollen. Am Wochenende kam der frühere Kongressabgeordnete Mark Sanford hinzu, der offiziell seine Kandidatur bekanntgab. Im Rennen sind bereits der Radiomoderator Joe Walsh und der Ex-Gouverneur von Massachusetts, William Weld.

Sanford ist ein Traditions-Republikaner aus South Carolina, der bereits seit Tagen durch die Talkshows tingelt und dort für sich wirbt. Wirklich gefährlich werden dürfte er Trump bei den parteiinternen Vorwahlen nicht. Dazu ist der Präsident bei der eigenen Basis zu beliebt. Sanford gibt sich trotzdem optimistisch: Trumps Popularität erscheine derzeit zwar groß, sagt er. "Aber vielleicht ist sie doch schmaler und zerbrechlicher als viele Leute denken."

Verlierer des Tages...

Abir Sultan/ POOL/ AFP

... ist Israels Premierminister Benjamin Netanyahu. Bei einer Sitzung seines Kabinetts unterlief ihm ein kurioser Versprecher: Vor laufenden Kameras berichtete Netanyahu von seinem jüngsten Treffen mit dem britischen Premier Johnson. Versehentlich nannte Netanyahu Johnson dabei jedoch "Boris Jelzin". Der war bekanntlich nicht Brite, sondern Russe und ist seit mehr als zehn Jahren tot. In einem offiziellen Video der israelischen Regierung wurde der Versprecher des Chefs anschließend rasch korrigiert, allerdings mit einer fragwürdigen Methode: Das Band wurde so bearbeitet, dass man an der entscheidenden Stelle statt Jelzin nun den Namen Johnson hört.

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haresu 09.09.2019
1. Boris genießt es
Ich bin mir sicher, dass Johnson die jetzige Situation vollauf genießt. Warum auch nicht? Der Mann wird gerade Legende, kämpft gegen alle gleichzeitig und ist mittlerweile sogar auch noch im Recht. Wieso man hierzulande ein Parlament feiert, das eigentlich nur für sich selber kämpft und sich auch in drei weitrten Monaten nicht wird einigen können, ist mir schleierhaft. Auch Rudd geht ja nur weil sie das Schiff im sinkten glaubt. Corbyn hingegen schert sich einen Dreck um den Brexit, er will Johnson einfach maximal beschädigen, bevor Neuwahlen kommen. In dieser Gesellschaft kommt Boris fast schon wie Jung- Siegfried rüber, sein Zynismus ist wenigstens offen und triftt die Richtigen. Natürlich ist der Brexit auch weiterhin eine Riesendummheit, natürlich hat Johnson auch sehr große Schuld am Brexit, nur geht es darum längst nicht mehr oder noch nicht. Der Brexit kommt. Der ungeregelte Brexit kommt. Es gibt einfach keine Mehrheit für den Backstop. Im nächsten Parlament noch weniger. Es gibt auch in der Bevölkerung keine Mehrheit für den Verbleib. Die einzige im Moment relevante Frage ist, ob der Brexit früh genug kommt. Früh genug für ein späteres Wiederzusammenwachsen von Großbritannien und der EU, früh genug bevor Gesellschaft und Politik Großbritanniens völlig zerrissen werden.
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