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04. Juni 2016, 08:30 Uhr

Die Lage am Samstag

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Wort Bruderkrieg ist längst eingeführt, nicht aber Schwesternkrieg. Den gibt es spätestens seit September 2015, als Angela Merkel, CDU, ihre Flüchtlingspolitik verkündete. Horst Seehofer von der Schwesterpartei CSU traute seinen Ohren nicht und begann einen Feldzug gegen die Bundeskanzlerin, der bis heute beinahe täglich Schlagzeilen macht. Schlimmer als ein Feind ist nur ein feindseliger Freund. Ralf Neukirch und René Pfister beschreiben die tieferen Ursachen dieser Zerrüttung im neuen SPIEGEL. Die Überschrift zu ihrer Titelgeschichte: "Rache ist Weißwurst".

Im Video:

SPIEGEL-Redakteur René Pfister erklärt, warum Angela Merkel und Horst Seehofer so oft und viel streiten müssen.

151 Tage Amtsschimmel

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf, ist ein so eigentümlicher wie wichtiger Ort. Hier, in Nürnberg, wird über das Schicksal von einer Million Flüchtlingen entschieden, nur auf Papier. Nie betritt ein Flüchtling diese Räume, in denen früher Einheiten der SS kaserniert waren. Alexander Smoltczyk und Wolf Wiedmann-Schmidt durften für ein paar Tage durch die Büros streifen und mit den Beamten reden. Ihnen ist eine wunderbare Reportage gelungen. Eine Gräfin kommt vor, ein ehrgeiziger Plan und ein unfassbares Zahlenpaar. Bei idealen Abläufen würde es acht Stunden dauern, bis über einen Asylantrag entschieden ist. In der Realität sind es 152 Tage.

Animation: Was macht das Bamf?

Chinas Shopping-Tour

China ist eine expansive Großmacht, das ist inzwischen gewiss. Experten hatten zunächst vermutet, China würde sich nach der Öffnung weiterhin so verhalten wie in seiner langen, langen Geschichte: in sich gekehrt, nach außen genügsam. Das war ein Irrtum. Die Chinesen schütten nicht nur militärisch nutzbare Inseln im Südchinesischen Meer auf, sie kaufen sich auch Unternehmen in aller Welt. Der deutsche Roboterhersteller Kuka steht auf der Wunschliste. Unser Wirtschaftsressort analysiert in dieser Ausgabe die ökonomischen Strategien Chinas und geht der Frage nach, ob und wie man sich gegen die Expansionsgelüste wehren sollte.

Ein Sport, zwei Welten

Zählen Sie auch schon die Tage? Noch sechs. Dann beginnt endlich die Fußballeuropameisterschaft in Frankreich. Der SPIEGEL wird ausführlich berichten, in einem erweiterten Sportteil. Den Auftakt machen in dieser Ausgabe Rafael Buschmann und Alexander Osang. Sie sind durch die deutsche Welt des Fußballs gereist und haben Funktionäre, Manager, Berater und Altstars getroffen. Ihre Erkenntnis: Der Profifußball, einschließlich der Nationalmannschaft, hat sich vom DFB und vom Amateursport entkoppelt. Es ist nicht mehr eine Welt, es sind zwei. Meine Lieblingsszene: die Begegnung mit Alfred Draxler von "Bild". Man sprach auch über das Sommermärchen.

Verlierer des Tages

Das sind die Menschenaffen. Ich sags nicht gern, weil sie mir sympathisch sind. Aber nach Lektüre einer Geschichte von Johann Grolle über Hirnsuppe kann ich zu keiner anderen Erkenntnis kommen. Grolle traf die Neurobiologin Suzana Herculano-Houzel, und die hat tatsächlich Hirnsuppen angerührt, vom Menschen, vom Affen, von anderen Tieren. So konnte sie leichter die Hirnzellen zählen, mit dem wenig überraschenden Ergebnis: Wir haben die meisten. Sie fand auch heraus, dass andere Primaten eine ähnlich hohe Dichte von Hirnzellen aufweisen, sie sind halt nur kleiner, haben kleinere Gehirne und sind deshalb nicht so schlau wie die Menschen. Nur für die Menschenaffen gilt diese Korrelation nicht. Die sind für ihre Größe ein bisschen zu dämlich.

Meldungen aus der Nacht:

Ihnen eine anregende Lektüre des neuen SPIEGEL-Heftes und ein schönes Wochenende,
Ihr

Dirk Kurbjuweit

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