Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


bleiben uns die Briten noch länger in der EU erhalten als gedacht? Es ist nun zwei Jahre her, dass das Inselreich in Brüssel beantragt hat, sich von der großen Familie zu trennen. Gestern wäre der Tag des Abschieds gewesen, er wurde zu einem Tag der Ratlosigkeit.

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Heft 14/2019
Der bizarre Streit um den Schutz unserer Kinder

Das britische Unterhaus lehnte mehrheitlich die Trennungsvereinbarung ab, die Premierministerin Theresa May vorgelegt hatte. Es ist ihre dritte Abstimmungsniederlage seit Januar.

Derzeit ist von den vier möglichen Optionen die eines langen Brexit-Aufschubs am wahrscheinlichsten, auch wenn sie die Briten in die absurde Lage treiben würde, bei den Europawahlen Ende Mai mitmachen zu müssen.

Vielleicht sollten wir uns ein paar Tage Pause im entsetzten Beobachten dieses dysfunktionalen Prozesses gönnen, ein bisschen Brexit-Detox sozusagen.

Abschied eines Muffels

DPA

In Deutschland beginnt ein Wochenende der Parteitage. Die Grünen diskutieren ihr Grundsatzprogramm in Berlin, die CSU beschließt gemeinsam mit Spitzenkandidat Manfred Weber in Nürnberg ihr Europaprogramm, die regierende Linke in Thüringen bereitet sich auf die Landtagswahl im Oktober vor, die SPD trifft sich in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Dort, im Norden, übergibt Ralf Stegner nach zwölf Jahren sein Amt als Landesvorsitzender an Serpil Midyatli.

Wer nun hoffte, Stegners Dauergriesgrämigkeit im Fernsehen nicht mehr ertragen zu müssen, hat sich zu früh gefreut. Er wolle seine Rolle als stellvertretender Bundesvorsitzender mit noch mehr Power erfüllen, kündigte Stegner im Deutschlandfunk an. Der rote Poltergeist, er bleibt uns erhalten.

Die Nato im Krisengeburtstag

DPA

In Berlin trifft sich heute die Bewegung "Aufstehen" vor der amerikanischen Botschaft am Pariser Platz und demonstriert gegen die Nato, die in diesen Tagen 70 Jahre alt wird.

Es wird spannend zu sehen, wie viele zu dem Protest kommen, ist der linken Bewegung doch die Galionsfigur abhandengekommen. Als Sahra Wagenknecht beschlossen hat, sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzuziehen, haben ihr das bei "Aufstehen" viele übel genommen. Heute aber steht der Feind woanders: "Ami Go Home" ist das Motto der Veranstaltung.

Würden die Amerikaner dieser Aufforderung Folge leisten, steckte Europa ziemlich im Schlamassel. Denn die Nato, das westliche Militärbündnis, wird maßgeblich von den USA getragen. Dass die Nato sich in einer existenziellen Krise befindet, liegt allerdings nicht nur an den USA, sondern vor allem auch an Deutschland.

Meine Kollegen Matthias Gebauer, Konstantin von Hammerstein, Christiane Hoffmann und Marcel Rosenbach beschreiben im neuen SPIEGEL, wie Deutschland seine Bündnispartner dadurch verärgert, dass es sich nicht einmal an bereits abgemachte Vereinbarungen hält. "Deutschlands Weigerung, seine Zusagen zu erfüllen, wird langfristige Folgen für die Fähigkeiten und die Solidarität in der Nato haben", sagt Julianne Smith, die Sicherheitsberaterin des ehemaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden. Lesen Sie hier die Geschichte.

Der strittige Stich

Karl-Josef Hildenbrand / picture-alliance/ dpa

Wer Kinder im Kita-Alter hat, kennt die latente Angst vor der nächsten Masernepidemie. Die Sorge ist ja auch begründet, die Zahl der Masernfälle ist innerhalb eines Jahres auf das Dreifache gestiegen. In Großstädten müssen immer wieder mal Kitas schließen, wenn zu viele Kinder die Masern haben. Die Weltgesundheitsorganisation hat nun Impfgegner auf ihre Liste der größten globalen Bedrohungen genommen.

Welch fatale Folgen es haben kann, wenn Kinder nicht umfassend geimpft sind, beschreibt ein Team aus SPIEGEL-Redakteuren in der Titelgeschichte des neuen Hefts. Obwohl die Beispiele so ergreifend sind, obwohl es keine rationalen Gründe gegen das Impfen gibt, obwohl die Lage also eindeutig ist, gibt es immer noch Menschen, die das Impfen ihrer Kinder aus ideologischen Gründen ablehnen. Sie werden es, zu Recht, schwerer haben, falls Bundesgesundheitsminister Spahn eine Masernimpfpflicht durchsetzt. Derzeit will er das Vorhaben prüfen.

