Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,

Chemnitz und kein Ende: Die Aufmärsche rechter Gruppen in der sächsischen Stadt gehen weiter. Für das Wochenende plant der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke dort einen "Trauermarsch". Die offenkundig völlig überforderte Polizeiführung fordert die Hilfe der Bundespolizei an. Was in Sachsen passiert, entgeht auch den Beobachtern im Ausland nicht. Wenn man einmal von dem Applaus anderer nationalistischer und rassistischer Gruppen in Europa absieht, schwanken die meisten Reaktionen irgendwo zwischen Entsetzen und Abscheu.

"Hier braut sich etwas zusammen, das böse Erinnerungen heraufbeschwört", schreibt zum Beispiel das "Tageblatt" aus Luxemburg. Die "New York Times" erklärt ihren Lesern, dass Sachsen schon lange ein Problem mit Neonazis hat. Und bei CNN International, einem der wichtigsten TV-Sender weltweit, werden die Bilder der randalierenden Glatzköpfe aus Chemnitz in den Hauptnachrichten gezeigt.

Darunter leidet das Ansehen ganz Deutschlands, schaden dürfte dies aber vor allem dem Image von Sachsen. Das kann bedeuten: Weniger Investitionen, weniger Arbeitsplätze, weniger Chancen für die Zukunft. Wenn die Sachsen ihr Nazi-Problem nicht in den Griff bekommen, haben sie es nicht anders verdient.

Wird Volker Kauder gestürzt?

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In der Bundestagsfraktion von CDU und CSU gibt es Überlegungen, eine Revolte gegen Merkels treuen Weggefährten Volker Kauder anzuzetteln. Kauder hat als Fraktionschef stets entscheidend dafür gesorgt, die Macht der Kanzlerin im Bundestag abzusichern. Nun spielt einer seiner Stellvertreter, der Haushaltspolitiker Ralph Brinkhaus, mit dem Gedanken, gegen ihn anzutreten. Wie mein Kollege Florian Gathmann berichtet, ist die Sache wohl noch nicht endgültig entschieden. Gleichwohl muss der Vorstoß Kauder alarmieren - aber auch die Kanzlerin. Sollte Brinkhaus am 25. September in einer Kampfkandidatur gegen Kauder antreten, wäre dies ein wichtiger Test für Merkels weiteren Rückhalt in der Fraktion. Ohne den treuen Kauder wird das Leben der Kanzlerin nicht leichter. So ist das von denen, die da im Hintergrund mitmischen, vermutlich auch gedacht. Schöne Grüße nach Bayern.

Wieder ein Abschied im Weißen Haus

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Der nächste, bitte: US-Präsident Donald Trump verliert schon wieder einen wichtigen Mitarbeiter. Im Herbst wird Donald McGahn, der Chefjustiziar im Weißen Haus, die Regierung verlassen. Das ist ein Verlust, denn McGahn zählt zu den letzten Leuten im Weißen Haus, die sich noch trauen, dem Präsidenten Widerworte zu geben.

Pikant ist der Abschied außerdem, weil gerade erst bekannt wurde, dass McGahn viele Stunden lang als Zeuge von Russland-Sonderermittler Robert Mueller befragt worden ist. Zwar soll McGahn schon länger seinen Abschied geplant haben. Doch möglicherweise hat sein kooperatives Verhalten gegenüber den Ermittlern seinen Abgang beschleunigt. Trump soll erst nachträglich erfahren haben, wie umfassend McGahn mit Mueller zusammengearbeitet hat. Man kann sich gut vorstellen, dass der Präsident davon nicht begeistert war. Unklar bleibt indes, ob McGahn den Ermittlern überhaupt hilfreiche Hinweise geben konnte. Darüber hüllen sich die Beteiligten in Washington wie üblich in Schweigen.

Gewinnerin des Tages...

Foto: Michael Kappeler/ dpa

... ist Kanzlerin Angela Merkel. Zur Abwechslung in diesen trüben politischen Tagen konnte sie einmal etwas wirklich Fröhliches erleben. Bei ihrer Ankunft im Senegal wurde Merkel auf dem Flughafen in Dakar von Präsident Macky Sall (Foto) und von einer Militärkapelle begrüßt. Wie die mitreisenden Korrespondenten berichten, war die Playlist der Truppe jedoch eher ungewöhnlich: Nach der deutschen Hymne spielte die Kapelle die Siebzigerjahre-Schlager "Ja mir san mit'm Radl da" und "Schöne Maid, hast du heut für mich Zeit?"

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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Roland Nelles

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