Roland Nelles

Die Lage am Morgen Corona-Leugner machen wieder mobil

Roland Nelles
Von Roland Nelles, US-Korrespondent

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,

heute beschäftigen wir uns mit den neuerlichen Protesten gegen Corona-Maßnahmen in Deutschland, mit dem G20-Gipfel – und mit den letzten aufrechten US-Republikanern.

Corona-Proteste nehmen kein Ende

In mehreren deutschen Städten werden heute erneut Demonstrationen von Gegnern der Corona-Maßnahmen erwartet. Unter anderem wollen sich Protestler in Leipzig, Berlin und Hannover versammeln.

Die weiter steigende Zahl von Infektionen beschleunigt die politische Debatte über eine Verlängerung und Ausweitung des bestehenden Teil-Lockdowns. Im Gespräch ist unter anderem, dass die geltenden Maßnahmen zunächst bis zum 20. Dezember verlängert werden sollen.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) drängt derweil auf eine rasche Zwangseinweisung von Quarantäneverweigerern. »Hartnäckige Quarantänebrecher müssen abgesondert werden«, sagte Strobl dem SPIEGEL. »Es geht darum, dass wir die Allgemeinheit vor Menschen schützen, die vorsätzlich in Kauf nehmen, dass sie andere mit einer potenziell tödlichen Krankheit infizieren.« Es gebe mit dem Infektionsschutzgesetz eine klare Rechtslage: »Ich möchte, dass wir das Recht ernst nehmen und auch durchsetzen. Der Staat darf nicht achselzuckend danebenstehen.«

Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert beklagte, dass die Infektionszahlen immer noch »weit, weit zu hoch« seien. »Wir haben im Grunde nur den ersten Schritt bisher geschafft, also den starken, steilen, exponentiellen Anstieg zu stoppen und eine Stabilisierung zu erreichen«, so Seibert.

Wie es weitergehen soll, wollen Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten bekanntlich am kommenden Mittwoch besprechen. Dabei soll wohl vor allem über Maßnahmen beraten werden, mit denen sich die hohen Infektionsraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen senken lassen könnten. Eine Idee ist laut Medienberichten, an Oberstufen und Berufsschulen den Präsenzunterricht einzuschränken. Wie vor den Sommerferien müssten die Schülerinnen und Schüler dann wieder von zu Hause aus verstärkt digital lernen.

Wenn Sie wissen wollen, wie es bei den vertraulichen Schaltkonferenzen zwischen Merkel und den Ministerpräsidenten zugeht, empfehle ich Ihnen die Lektüre der neuen SPIEGEL-Titelgeschichte. Ein Team von Redakteuren hat hinter die Kulissen geschaut und dabei so manches interessante Detail herausgefunden.

DER SPIEGEL 48/2020
Foto:

Titelillustration: SAMSON / DER SPIEGEL

Kampf ums Fest

Wie sich Weihnachten noch retten lässt

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G20-Gipfel berät über Folgen der Coronakrise

Auch auf internationaler Eben bleibt der Kampf gegen das Coronavirus das Topthema. Die 20 führenden Wirtschaftsnationen der Welt, die sogenannten G20-Staaten, beraten an diesem Wochenende per Videoschalte über die Pandemie.

Unter anderem soll über eine EU-Initiative gesprochen werden, die eine Schuldenerleichterung für ärmere Länder vorsieht. Deutschland und andere europäische Länder machen sich zudem dafür stark, dass sich alle führenden Wirtschaftsnationen an der Finanzierung einer fairen Impfstoff-Verteilung beteiligen. Sie wollen sicherstellen, dass durch die sogenannte Covax-Initiative auch Menschen in ärmeren Ländern rasch Zugang zu den neuen Impfstoffen erhalten. »Deutschland und Europa haben hier schon erhebliche Finanzmittel zugesagt«, erklärte Finanzminister Olaf Scholz. »Notwendig ist, dass alle G20-Staaten sich daran beteiligen.«

