Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,


beim Thema Klima geht es heute um verpasste Chancen und um eine neue Chance. In Bonn wird dem ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer der Staatspreis NRW verliehen. Töpfer hat in den Neunzigerjahren die Dramatik der Klimakrise kommen sehen. In Hintergrundgesprächen konnte er klar benennen, was droht und was dagegen zu tun wäre. Aber er hatte nicht die Kraft, diese Politik bei Helmut Kohl durchzusetzen.

Britta Pedersen/zb/ DPA
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Heft 38/2019
Verteufelt, aber begehrt: Das SUV - Symbol für die deutsche Doppelmoral

Die Laudatio hält Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls frühzeitig die Probleme gesehen, aber wenig dagegen unternommen hat - erst als Umweltministerin unter Kohl, dann als Bundeskanzlerin unter niemandem, was schwerer wiegt.

Heute wird die CDU voraussichtlich ihr Klimakonzept vorstellen. Am Freitag will sich die Regierung auf ein Programm einigen. Eine neue Chance, die man nicht verpassen darf.

Es grünt so grün

Daniel Maurer/ DPA

Wenn sich das Gesicht von Boris Johnson heute beim Mittagessen mit Jean-Claude Juncker in Luxemburg grün verfärbt, kann das zwei Ursachen haben:

Johnson hat sich von Juncker dazu verleiten lassen, zu viele Gin Tonic zu trinken (ist mir auch schon passiert).

Johnson ist tatsächlich wie der prominente Wutbürger Hulk, wie er in einem Interview am Wochenende behauptet hat, wird also grün, wenn die Wut in ihm aufsteigt.

Wie auch immer, es ist ein alter Traum von Politik, dass sich zwei Männer (gern auch Frauen) gemütlich hinsetzen, vernünftig miteinander reden und eine Lösung finden. So wie einst Kohl und Gorbatschow in Sachen Wiedervereinigung oder Zar Alexander I. und Napoleon bei Tilsit, wo sie einen Frieden aushandelten.

Entscheidend sind hier die beiden Adjektive. Gemütlich: Das geht mit Johnson. Vernünftig: Davon hat er sich weit, weit entfernt.

Giraffen und Luxuskonsum

DPA

Am Samstagmorgen bin ich in Tansania durch das Gebiet der Massai gefahren. Savanne, Runddörfer mit Hütten aus Lehm und Kuhdung, Ziegenherden, die von Kindern in roten Gewändern bewacht wurden, dazwischen Giraffen. Der Fahrer sagte, dass sich bei den Massai die Zahl der Ehefrauen nach der Zahl der Kühe richten könne. Eine befremdliche Welt. Wahrscheinlich hat man hier vor tausend Jahren nicht viel anders gelebt.

Gut 30 Stunden später wartete ich in der Transitzone des Flughafens Istanbul auf den Anschlussflug nach Berlin. Tausend Jahre in 30 Stunden, man kommt nicht ganz mit. Die Transitzone ist ein gigantischer Luxuskonsumtempel, in dem man aus Langeweile Dinge kauft, die man nicht braucht, Speisen verzehrt, nach denen es einen nicht hungert.

Was würde ein Massai dazu sagen? Und was war noch mal die Definition von Fortschritt?

Verlierer des Tages...

Omar HAJ KADOUR / AFP

... gibt es heute wahrscheinlich drei. In Ankara treffen sich die autoritären Herrscher der Türkei, Russlands und Irans, also Erdogan, Putin und Rohani, um über die Lage in Syrien zu beraten. Der Westen wird in dieser Angelegenheit häufig kritisiert, häufig zu Recht. Er hat sich nicht genug darum gekümmert, den Bürgerkrieg zu beenden.

Aber bei diesen drei Herren ist es noch schlimmer. Es läge in ihrer Macht, den syrischen Despoten Assad aus dem Verkehr zu ziehen und einer Nachkriegsordnung eine Chance zu geben. Aber daran hatten sie bislang kein Interesse. Manchmal dämmen sie Assad ein, dann lassen sie ihm wieder mehr Spielraum. Das Morden jedenfalls geht immer weiter.

Sollte sich das heute ändern, sind sie sofort meine Gewinner des Tages.

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Ihr Dirk Kurbjuweit

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