Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,


wird jetzt alles gut im Handelsstreit zwischen China und den USA? Für allzu großen Optimismus ist es vielleicht noch zu früh, doch immerhin bemühen sich beide Seiten, das Verhältnis zu entkrampfen. Als Zeichen des guten Willens hat US-Präsident Donald Trump die geplante Anhebung einiger Zölle vom 1. auf den 15. Oktober verschoben.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 37/2019
Chaos nach Plan? Wie Premier Johnson die Zukunft der Briten verzockt

US-Medien berichten, Trumps Berater würden auf baldige Fortschritte in den Gesprächen drängen. Ziel sei es, die Verhandlungen in den kommenden Wochen so konstruktiv zu führen, dass die für Oktober und Dezember geplanten Zölle insgesamt bis ins nächste Jahr verschoben werden könnten. Im Weißen Haus wächst offenbar die Angst, dass andernfalls ein wirtschaftlicher Abschwung die Chancen auf eine Wiederwahl des Präsidenten schmälern könnte.

Auch die Chinesen zeigen sich etwas umgänglicher: Laut "Wall Street Journal" wollen sie die Gespräche mit den Amerikanern vereinfachen, indem die Themen in kleinere Portionen aufgeteilt werden. Der gesamte Handelsbereich soll von sicherheitsrelevanten Fragen getrennt werden. Bislang hängt alles mit allem zusammen: der Handel, Patente sowie die Zukunft des umstrittenen Konzerns Huawei, dem die Amerikaner Spionage vorwerfen. Bei einer Trennung der Themen wäre es womöglich einfacher, Einigungen zu erzielen, lautet die Hoffnung der Chinesen.

Das klingt alles rational und durchdacht, allerdings werden die Berater im Weißen Haus und die Chinesen ein Problem bei ihren Verhandlungen kaum in den Griff bekommen: Donald Trumps Unberechenbarkeit.

Hat Israel das Weiße Haus ausspioniert?

Ronen Zvulun/ REUTERS

Eigentlich gelten die USA und Israel als allerbeste Freunde. Doch hinter den Kulissen gibt es offenbar reichlich Anlass für Verstimmungen: Laut einem Bericht des Magazins "Politico" sollen US-Geheimdienste schon vor Monaten in Washington Spionagegeräte entdeckt haben, mit denen rund um das Weiße Haus und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen in der Hauptstadt der Mobilfunkverkehr abgefangen werden konnte.

Die sogenannten Stingrays seien von Experten klar dem israelischen Geheimdienst zugeordnet worden. Ziel der Israelis war es demnach, zum Beispiel auch die Telefonate von US-Präsident Trump abzufangen. Dieser habe über längere Zeit für einige Gespräche ein kaum geschütztes Mobiltelefon benutzt.

Sollte der Bericht zutreffen, wäre dies pikant: Donald Trump präsentiert sich stets als engster Verbündeter Israels, zwischen ihn und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu passt angeblich kein Blatt. Sowohl die israelische Botschaft in Washington als auch Netanyahu wiesen die Anschuldigungen umgehend zurück. "Es gibt eine klare Anweisung, ich habe eine klare Anweisung: keine nachrichtendienstliche Aktivität in den USA, keine Spione", sagte Netanyahu. "Der Bericht ist eine absolute Erfindung." Und Donald Trump sagte: "Ich glaube nicht, dass Israel uns ausspioniert."

Koalition trifft sich zum Klima-Brainstorming

Roland Weihrauch/ DPA

Heute kommen die Spitzen der Großen Koalition zusammen, um in einer Arbeitssitzung erneut über das geplante Klimapaket zu beraten. Bis zum 20. September soll der Plan stehen. Seit Wochen versuchen sich die Koalitionspartner von Union und SPD mit unterschiedlichen Vorschlägen gegenseitig auszustechen. Etliche Vorschläge liegen auf dem Tisch. Fest steht: In Deutschland könnten bald weit mehr Elektroautos rollen, die Anschaffung soll massiv gefördert werden. Gleichzeitig soll die Zahl der Ladestationen auf bis zu eine Million steigen.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) schon sehr konkrete Vorstellungen, wie der Kauf von E-Autos vorangebracht werden könnte. So soll es Prämien von bis zu 4000 Euro geben, wenn das Auto unter 30.000 Euro kostet. Der Kauf elektrischer Gebrauchtwagen könnte mit 500 Euro gefördert werden, E-Taxis mit bis zu 8000 Euro. Auch die Anschaffung von elektrischen Bussen in den Städten soll vorangebracht werden: Bis 2030 soll jeder zweite Linienbus elektrisch fahren.

