Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


das Wort Bruderkrieg ist längst eingeführt, nicht aber Schwesternkrieg. Den gibt es spätestens seit September 2015, als Angela Merkel, CDU, ihre Flüchtlingspolitik verkündete. Horst Seehofer von der Schwesterpartei CSU traute seinen Ohren nicht und begann einen Feldzug gegen die Bundeskanzlerin, der bis heute beinahe täglich Schlagzeilen macht. Schlimmer als ein Feind ist nur ein feindseliger Freund. Ralf Neukirch und René Pfister beschreiben die tieferen Ursachen dieser Zerrüttung im neuen SPIEGEL. Die Überschrift zu ihrer Titelgeschichte: "Rache ist Weißwurst".

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Heft 23/2016
Die Kanzlerin und ihr Seehofer: Eine eitle Feindschaft wird zur Gefahr für das Land

SPIEGEL-Redakteur René Pfister erklärt, warum Angela Merkel und Horst Seehofer so oft und viel streiten müssen.

151 Tage Amtsschimmel

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf, ist ein so eigentümlicher wie wichtiger Ort. Hier, in Nürnberg, wird über das Schicksal von einer Million Flüchtlingen entschieden, nur auf Papier. Nie betritt ein Flüchtling diese Räume, in denen früher Einheiten der SS kaserniert waren. Alexander Smoltczyk und Wolf Wiedmann-Schmidt durften für ein paar Tage durch die Büros streifen und mit den Beamten reden. Ihnen ist eine wunderbare Reportage gelungen. Eine Gräfin kommt vor, ein ehrgeiziger Plan und ein unfassbares Zahlenpaar. Bei idealen Abläufen würde es acht Stunden dauern, bis über einen Asylantrag entschieden ist. In der Realität sind es 152 Tage.

Animation: Was macht das Bamf?

DER SPIEGEL

Chinas Shopping-Tour

China ist eine expansive Großmacht, das ist inzwischen gewiss. Experten hatten zunächst vermutet, China würde sich nach der Öffnung weiterhin so verhalten wie in seiner langen, langen Geschichte: in sich gekehrt, nach außen genügsam. Das war ein Irrtum. Die Chinesen schütten nicht nur militärisch nutzbare Inseln im Südchinesischen Meer auf, sie kaufen sich auch Unternehmen in aller Welt. Der deutsche Roboterhersteller Kuka steht auf der Wunschliste. Unser Wirtschaftsressort analysiert in dieser Ausgabe die ökonomischen Strategien Chinas und geht der Frage nach, ob und wie man sich gegen die Expansionsgelüste wehren sollte.

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Ein Sport, zwei Welten

Zählen Sie auch schon die Tage? Noch sechs. Dann beginnt endlich die Fußballeuropameisterschaft in Frankreich. Der SPIEGEL wird ausführlich berichten, in einem erweiterten Sportteil. Den Auftakt machen in dieser Ausgabe Rafael Buschmann und Alexander Osang. Sie sind durch die deutsche Welt des Fußballs gereist und haben Funktionäre, Manager, Berater und Altstars getroffen. Ihre Erkenntnis: Der Profifußball, einschließlich der Nationalmannschaft, hat sich vom DFB und vom Amateursport entkoppelt. Es ist nicht mehr eine Welt, es sind zwei. Meine Lieblingsszene: die Begegnung mit Alfred Draxler von "Bild". Man sprach auch über das Sommermärchen.

DPA

Verlierer des Tages

Das sind die Menschenaffen. Ich sags nicht gern, weil sie mir sympathisch sind. Aber nach Lektüre einer Geschichte von Johann Grolle über Hirnsuppe kann ich zu keiner anderen Erkenntnis kommen. Grolle traf die Neurobiologin Suzana Herculano-Houzel, und die hat tatsächlich Hirnsuppen angerührt, vom Menschen, vom Affen, von anderen Tieren. So konnte sie leichter die Hirnzellen zählen, mit dem wenig überraschenden Ergebnis: Wir haben die meisten. Sie fand auch heraus, dass andere Primaten eine ähnlich hohe Dichte von Hirnzellen aufweisen, sie sind halt nur kleiner, haben kleinere Gehirne und sind deshalb nicht so schlau wie die Menschen. Nur für die Menschenaffen gilt diese Korrelation nicht. Die sind für ihre Größe ein bisschen zu dämlich.

DPA

Meldungen aus der Nacht:

  • Muhammad Ali ist gestorben: Die größte Ikone des Boxsports starb im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus bei Phoenix.
  • Gerüchte um Amtsverzicht Gaucks. Im kommenden Jahr endet die erste Amtszeit von Bundespräsident Joachim Gauck. Einem Medienbericht zufolge will er sich dann nicht noch einmal zur Wahl stellen.

