Susanne Beyer

Die Lage am Morgen Trump ohne Macht – zwei Szenarien für seine Zukunft

Susanne Beyer
Von Susanne Beyer, Autorin im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,

heute beschäftigen wir uns mit einer Verlängerung der Corona-Maßnahmen, wir vergleichen Sarkozy mit Trump und lernen, wie wir über SMS Adventslichter anzünden können.

Adventszeit im Shutdown

Nicht noch einmal so ein schlechtes Bild abgeben wie beim letzten Treffen mit der Kanzlerin, das haben sich die Länderchefs für den nächsten Termin am Mittwoch vorgenommen. Heute werden sie sich wahrscheinlich auf ein Papier einigen, aus dem hervorgeht, dass die Corona-Maßnahmen, die bisher nur für den November gelten sollten, mindestens bis zum 20. Dezember verlängert werden. Die Infektionszahlen stagnieren zwar, aber auf einem zu hohen Niveau.

Äußerungen von Ministerpräsidenten vom Wochenende lassen wiederum darauf schließen, dass es für Kinder und Jugendliche in unterschiedliche Richtungen gehen könnte: Kitas und Grundschulen könnten offen bleiben, für die älteren Kinder könnte es sogenannten Wechselunterricht geben.

Hätte man sich auf all das nicht schon vergangene Woche einigen können? Ja, hätte man. Aber besser aus Fehlern lernen, als sie zu wiederholen.

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Die Grünen wollen wirtschaften

Heute Vormittag tritt der Bundesvorstand der Grünen zusammen, danach wird der Co-Vorsitzende der Grünen Robert Habeck eine Pressekonferenz geben. Er hat ja manches erlebt in den vergangenen drei Tagen. Gestern Nachmittag verabschiedete seine Partei am Ende ihres digitalen Parteitages mit rund 800 Delegierten ein neues Grundsatzprogramm, es ist das vierte in vier Jahrzehnten und soll für die kommenden 15 bis 20 Jahre gültig sein.

Die Delegierten stimmten so ab, dass alle Seiten etwas davon haben: Die jungen Grünen, die der Fridays-for-Future-Bewegung nahestehen, können zufrieden sein mit dem strengen 1,5-Grad-Ziel, das sich die Partei für den Klimaschutz auferlegte. Der Bundesvorstand selbst wird froh sein, dass Anträge für bundesweite Volksabstimmungen keine Mehrheit fanden, sondern dass es auf Bürgerräte hinausläuft. Die wiederum werden Empfehlungen zu konkreten Fragen erarbeiten, mit denen sich Regierung und Parlament dann auseinandersetzen, auf die sie aber nicht verpflichtet werden. Nicht so ganz darauf hören zu müssen, was einem geraten wird, ist praktischer, wenn man regieren möchte – und die Grünen wollen nichts lieber als das.

Da sowohl Habeck als auch die Co-Vorsitzende Annalena Baerbock in ihren Ansprachen so schnell auf Wirtschaftsthemen zu sprechen kamen, fragte sich eine Kollegin von der »FAZ«, ob dies schon Bewerbungsreden gewesen seien: »Für Baerbock das Wirtschafts-, für Habeck das Finanzministerium?«

Eine spannende Frage, die andere Fragen nach sich zieht: Wer wäre denn in einer solchen Konstellation Bundeskanzler? Mit solcherlei Gedankenspielen lässt sich ein wenig Heiterkeit in einsame Corona-Abende bringen. Die Vorstellung zum Beispiel, dass das nicht so ganz stabile Nervenkostüm eines Friedrich Merz eine solche Konstellation auszuhalten hätte, ist doch immerhin ganz amüsant.

Nach dem Ende einer Politshow

Bling-Bling – erinnern Sie sich noch an Nicolas Sarkozy? Der war von 2007 bis 2012 Präsident der französischen Republik. Heute beginnt ein Prozess gegen ihn, er ist wegen Bestechung angeklagt. Er bestreitet die Vorwürfe, vielleicht wird der Prozess auch wegen Verfahrensfragen schnell unterbrochen. Manchmal werden Figuren aus der Vergangenheit wieder interessant, wenn sich Analogien zum Heute durch sie ergeben. Es gibt nämlich gewisse Parallelen zwischen Sarkozy und dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump (ja, ich weiß, eine lange Liste von Unterschieden ließe sich auch anführen).

Sie haben beide eine Schwäche fürs grell Glitzernde, weswegen Sarkozy den Spitznamen »Monsieur Bling-Bling« abbekam. Sie heirateten beide ehemalige Fotomodelle. Sie wurden beide nach nur einer Amtszeit abgewählt und haben es beide jeweils so bedauert, dass der Franzose sich noch einmal bewarb, aber schnell scheiterte, der Amerikaner sich nun seinerseits mit der Erwägung herumzutragen scheint, es 2024 noch einmal zu versuchen.

Trump liefert zurzeit zwar wenig Argumente dafür, was an dieser Idee fürs Land gut sein soll – er hat das Amt ja noch, zog es aber während des gerade abgelaufenen G20-Gipfels vor, die meiste Zeit Golf zu spielen –, aber er droht ja gern mal. Die auffälligste Parallele zwischen Trump und Sarkozy aber ist: Die eigentliche Aufmerksamkeit bekamen sie nicht so sehr wegen ihrer Politik, sondern wegen der Show, die sie in ihren Ämtern abzogen.

Lässt sich für Trump etwas daraus schießen, dass Sarkozy bei den meisten Franzosen wenig Wehmut hinterließ, als er einmal aus dem Amt verschwunden war? Hängt also die magische Kraft einer Politshow von faktischer Macht ab? Zum Fall Trump gibt es zwei Denkschulen. »Die Leute werden so absolut die Nase voll von ihm haben« , glaubt der US-Politologe Francis Fukuyama. Der Historiker Sean Wilentz nimmt wiederum an: »Trump wird sich als feindliches Machtzentrum etablieren« .

Vielleicht klärt sich die Lage aber auch auf andere Weise: So wie es aussieht, wird auch ein Donald Trump nicht um Gerichtsprozesse herumkommen.

Von Lüneburg lernen

Die Digitalisierung greift ja spätestens seit der Pandemie auch auf unsere uralten Rituale über, in manchen Seniorenheimen sollen Virtual-Reality-Brillen den Alten das Vergnügen virtueller Weihnachtsmarktbesuche bereiten, so hat mein Kollege Lukas Eberle für den aktuellen SPIEGEL-Titel über Weihnachten in Corona-Zeiten  herausgefunden.

Eine ähnliche Mischung aus uralt und brandneu wird nun der Lüneburger Adventskranz bereithalten, der heute von einem Kran auf den dortigen Wasserturm gehoben wird. Der sogenannte Wichern-Adventskranz gilt als einer der größten Europas, er hat einen Durchmesser von 13 Metern. Mit Spenden per SMS können Passanten die Lichter leuchten lassen und damit Menschen in Not unterstützen. Benannt ist er nach dem Theologen Johann Hinrich Wichern, der den Adventskranz erfand: 1839 ließ er in einem Kinderheim in Hamburg ein geschmücktes Wagenrad anbringen, um den Kindern das Warten auf Weihnachten zu verkürzen.

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Ihre Susanne Beyer

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