Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


wenn heute ein Mensch mit einer Zeitmaschine aus den Achtzigerjahren in München landen würde, was würde er oder sie wohl eher glauben? Die Maß kostet auf dem Oktoberfest 23 Mark (11.50 Euro). Oder: Die CSU liegt in den Umfragen bei 33 Prozent. Genau: Ersteres wäre vorstellbar, Letzteres niemals. Ist aber so. Sollten sich bei der Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober die neuen Zahlen einer ARD-Umfrage bestätigen, dürfte es in der CSU ordentlich scheppern. Klar, Parteichef Horst Seehofer wäre weg. Aber auch Ministerpräsident Markus Söder müsste um seinen Job bangen.

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Heft 40/2018
Der Machtkampf um ihr Erbe hat begonnen

CSU kaputt - das wäre das Horror-Szenario für Söder und Co. Natürlich versuchen sie nun panisch zu retten, was noch zu retten ist. Mit einer typischen Angstkampagne. Sie warnen ihre Wähler vor "Regenbogenkoalitionen", instabilen Verhältnissen und "Unregierbarkeit" des Freistaates. Das ist putzig, wenn man bedenkt, dass Söder und Seehofer in den vergangenen Monaten eigentlich selbst kaum noch regiert haben. Ihre Machtkämpfchen waren ihnen wichtiger. Sieht ganz so aus, als würden sie dafür nun von den Wählern eine kräftige Watschn bekommen. Es wäre die gerechte Strafe.

Naht die Kavanaugh-Entscheidung?

AFP

Die Nerven liegen blank in Washington: Noch immer ist unklar, ob es im US-Senat die erforderliche Mehrheit für Donald Trumps Richterkandidaten geben wird. Die Führung der Republikaner scheint trotzdem weiterhin entschlossen zu sein, eine Abstimmung über Brett Kavanaugh zu erzwingen, womöglich soll sie bereits am Wochenende stattfinden. Jede Stimme zählt, weil Donald Trumps Partei nur über eine Mehrheit von 51 zu 49 Stimmen verfügt. Noch vier Senatoren gelten als Wackelkandidaten, sie sitzen sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern. Bislang lassen sie sich nicht in die Karten schauen, machen nur Andeutungen, die dann in die eine oder in die andere Richtung interpretiert werden. Heute werden in Washington wieder Demonstrationen von Frauengruppen gegen Kavanaugh erwartet. Es wäre sicherlich gut für alle Beteiligten, wenn dieses Drama bald entschieden wäre.

Friedensnobelpreis wird vergeben

DPA

In Oslo wird heute der diesjährige Friedensnobelpreisträger bekanntgegeben. 330 Kandidaten stehen auf der Nominierungsliste. Da alle, die nominieren durften - Juristen, Wissenschaftler, vormalige Preisträger - den Namen der Person oder Organisation ausplaudern dürfen, die sie vorgeschlagen haben, sind einige der Kandidaten bekannt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird bereits seit einigen Jahren gehandelt, ebenso wie Papst Franziskus. Und auch der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump wurden erneut für den Preis vorgeschlagen - warum auch immer.

Als Favoriten gelten indes andere: zum Beispiel die Präsidenten von Süd- und Nordkorea für ihre Friedensgespräche. Die russische Oppositionszeitung "Nowaja Gaseta". Oder das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. SPIEGEL ONLINE überträgt die Bekanntgabe live ab 10.45 Uhr.

Luftfahrtgipfel in Hamburg

DPA

Fliegen ist zu einer oftmals nervigen Angelegenheit geworden. Wenn alles glatt läuft, es keine Verspätung gibt und man nicht auf dem Mittelplatz sitzt, ist das schon ein schönes Gefühl. Aber wie oft passiert das eigentlich noch? Der Bundesverkehrsminister, Länderchefs, Vertreter von Airlines, Flughäfen und der Deutschen Flugsicherung wollen heute in Hamburg erörtern, wie Flugausfälle, Verspätungen und lange Warteschlangen an Flughäfen künftig vermieden werden können. Das ist gut und wird hoffentlich helfen.

Klar ist aber auch: Schuld an dem Schlamassel sind viele. Die gierigen Eigentümer der Airlines. Das zum Teil rücksichtslose Management. Und wir selbst, die Passagiere, weil wir immer mehr umherfliegen wollen, ohne dafür zu viel bezahlen zu müssen.

Verlierer des Tages...