Ihnen eine anregende Lektüre des neuen SPIEGEL-Heftes und ein schönes Wochenende,
Ihr

Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Aufsichtsrat 04.06.2016
1. Armer Horst Seehofer!
Feldzug, Attacken gegen die Kanzlerin, Schuldiger für das Erstarken der AFD etc. - Horst Seehofer der Übeltäter schlechthin? Kaum zu glauben wie einfach es sich die Medien und Teile der Union machen. Es ist offenbar nicht mehr opportun für einen gestandenen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der CSU politisch fragwürdige Entscheidungen zu benennen. Sogar der SPD Chef fordert nun von der Kanzlerin in ihrem Laden für Ordnung zu sorgen, dabei sieht es doch gerade für die SPD nicht gerade rosig aus als Koalitionspartner, d.h. deren Loyalität zur Politik der Kanzlerin wird vom offenbar vom Wähler nicht sonderlich geschätzt. Ohne die CSU hätte es die eine o. andere gesetzliche Maßnahme im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik wohl so nicht oder überhaupt nicht gegeben. Das nun ausgerechnet Horst Seehofer der böse Bube innerhalb der Union sein soll, dass zieht einem schon fast die Schuhe aus. Eine mediale und innerparteiliche Hetzjagd!
localpatriot 04.06.2016
2. Eine unsinnige Schlagzeile
Es geht nicht um die kulturellen Unterschiede zwischen dem Süden und Berlin, es geht um die Prinzipien der Demokratie und die Prinzipien der Bildung der parlamentarischen Koalitionen und den gegenseitigen Respekt in Bezug auf lebensgrosse Entscheidungen. Dass die heutige Situation nicht ewig tragbar sein kann ist klar. Entweder endet das alles in eine Autokratie welche von der Kanzlerin dominiert und von buckeligen Unterliegen getragen wird, oder muss jemand endlich etwas Kante zeigen, und das macht Herr Seehofer auf eine relativ sanfte Art, viel zu sanft um bei der Kanzlerin Wirkung zu zeigen. Also wirkt die Sache wie eine Wundreibung welche alle Entscheidungen mit irritiert. Herr Gabriel, als Verweigerer der Position des Oppositionschefs steht da eher am Rande. Seine Partei ist im Abstiegstrend. Herr Seehofer hat in diesem Falle die Rolle der Opposition übernommen und das Endresultat mag wohl eine Trennung der beiden C's sein. Auf jeden Fall wird die rechte Seite der Politik die lachenden Dritten. Traurigerweise wiederholt sich das Spiel in anderer Form auf EU - Ebene und die langfristigen Konsequenzen sind dort um einiges wichtiger.
herjemine 04.06.2016
3. Tradition
Herrn Seehofer und seine Parteifreund*innen hälts doch nurmehr der Tradition wegen in der CSU. Eigentlich würden sie ja lieber geschlossen der AfD beitreten, "dann dürft man ja wieder alles sagen!" "Christlich" sind bei ihnen nur mehr die Ansätze welche aus der Zeit der Hexenverbrennungen stammen, und "sozial" bezieht sich wenn überhaupt auf den eigenen Stamm, die anderen muss man ausnehmen, übers Ohr hauen oder wenn das nicht geht abweisen. Grauslig das Politklima!
kuac 04.06.2016
4.
Zitat von AufsichtsratFeldzug, Attacken gegen die Kanzlerin, Schuldiger für das Erstarken der AFD etc. - Horst Seehofer der Übeltäter schlechthin? Kaum zu glauben wie einfach es sich die Medien und Teile der Union machen. Es ist offenbar nicht mehr opportun für einen gestandenen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der CSU politisch fragwürdige Entscheidungen zu benennen. Sogar der SPD Chef fordert nun von der Kanzlerin in ihrem Laden für Ordnung zu sorgen, dabei sieht es doch gerade für die SPD nicht gerade rosig aus als Koalitionspartner, d.h. deren Loyalität zur Politik der Kanzlerin wird vom offenbar vom Wähler nicht sonderlich geschätzt. Ohne die CSU hätte es die eine o. andere gesetzliche Maßnahme im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik wohl so nicht oder überhaupt nicht gegeben. Das nun ausgerechnet Horst Seehofer der böse Bube innerhalb der Union sein soll, dass zieht einem schon fast die Schuhe aus. Eine mediale und innerparteiliche Hetzjagd!
Doch, das kann er selbstverständlich bennene. Aber nicht in dieser populistischen Art, medienwirksam und an den Wählern adressiert. Das ist nur Wählerfang. Er kann es, so viel wie er will, im Koalitionsgespräch oder unter vier Augen. Dort kan er auch mit Koaltionsbruch drohnen.
schroedgt 04.06.2016
5. Wir lassen es so, wie es ist
Zitat von kuacDoch, das kann er selbstverständlich bennene. Aber nicht in dieser populistischen Art, medienwirksam und an den Wählern adressiert. Das ist nur Wählerfang. Er kann es, so viel wie er will, im Koalitionsgespräch oder unter vier Augen. Dort kan er auch mit Koaltionsbruch drohnen.
was heißt überhaupt Populismus und Wählerfang? Horst Seehofer sagt, was er denkt und der Wähler weiss somit, was er hoffentlich will. Das finde ich gut und richtig. Als Wähler muß ich wissen, wem ich meine Stimme geben kann. Ich wohne in NRW. Frau Merkel gebe ich sie nicht, Horst Seehofer würde ich sie geben. Da ich das nicht kann, wer bleibt denn dann? Etwa die AfD, diese Dumpfbacken und verkappten Nazies? Diese Rattenfänger? Richtig, genau die bleibt.
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