Markus Feldenkirchen

Die Lage am Morgen Seine schrecklich nette Familie

Markus Feldenkirchen
Von Markus Feldenkirchen, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,

heute beschäftigen wir uns mit den Siegern des Champions-League-Finales, den Widersprüchen bei der Genehmigung von Demonstrationen in Deutschland und den prominentesten Unterstützern des US-Präsidenten.

And the Winner is: Katar

Der FC Bayern München hat gestern Abend in Lissabon zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte die Champions League gewonnen. Der Verein besiegte Paris Saint-Germain mit 1:0. Den Bayern-Spielern und Trainer Hansi Flick gebührt alle Anerkennung. Was das Team gerade in der Endrunde leistete, war herausragend. Die anderen Sieger des gestrigen Abends aber waren die Ölscheichs aus Katar, die bei beiden Klubs die Finger im Spiel haben, beim einen mehr, beim anderen weniger.

Als Fußballfan muss man seit Langem schmerzhafte Kompromisse eingehen, damit der eigene Verein in diesem Milliardengeschäft irgendwie mithalten kann. Es ist gewiss nicht schön, wenn die eigenen Vertreter mit dem Logo eines Massenhähnchenherstellers auf der Brust rumlaufen (Moin, Bremen!). Noch bitterer ist es, wenn es den eigenen Verein nur deshalb gibt, weil ein Gummibärchensafthersteller aus Österreich einen weiteren Klub als Marketinginstrument benötigte (Gruß nach Leipzig!).

Richtig schwierig aber wird es, wenn nicht privatwirtschaftliches, sondern politisches Geld den Sport missbraucht. Mich gruselt es, wie die Ölscheichs aus Katar mit ihren Investments in populäre Sportvereine das Image ihrer menschenfeindlichen Regimes aufzupolieren versuchen. Und dass es genügend nach Geld gierende Vereine gibt, die bei diesem Imagekauf mitmachen.

Der einstige Traditionsverein Paris Saint-Germain ist dabei das traurigste Beispiel, denn der Klub gehört dem Scheichtum komplett. Der FC Bayern aber lässt sich von der staatlichen Fluglinie Qatar Airways als Platin Partner sponsern und sorgt mit seinem Wintertrainingslager in Doha für die gewünschter Staats-PR. Aus Katar bringt Klub-Boss Karl-Heinz Rummenigge auch gern mal teure Uhren mit, die auf dem Hinflug noch nicht in seinem Gepäck waren.

Ich finde, ein gesunder und ökonomisch potenter Verein wie der FC Bayern sollte die Finger von politischem Geld lassen und sich nicht zu Komplizen der Scheichs machen. Dann würde ein Triumph wie der von gestern Abend noch etwas heller strahlen.

Trumps Familienfeier

Heute beginnt in den USA der Parteitag der Republikaner. Donald Trump soll am Abend von den Delegierten in Charlotte (North Carolina) als Kandidat für eine weitere Amtszeit nominiert werden. Die weitgehend virtuelle Veranstaltung soll bis Donnerstag dauern und mit einer Rede Trumps auf dem Südrasen des Weißen Hauses enden. Während die Demokraten für ihren Nominierungsparteitag in der vergangenen Woche ein beeindruckendes Line-up an prominenten Rednern aufboten, erinnert die Rednerliste der Republikaner eher an "Eine schrecklich nette Familie". Sprechen werden neben Vizepräsident Mike Pence unter anderem Ehefrau Melania Trump und Trumps Kinder Ivanka Trump, Donald Trump Jr., Eric Trump und Tiffany Trump. Was all diese Menschen für die große Politik qualifiziert, bleibt Trumps Geheimnis. Sein 14-jähriger Sohn Barron Trump fehlt bislang noch in der offiziellen Ankündigung.

Überschattet wird der Parteitag von der Frage, ob Trump das Wahlergebnis akzeptieren und das Weiße Haus räumen wird, sollte er gegen Joe Biden verlieren. Dass diese Sorgen kein linkes Hirngespinst sind, zeigt die aktuelle SPIEGEL-Titelgeschichte, die ich Ihnen sehr ans Herz legen möchte. Meine Kollegen Ralf Neukirch, Rene Pfister und Ines Zöttl beschreiben sehr konkret, was Trump dieser Tage unternimmt, um die Rechtmäßigkeit der Wahl präventiv in Zweifel zu ziehen. Offenbar mit Erfolg. Weil der Präsident schon seit Mo­na­ten be­haup­tet, die Wahl am 3. No­vem­ber wer­de ma­ni­pu­liert, glau­ben laut ei­ner Um­fra­ge in­zwi­schen knapp 50 Pro­zent der Ame­ri­ka­ner, an der Be­haup­tung sei et­was dran. Wer die Lage in den USA wenige Wochen vor der Wahl verstehen will, sollte dieses stark recherchierte Stück lesen.

Zweierlei Maß bei Demonstrationen

Am Samstag wurde auf dem Freiheitsplatz in Hanau auf einer Kundgebung der Opfer eines rechtsradikalen Attentäters gedacht, der vor einem halben Jahr zehn Menschen mit Migrationshintergrund tötete. Es gab würdevolle Reden, die Veranstaltung verlief friedlich. Das ist die gute Nachricht. Die seltsame Nachricht ist, dass eine ursprünglich geplante Demonstration zum Gedenken an die Anschlagsopfer sehr kurzfristig abgesagt wurde - obwohl die Initiatoren wochenlang ein Hygienekonzept gemeinsam mit Stadt und Ordnungsamt entwickelt hatten.

Trotzdem wollten die Veranstalter nach eigenen Aussagen "keine Corona-Rebellen" sein und folgten der Entscheidung, wonach maximal 250 Personen unter strengen Abstandsregeln an der Kundgebung teilnehmen durften.

Wenn man bedenkt, dass vor drei Wochen in Berlin Zigtausende Menschen an einer Demo mit dem Titel "Tag der Freiheit – Das Ende der Pandemie" teilnehmen konnten (nach Angaben von offenbar nicht ganz nüchternen Teilnehmern waren es sogar 1,3 Millionen), wirkt diese Entscheidung allerdings wie ein schlechter Witz. Und sie wirft die Frage auf, ob in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen wird.

Gewinner des Wochenendes...

... sind die Bürger in Belarus. Wohin es führen kann, wenn Amtsinhaber demokratische Wahlen manipulieren, weil sie zu Recht eine Niederlage fürchten, kann man dort seit Tagen beobachten. Diktator Alexander Lukaschenko will partout nicht abtreten, sein Volk aber scheint sich nicht länger von den gängigen Methoden der Unterdrückung einschüchtern zu lassen. Gestern gingen in Minsk wieder Zehntausende Menschen auf die Straße. Trotz eindringlicher Warnungen und Drohungen Lukaschenkos, der sich mit einer Kalaschnikow in der Hand filmen ließ, demonstrierten sie aufrecht und friedlich für ihre Freiheitsrechte. "Lang lebe Belarus!", riefen sie. "Lukaschenko gib auf!"

Man kann nur hoffen, dass ihr Mut besser früher als später belohnt wird – und die begonnene Revolution ohne Blutvergießen Erfolg haben wird. 

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Podcast Cover
__proto_kicker__
__proto_headline__
DER SPIEGEL 35/2020
Foto: Chris Kleponis / imago images

Operation Wahlbetrug

Wie Trump versucht, seinem Volk die Demokratie zu stehlen

Zur Ausgabe
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.