AFP

... ist Russlands Präsident Wladimir Putin. Der Kreml-Herrscher muss eine Reihe von peinlichen Rückschlägen einstecken und zwar in einer Domäne, in der er sich eigentlich auskennt - der Spionage. Nach dem tölpelhaften Auftritt der beiden mutmaßlichen russischen Agenten im Fall Skripal haben die Niederländer (gemeinsam mit den Briten) nun die Arbeitsweise von vier weiteren mutmaßlichen Russen-Spionen enttarnt. Die Männer mit Diplomatenpässen werden für mehrere Cyberattacken in Europa verantwortlich gemacht. Kurioserweise waren sie von den Westeuropäern recht leicht zu überführen: Ihre Pässe hatten laut "Times" fortlaufende Nummern. Und sie hatten Taxi-Quittungen im Gepäck - vom Quartier des Militärgeheimdienstes GRU zum Moskauer Flughafen. Auch in Russland müssen Dienstreisen eben am Ende penibel abgerechnet werden.

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
eunegin 05.10.2018
1. CSU - früher war alles .... übersichtlicher
Wen wählte man früher in Bayern? Da gab es nicht viele Optionen. Fast wie in den USA. In meinem Gymnasium waren die meisten meiner Klassenkameraden in der Jungen Union, zwei bei den Jusos und etwas Sympathie war für die Früh-Grünen nach Wackersdorf da. Die CSU pflegt das Image, Bayern erfunden zu haben. Das klappte lange. Nur ist man jetzt seit über einem Jahrzehnt unter Druck der Freien Wähler und den (auch heimatverbundenen und in BY recht konservativen) Grünen, jetzt stänkert auch nich der rechte Rand und läuft zur AfD über. Dazu kommen viele Zugezogene aus dem Bundesgebiet, denen die CSU zu "bayerisch" ist. Da bleiben dann die Kernwähler. So der Erklärungsversuch eines Exilbayerns aus Berlin...
Papazaca 05.10.2018
2. Das gesamte Parteiensystem ist destabilisiert
Der Zustand der CSU spiegelt nur den Zustand der SPD und der CDU wieder. Wenn Historiker Merkel später im Rückblick betrachten, wird der Punkt Flüchtlinge erst an zweiter Stelle oder dritter Stelle kommen. Nein, ihre Budapest-Entscheidung hat langfristig das ganze deutsche Parteiensystem destabilisiert und auch Europa gespalten. Die CSU ist nur Teil des Mosaiks.
Holunderbeere 05.10.2018
3. Lustig
"Was passiert, wenn die CSU bei der Bayernwahl wirklich scheitert? Der Friedensnobelpreis wird vergeben. Und: Putins Agenten-Truppe blamiert sich schon wieder"
StefanZ.. 05.10.2018
4. Würdiger Friedensnobelpreisgewinner dringend gesucht
Es scheint, dass ich mir die Nominierungsregeln doch mal genauer durchlesen sollte. Als bereits zweifacher Gewinner des Preises (kein Scherz, falls Organisationen gewinnen steht die Ehre auch den derzeitigen und vormaligen Mitarbeitern zu) sollte ich doch berechtigt sein gleich zwei Kandidaten zu benennen. Aber mal ganz im Ernst, es fehlt uns wirklich an charismatischen Leuchtgestalten (ja, ja, wie es Beckenbauer unberechtigterweise mal im Fußball war), die sich für eine Befriedung unseres Planeten einsetzen. Menschen vom Format, das Barack Obama zumindest zum Beginn seiner Amtszeit noch ehrlich darstellte, bevor ihn der Politik- und Verwaltungsapparat verkrüppelt hat.
Ontologix II 05.10.2018
5. Die CSU wird nicht scheitern ...
... sondern sie wird weiter drastisch verlieren, aber immer noch die mit Abstand stärkste Partei bleiben. Von den einst 60% wird aber nur gut die Hälfte übrigbleiben. Als der anständige und nicht korrupte mittelfränkische Protestant Günther Beckstein bei der vorletzten Bayernwahl nur 43% einfuhr, musste er gehen. Wenn der mittelfränkische Protestant Markus Söder 33% erntet, bekommt die CSU ein Problem, denn ihre anderen Spitzenpolitiker sind überwiegend Lachnummern. Sollte die oberbayerische Mafia Söder nach der Wahl schassen, wird sich die CSU noch weiter destablisieren. Noch schlimmer wird es die SPD beuteln. Von ihren einst 33% scheinen nur 11% übrig zu bleiben.
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