Gewinner des Tages...

Reuters/Kvartal95

... ist Wolodymyr Selensky. Der Komödiant hat bei den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine am Sonntag die besten Chancen. Mit viel Geld eines Oligarchen und vielen Auftritten im Kabarett hat er die Gunst der Ukrainer gewonnen. Dass er keine politische Erfahrung hat, fällt da nicht weiter ins Gewicht. Und so könnte in etwa wahr werden, was Selensky seit 2015 als Hauptrolle in der beliebten Fernsehserie "Diener des Volkes" spielt: der plötzliche Aufstieg eines einfachen Geschichtslehrers zum Präsidenten.

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Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende! Nächste Woche wird Sie meine Kollegin Ayla Mayer an dieser Stelle begrüßen.

Herzlich

Ihr Martin Knobbe

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
carinesophie 30.03.2019
1. Impflicht für Einwanderer wie in den vorbildlichen USA
Wer in die USA einwandert, muß sich VORHER gesundheitlich überprüfen lassen, also z.B. keine Tuberkulose haben (Röntgenbild), aber auch gegen viele Dinge aktuell geimpft sein oder einen nachweisbaren Schutz durch vorherige Krankheit nachweisen: MASERN, Mumps, Röteln, Keuchhusten u.a. - ich glaube auch Tetanus, Diphtherie. Warum Merkel erst alle Kranken einschl. Ebola unkontrolliert nach Europa locken wollte, erschließt sich mir bis heute nicht, wenn doch klar war, daß die Migranten keineswegs politisch verfolgt waren und über 10-20 Grenzen nur nach Deutschland fliehen mussten. Warum muß man 500 Mio. Europäer dem Todesrisiko durch Ebola etc. aussetzen, nur um ein paar Paßverlierern eine solziale Hängematte zu bereiten und arme Deutsche auf einen Campingplatz ohne Strom und warmes wasser ausbürgern? Wir sollten niemanden mit resistenter Tuberkulose und ohne gültiges Visum in die EU einschleusen, denn so wird Großbritannien nicht das Letzte Land bleiben, das die sinkende Titanic Europa verlassen will.
mirage122 30.03.2019
2. Der rote Muffel!
Manchmal war er nicht zu ertragen, aber dann wieder konnte man ihm nur beipflichten. Dieses brummelige Norddeutsche gehört einfach in die Bundespolitik. Wir haben doch sonst kaum Charaktere, die sich vor der Wahrheit nicht verstecken - stattdessen für den Bürger nicht verständliche Seifenblasen von sich geben, nur um auf der jeweiligen Partei-Linie zu bleiben. Ich hätte ihn sonst vermisst!
KR-Spiegel 30.03.2019
3. Maser - die menschliche Dummheit siegt?
Masern, 0,1% der Infektionen enden tödlich und bis zu 0,5% ergeben dauerhafte Spätfolgen für die Kinder. Grundsätzlich ist man bei Masern 4-6 Wochen massiv immungeschwächt, was Einfallstor für andere Krankheiten bedeutet. Menschliche Dummheit hier das Hauptübel, den Impfkritik ist sachlich haltlos und die Risiken im Wesentlichen konstruiert. In den USA erfolgt gegen bekennende Eltern von Masern geschädigter Kindern zudem eine mediale Treibjagd der fanatischen Dummer. Unsere aufgeklärte Gesellschaft sollte diese Hetzer breit agumentativ angehen. Die Gesundheit von Kindern sollte uns das wert sein.
rambazambah 30.03.2019
4. Masern
Auch ich hatte als Kind Masern. Spaß war das keiner. Ich kann mich vor allem an dieses grauenhafte Jucken und Brennen erinnern. Und selbst heute, wenn ich nur Bilder von Maserpatienten sehe, fängt es an zu jucken. Als Kind schwer krank zu sein, ist gerade für ein selten krankes Kind schwer zu begreifen. Man hat nicht nur Schnupfen, sondern ist krank, kann nicht essen, nicht richtig schlafen, hat Schmerzen. Das Fieber, das weh tut, das Jucken und Brennen, man kratzt sich wund... Erspart Euren Kindern diese Tortour. Ein kleiner Pickser und die Sache hat sich erledigt.
Paddel2 30.03.2019
5. Pro Impfpflicht
Manchmal muss man Vernunft verordnen. Zu nennen ist da die Anschnallpflicht und das Rauchverbot. Bedenkenträger gab es schon immer und sie hatten immer Unrecht. So verhält es sich auch diesmal. Deutschland ist ein freies Land, aber ganz ohne Regeln geht es nicht. Wenn wie in diesem Fall das gesellschaftliche Interesse derart hoch ist und die Bedenken wissenschaftlich widerlegt sind, ist eine Verordnung sinnvoll. Herr Spahn, handeln Sie!
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