Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn CDU-Politiker über das bevorstehende Wahljahr nachdenken, fällt es ihnen nicht schwer, die wichtigsten politischen Gegner zu benennen. Die Linkspartei will eine andere Republik. Die AfD beschimpft Angela Merkel als Kanzlerdiktatorin. Die SPD wirbt für eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung. Umso verwirrter waren die Christdemokraten, als ihr Chefstratege Peter Tauber am vergangenen Wochenende ausgerechnet die FDP zum Hauptfeind ausrief - jene Partei also, mit der man doch angeblich am liebsten eine Koalition bilden würde.

Heute trifft sich der CDU-Vorstand zu seiner Jahresauftakt-Klausur - und wenn nicht alles täuscht, werden sich die Parteigranden nach Taubers überraschender Front-Verschiebung eine ganz andere Frage stellen: Ist der gefährlichste Gegner im Wahlkampf vielleicht der eigene Generalsekretär?

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Osten, Westen oder was?

Kommenden Dienstag beginnt das Weltwirtschaftsforum in Davos, die angeblich wichtigste Konferenz der Reichen und Mächtigen auf dem Globus. Viele der Allermächtigsten aber werden dem Treffen diesmal wohl fernbleiben, berichten Schweizer Medien. Angela Merkel habe genauso abgesagt wie Frankreichs Präsident François Hollande, und auch Donald Trump werde nicht kommen. Nun setzen die Veranstalter auf Chinas Staatschef Xi Jinping, der offenbar entschlossen ist, die Staatslenker auch ideologisch zu vertreten. Xi werde, so heißt es aus Peking, für Globalisierung und Freihandel werben und sich gegen Populismus und Protektionismus aussprechen. Wie hieß es schon bei Mao: "Wir verstehen es nicht nur, die alte Welt zu zerstören, wir verstehen es auch, eine neue aufzubauen."

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Das grüne Frauenproblem

Keine andere Partei hat so viel für die Frauenförderung getan wie die Grünen. Seit 30 Jahren gibt es die Quote, die Doppelspitze, getrennte Rednerlisten auf Parteitagen. Und doch: Bei der heute endenden Urwahl für die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl steht drei Männern (Anton Hofreiter, Robert Habeck, Cem Özdemir) nur eine Frau (Katrin Göring-Eckardt) gegenüber. Auch die parteiinterne Strategiedebatte wird von jener Spezies dominiert, über die sich die Mitglieder so gerne lustig machen: von alten weißen Männern wie Winfried Kretschmann und Jürgen Trittin. Die Gründe für die seltsame Ungleichheit in der Gleichheitspartei hat meine Kollegin Ann-Katrin Müller im neuen SPIEGEL untersucht, den Sie ab 18 Uhr digital lesen können. "Die Grünen haben ein Frauenproblem", sagt sie. "Ausgerechnet."

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Trumps Tempo

Eines muss man Donald Trump lassen: Er drückt aufs Tempo. Für die ersten vierzehn Tage nach seinem Amtsantritt hat der künftige US-Präsident diese Woche weitreichende Entscheidungen angekündigt: Einen obersten Richter ernennen, mit dem Mauerbau an der mexikanischen Grenze beginnen, Obamas Gesundheitsreform kippen. Wenn er so weitermacht, sollten sich seine Berater vielleicht mit einem ganz neuen Szenario auseinandersetzen. Wäre es sinnvoll, auch Trumps Amtszeit auf zwei Wochen zu verkürzen?

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

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Gewinner des Tages...

... ist Emmanuel Macron. Der frühere Investmentbanker war schon in der blassen Ministerriege unter Präsident François Hollande einer der wenigen Lichtblicke. Jetzt mischt der Enddreißiger den anlaufenden Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich auf. Nach jüngsten Umfragen liegt er hinter dem konservativen Kandidaten François Fillon und Front-National-Chefin Marine Le Pen auf Platz drei. Der Mann kann reden, und was noch überraschender ist: Er tritt mit Positionen an, mit denen man bislang allenfalls auf Unternehmertagen Stimmen fangen konnte: tiefgreifende Wirtschaftsreformen, Ja zu Merkels Flüchtlingspolitik, ein geeintes Europa. Es könnte ein Hoffnungszeichen sein, wenn ausgerechnet im so nationalistischen Frankreich eine Erkenntnis an Boden gewinnt, die man angesichts von Populismus-Welle und Brüssel-Frust schon abschreiben wollte: "Europa ist nicht das Problem, Europa ist die Lösung".

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Michael Sauga

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