Üblicherweise nimmt an den G20-Gipfeln auch stets der amerikanische Präsident teil. Doch diesmal war lange unklar, ob Noch-Amtsinhaber Donald Trump bei dem virtuellen Treffen zugeschaltet wird. Erst am Tag davor hat ein Regierungsvertreter seine Teilnahme bekannt gegeben. Trump nimmt seit Tagen praktisch kaum noch öffentliche Termine wahr. Er spielt lieber die beleidigte Leberwurst. Nun aber gab er sich offenbar einen Ruck. Offizielle Gastgeber des G20-Gipfels sind schließlich seine Freunde aus dem saudischen Königshaus.

Podcast Cover

Was macht Corona mit der deutschen Wirtschaft?

Die meisten Großunternehmen in der Bundesrepublik gehen nach eigener Einschätzung gestärkt aus der Coronakrise hervor. Das zeigt, wie der SPIEGEL berichtet, eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung sowie des Beratungshauses Alvarez & Marsal unter 143 Topmanagern von Dax-Konzernen, Großunternehmen und umsatzstarken Mittelständlern.

Danach gibt eine deutliche Mehrheit der Befragten an, ihre Marktposition im Verlauf der Pandemie gestärkt (38 Prozent) oder gehalten zu haben (40 Prozent). Lediglich sechs Prozent sehen sich im internationalen Wettbewerb geschwächt, 16 Prozent konnten kein Urteil abgeben.

Besonders gering ist der Anteil der Gewinner in der Automobilindustrie. Rund vier von fünf Unternehmen in der Branche geben an, von den Folgen der Pandemie stark betroffen zu sein. Nur 28 Prozent konnten ihre Marktposition verbessern.

Fast alle deutschen Großunternehmen haben sich demnach in der Krise stark verändert. Mehr als 90 Prozent der Firmen haben die Digitalisierung beschleunigt oder planen, dies bis Jahresende zu tun. Mehr als die Hälfte bereiten sich auf zusätzliche Fusionen oder Übernahmen vor. Aber auch das gehört leider zur Wahrheit: Rund jedes dritte Unternehmen räumt ein, durch Stellenabbau bei Mitarbeitern und Führungskräften auf die Krise reagiert zu haben.

Gewinner des Tages…

…sind die wenigen Mitglieder der republikanischen Partei in den USA, die genug Mumm in den Knochen haben, gegen Noch-Präsident Donald Trump aufzustehen. Die Senatoren Mitt Romney, Susan Collins und Lisa Murkowski machen seit Tagen klar, was sie von Trumps antidemokratischem Verhalten nach der Wahl halten: nichts. Nun wagen es endlich auch einige andere Parteifunktionäre, Trump zu verstehen zu geben, dass es Zeit ist, die Niederlage einzugestehen.

Als guter Demokrat erweist sich dabei der republikanische Innenminister des Bundesstaates Georgia, Brad Raffensperger. Er verkündete am Freitag nach einer erneuten Auszählung aller Stimmen, dass Joe Biden und nicht Trump den Bundesstaat gewonnen hat. Er hätte sich als Republikaner auch einen anderen Ausgang der Neuauszählung gewünscht, so Raffensperger. Aber: »Die Zahlen spiegeln den Willen der Wähler wider.«

Auch der altgediente Senator Lamar Alexander gab sich nun einen Ruck und forderte Trump und seine Regierung auf, endlich den Prozess der offiziellen Übergabe der Amtsgeschäfte einzuleiten, die sogenannte Transition. Vieles spreche dafür, dass Biden der nächste Präsident sein werde, so Alexander.

Der Hinweis des Senators ist relevant und dürfte Trump kaum erfreuen: Alexander wird zwar bald in den Ruhestand gehen. In Washington ist er für viele republikanische Senatoren aber immer noch ein Leitwolf. Das heißt, andere Parteifreunde könnten seinem Beispiel bald folgen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr Roland Nelles

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