Verlierer des Tages...

Thibault Camus/ AP

... sind Prinzessin Hassa bint Salman, die Schwester des saudischen Thronfolgers Mohammed bin Salman, und ihr Bodyguard. Die Prinzessin wurde in Paris zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe sowie zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie soll ihren Bodyguard (im Bild) aufgefordert haben, einen Handwerker zu schlagen und zu demütigen. Nach Angaben des Handwerkers soll er unter anderem gezwungen worden sein, die Füße der Prinzessin zu küssen. Der Grund: Er hatte es gewagt, im Rahmen von Renovierungsarbeiten ein Badezimmer in der Pariser Luxuswohnung der saudischen Herrscherfamilie zu fotografieren.

Die Prinzessin war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend, sie hatte Frankreich bereits kurz nach dem Vorfall verlassen. Vielleicht zahlt sie aber wenigstens die Geldstrafe, es sind 10.000 Euro. Die sollte sie noch übrig haben.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in den Tag.

Ihr Roland Nelles

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
thequickeningishappening 13.09.2019
1. "Unter Freunden geht so Etwas gar nicht"
Sagte Frau Merkel nach Der Handy Affäre. Man darf gespannt sein wie Herr Trump reagiert sollten sich Die Vermutungen über Eine Abhör Aktion durch Israel bestätigen.
haresu 13.09.2019
2. Der Goldesel lässt grüßen
Wieso nicht einfach "fordern statt fördern"? Es ist ja richtig den Kauf von E- Autos zu fördern, aber es ärgert schon, dass der Industrie jetzt dann doch wieder mit Subventionen aus ihren selbstgemachten Schwierigkeiten herausgeholfen wird. Es geht bestimmt auch anders. Mit staatlichen Vorgaben.
ronald1952 13.09.2019
3. Ach Gottchen,
jeder Spioniert doch heute jeden aus, ich weis was was du nicht weist gibt es doch in unserer Modernen Zeit nicht mehr. Außerdem wen juckt es denn schon wirklich? Aber man kann ja mal jemanden Beschuldigen der einem nicht so genehm ist oder, Aufmüpfig oder so! Gehen wir also wieder zur Tagesordnung über! schönen Tag noch,
siryanow 13.09.2019
4.
Nun ja. die Amis haben Merkel's Mobiltelefon abgehört. Nun sind die Israelis neugierig , wat et so allet im oval-bürro an Neuem jibt .
Koda 13.09.2019
5. Wenig überraschende Frage: Hat Israel das Weiße Haus ausspioniert?
Überraschend wäre eher: Israel Hat das Weiße Haus nicht ausspioniert! Mal ehrlich: seit ALLE wissen Merkels Handy abgehört wurde - unter Freunden geht sowas ja gar nicht - darf man annehmen, dass das Ausspionieren nicht nur von Bürgern befreundeter Staaten sondern besonders befreundeter Regierungschefs einfach Pflicht ist bei den Geheimdiensten. Wo bei das Ausspionieren von Merkel oder dem Weißen Haus noch nachvollziehbarer ist als das Ausspionieren (der Handys) aller Bürger ohne konkreten Verdacht. Und nicht nur bei den USA oder Israel, dem FSB oder fiesen Putin-Hackern sondern hoffentlich auch umgekehrt beim Bundesnachrichtendienst oder dem MAD. Bundesnachrichtendienst klingt immer irgendwie putzig - klingt wenig nach Spionage sondern eher nach Nachrichten für die Medien.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.