Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,

der Abgang von US-Geheimdienstkoordinator Dan Coats war in Washington schon seit einiger Zeit erwartet worden und ist sicherlich ein Verlust: Der Traditions-Republikaner war einer der letzten Topleute in der Regierung, die es noch wagten, Präsident Donald Trump im Weißen Haus zu widersprechen. Egal ob Iran, Nordkorea oder Russland, Coats soll bei vielen Themen mit Trump gestritten haben. Da der Präsident bekanntlich keinen Widerspruch schätzt, war Coats am Ende mehr und mehr isoliert, seine Demission schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Nun übernimmt vermutlich der Kongressabgeordnete John Ratcliffe die Oberaufsicht über die amerikanischen Geheimdienste. Er ist ein treuer Trump-Anhänger, ganz nach dem Geschmack des Präsidenten. Der Abgang von Coats ist gerade auch aus deutscher Sicht ein Rückschlag: Der frühere US-Botschafter in Berlin war einer der wichtigsten und zuverlässigsten Ansprechpartner für Berliner Politiker und Topbeamte in der Trump-Regierung. So viele von seiner Art sind da jetzt nicht mehr übrig.

Putins Schlägertruppen

Foto: Alexander Zemlianichenko/ AP

Die Regierung von Wladimir Putin zeigt wieder einmal ihr wahres Gesicht. Mit brutaler Härte haben die Sicherheitsbehörden in Moskau am Wochenende erneut einen Protestmarsch von Kremlkritikern niedergeknüppelt. Mehr als tausend Menschen wurden in Gewahrsam genommen. Die Demonstration richtete sich gegen den Ausschluss zahlreicher Oppositionskandidaten von der für September geplanten Kommunalwahl. Der inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny wurde derweil wegen einer allergischen Reaktion ins Krankenhaus eingeliefert. Die genaue Ursache der Erkrankung blieb zunächst unklar. Für Putin kommen die erneuten Proteste mehr als ungelegen: Sie zeigen, dass sich viele Bürger vor den Kommunalwahlen offenbar nicht einschüchtern lassen wollen. Insgesamt herrscht wegen der andauernden Wirtschaftskrise in Russland großer Unmut in der Bevölkerung. Putin und seine Schergen glauben, dass sie die Proteste mit Härte im Keim ersticken können. Doch die Formel funktioniert auch in die andere Richtung: Wenn sie mehr prügeln, kann die Wut wachsen.

Generalprobe am BER

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Vor fast genau 2600 Tagen hätte der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) eigentlich eröffnet werden sollen. Man mag es kaum glauben, aber die Airport-Saga könnte nun doch noch zu einem glücklichen Ende kommen. "Könnte", wohl gemerkt. Viel hängt jetzt davon ab, was in den kommenden Tagen passiert: Von heute an wollen die Planer das Zusammenspiel wichtiger Anlagen auf dem Flughafen testen. Die Brandmelder, die Sprinkleranlagen, die Lüftungsanlagen, Aufzüge, Fahrtreppen, Rolltreppen, all diese Systeme sollen quasi gleichzeitig laufen, fast so wie bei einem normalen Flughafen. Geht die Generalprobe glatt, würde der BER seiner für den Herbst 2020 geplanten Eröffnung einen großen Schritt näher kommen. In etwa drei Monaten wissen wir mehr - dann sollen die Ergebnisse des Testlaufs vorliegen.

Gewinner des Tages...

Foto: Silas Stein/ dpa

...ist Linken-Chef Bernd Riexinger. Er darf sich jetzt schon mit dem Titel "König des Sommerlochs" schmücken. Mit seinem Vorschlag Fluggesellschaften in Deutschland zu verstaatlichen, um so den Klimaschutz zu verbessern, hat es der Obergenosse praktisch in alle Nachrichten geschafft - und auch hier wird er erwähnt. Glückwunsch. Besonders schön ist der Riexinger-Vorschlag natürlich, weil er bei vielen Menschen nostalgische Erinnerungen wachruft. Zum Beispiel an die Reisen mit den vollkommen klimafreundlichen Iljuschin-Maschinen der Interflug. Das war wirklich Staatswirtschaft vom Feinsten. Wer sehnt sich nicht danach zurück?

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in den Tag.

Ihr Roland Nelles

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.