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Das Thema des Tages: Der Brexit-Deal - schön, aber schade

Fast schon schien es unmöglich, nun ist der ersehnte Durchbruch gelungen: Die Unterhändler Londons und Brüssels haben sich kurz vor Beginn des EU-Gipfels doch noch auf ein Brexit-Abkommen geeinigt. Nach ergebnislosen Verhandlungen bis in die vergangene Nacht wurde die Einigung am Donnerstagvormittag eher überraschend verkündet.

In dem neuen Abkommen ist der umstrittene Backstop vom Tisch, für Nordirland wurde eine Lösung gefunden, die vermeintlich sowohl für die Nordiren als auch für Großbritannien, die Iren und die EU akzeptabel ist. Worüber wurde gestritten? Wie sieht die Einigung aus? Und wie geht es weiter? Mein Kollege Kevin Hagen beantwortet die wichtigsten Fragen zum neuen Abkommen in einer Blitzanalyse.

Neu ist vor allem, dass Nordirland zwar britisches Zollgebiet sein, trotzdem aber bestimmte Regeln des EU-Binnenmarktes befolgen soll. Die nordirische DUP, einst Johnsons wichtigste Verbündete im britischen Parlament, lehnt das Abkommen schon jetzt ab. Sie ist strikt gegen Zollkontrollen an der Irischen See, die das Königreich im innersten trennen könnten, und will im Parlament gegen das Abkommen stimmen. Wird sie zum Zünglein an der Waage? Am kommenden Samstag wird es knapp werden, wenn Johnson seinen Deal dem Unterhaus zur Abstimmung vorlegt. Sollte er scheitern, wäre alles vergeblich gewesen. Hier ein kurzer Videoausblick auf den "Super Saturday".

Und nicht nur in London, auch in Brüssel muss der Deal noch ratifiziert werden. Wie die anderen 27 EU-Staaten ihn beurteilen, ist teilweise offen. Auf dem EU-Gipfel droht eine Schlammschlacht, schreiben meine Kollegen aus Brüssel. Hier die Hintergründe.

Auch wenn die Verhandlungen zäh waren und zeitweise wenig Hoffnung auf Konsens ließen: Das neue Abkommen kann als später Sieg der Vernunft gewertet werden, meint mein Brüsseler Kollege Peter Müller. Der Austrittsvertrag mit den Briten zeigt, wie beweglich die EU sein kann, wenn sie zusammenhält. Das sollten sich die Europäer bei ihren vielen offenen Problemen zum Vorbild nehmen. Lesen Sie hier den Kommentar.

Schön, aber schade - einerseits herrscht Erleichterung über ein absehbares Ende des scheinbar endlosen Gerangels um den Brexit. Andererseits könnte nun das Ausscheiden der Briten aus dem einzigen Staatenbund, der den Friedensnobelpreis bekam, zur ernüchternden Wirklichkeit werden. Als die gemeinsame Pressekonferenz von Premier Johnson und Jean-Claude Juncker am Nachmittag eigentlich schon vorüber war, bat Juncker die Zuhörer noch einmal um Aufmerksamkeit: "Ich bin froh über den Deal. Aber ich bin traurig über den Brexit", sagte er.

Die Zahl des Tages: 250.400.000

Die Türkei hat seit Beginn dieses Jahres Kriegswaffen für 250,4 Millionen Euro aus Deutschland erhalten. Das ist bereits jetzt der höchste Jahreswert seit 2005, obwohl noch vier Monate bis Jahresende fehlen.

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  • Keine Waffen mehr für die Türkei: Wegen der Syrien-Offensive verschärft sich die Tonlage gegenüber dem NATO-Bündnispartner. Angela Merkel kündigte an, die Bundesregierung werde "unter den jetzigen Bedingungen" gar keine Waffenexporte in die Türkei genehmigen.
  • Der Finanzminister und die schwarze Null: Auf der Tagung des Internationalen Währungsfonds dürfte es viel Kritik an Olaf Scholz und seiner Politik geben. Doch der Vizekanzler folgt einem ganz bestimmten Kalkül.
  • Konjunkturprognose für 2020: Die Bundesregierung erwartet für das kommende Jahr deutlich weniger Wirtschaftswachstum - der Welthandel schwächelt. Eine Rezession muss Deutschland jedoch nicht fürchten.
  • Sonntags ganztags Brötchen: In Bayern dürfen Bäckereien sonntags eigentlich nur drei Stunden Brötchen verkaufen. Nun hat eine Kette vor dem Bundesgerichtshof längere Verkaufszeiten erstritten. Das Urteil wirkt sich auf ganz Deutschland aus.
  • Polen will Sexualkunde unter Strafe stellen: Drei Jahre Haft für Lehrerinnen und Lehrer, die Sexualkundeunterricht anbieten. Das sieht ein Gesetzentwurf in Polen vor. Die Pläne sorgen für massiven Protest.
  • Kurden setzen Kampf gegen IS-Miliz aus: Jahrelang galten die Kurden in Syrien als Verbündete des Westens im Kampf gegen den "Islamischen Staat". Doch weil sie von der Türkei angegriffen werden, stellen sie ihre Angriffe gegen die Terrormiliz jetzt ein.

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Dem impulsiven Schreibstil des US-Präsidenten - zuletzt offenbart in seiner Korrespondenz an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan - kann zumindest einer etwas abgewinnen. Harald Schmidt schlägt vor, Donald Trump solle halbtags Briefe für EU-Politiker schreiben. Das könnte zumindest lustig werden. Das Video.

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"You are a motherfucking cock sucking son of a bitch of a good rider": Das war das schönste Kompliment, das Bestsellerautor Martin Suter je von einem Cowboy bekommen hat. Mit meinem Kollegen Takis Würger sprach er über seine Krimis, Reisen durch Italien und Afrika, den passenden Drink zur Tageszeit, und warum er Großzügigkeit geil findet. Lesen Sie hier das ganze Interview.

Martin Suter: "Jetzt würde er einen Negroni trinken, das Nachmittagsgetränk"
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Fünf Sterne für nix: Chinesische Hersteller heuern Teenager in Deutschland an, damit diese Kaufempfehlungen auf Amazon frisieren. Für Verbraucher ist das nur schwer zu durchschauen. Mein Kollege Alexander Kühn hat recherchiert, was es auf sich hat mit den gefälschten Amazon-Bewertungen.

Warum schaffen es kaum Ostdeutsche in die Chefetage? Nur vier der knapp 200 Topmanager in Dax-Konzernen stammen aus den neuen Bundesländern. Das liegt auch an heftigen Vorurteilen - die können allerdings auch andere treffen. SPIEGEL-Redakteurin Dinah Deckstein hat aufgeschrieben, was dran ist am Karrierenachteil Ost.

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Was Sie im Kino schauen könnten: den koreanischen Cannes-Gewinner und Oscar-Anwärter "Parasit". Es geht um eine vierköpfige Familie in Seoul, die nicht genug Geld für die Ausbildung ihrer Kinder hat, dafür aber ein Talent zur Hochstapelei. Der Film ist bis zu seinem blutigen Ende mit bitter-schwarzem Humor durchdrungen und zeigt, wie Gesellschaftskritik und Humor miteinander vereinbar sind, urteilt meine Kollegin Hannah Pilarczyk.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Feierabend.

Herzlich

Isabella Reichert vom Daily-Team

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