Die Lage am Abend Die chinesische Lauer
Die drei Fragezeichen heute:
Festnahme eines Mitarbeiters von AfD-Mann Krah – was wirft der Generalbundesanwalt ihm vor?
Volkswagen verteilt Abfindungen – wer bekommt wie viel?
Abrechnung des Roland-Berger-Chefs – wo sieht der Unternehmensberater die größten Gefahren für Deutschland?
1. China shanghait in Brüssel
AfD-Mann Maximilian Krah und Mitarbeiter Jian G.
Foto: FacebookIn der jüngsten Folge des YouTube-Formats »Jung und Naiv« war der Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, Maximilian Krah, zu Gast . Sechseinhalb Stunden wurde der Mann dort von Moderator Tilo Jung befragt. Wer die ersten drei Stunden überstanden hat, bekommt interessante Sätze zu hören. »Es ist nicht von deutschem Interesse, dass die Bundeswehr in der Straße von Taiwan ist«, sagt Krah dort. »Was die Bundeswehr im Südchinesischen Meer zu tun hat, erschließt sich mir nicht.« Deutsche Soldaten sollen nicht für »schwachsinnige Interessen fremder Mächte eingesetzt werden.«
Die »fremde Macht« sind in diesem Fall die USA, die Taiwan mithilfe ihrer Partner vor möglichen Aggressionen Chinas beschützen will. Ab Mai werden im Rahmen des Indo-Pacific Deployment eine Fregatte und ein Einsatzgruppenversorger der Bundeswehr für sieben Monate in den Indopazifik entsandt.
Wenn Krah so offensichtlich gegen den Einsatz wettert und Partei ergreift, scheinen ihm »fremde Mächte« wie China oder Russland sehr viel näher zu sein als die »fremde Macht« Amerika, zu deren Wertesystem sich die Bundesrepublik Deutschland seit ihrer Gründung bekennt. Krah dagegen drängt innerhalb der AfD auf einen chinafreundlichen Kurs.
Heute wurde bekannt, dass ein enger Mitarbeiter des deutschen AfD-Europaabgeordneten wegen des Verdachts der Spionage für China festgenommen wurde. Der Verdächtige soll sensible Informationen aus dem Europäischen Parlament weitergegeben haben. Das Parlament zog umgehend Konsequenzen – und suspendierte den Beschuldigten.
Meine Kollegen Roman Höfner, Ann-Katrin Müller, Sven Röbel, Wolf Wiedmann-Schmidt und Marc Röhlig berichten, dass laut der Organisation Lobbycontrol die Spionagevorwürfe gegen Krahs Mitarbeiter nicht neu sind: »Der Spionageverdacht gegen seinen Mitarbeiter ist bereits seit 2023 bekannt, Krah zog damals keine Konsequenzen«, erklärte Lobbycontrol. Damit habe Krah »nicht nur die Integrität der EU, sondern auch deren Sicherheitsinteressen gefährdet«.
Zuletzt war Krah in die Schlagzeilen geraten, weil auch der Verdacht besteht, Krah könnte über längere Zeit von Russland versteckt bezahlt worden sein . US-Ermittler vom FBI haben ihn dazu im Dezember in den USA befragt. Der AfD-Politiker bestätigte die Vernehmung, stritt aber ab, Geld erhalten zu haben.
Im Interview mit Jung erzählte Krah auch, wie sehr ihn und seine Eltern die Zeit des Kalten Krieges und des Kommunismus in der DDR genervt hätte und wie sehr sie nach der Freiheit lechzten, die sie im Westfernsehen bestaunen konnten. Damals gab es den Spruch: Mach doch rüber. Vielleicht sollte man Krah mal wieder daran erinnern. Er hätte diesmal gleich zwei Länder zur Auswahl.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: EU-Parlament suspendiert Mitarbeiter von AfD-Mann Krah
2. VW regelt die Krise mit Geld
Obwohl Volkswagen im vergangenen Jahr mit 770.000 so viele Autos verkauft hat wie nie zuvor und einen Gewinn von knapp 18 Milliarden Euro erwirtschaftet hat, steckt das Unternehmen in der Krise. Der Absatz von Elektroautos ist eingebrochen, der Markt wird von staatlich subventionierten Modellen aus China geflutet, bis 2026 will VW ein Fünftel der Personalkosten in seiner Verwaltung sparen.
Dabei helfen soll ein üppig aufgelegtes Abfindungsprogramm, das der Konzern nun im Detail bekannt gegeben hat. Wer weniger als fünf Jahre in der niedrigsten Tarifgruppe tätig war, kann laut der internen Tabelle mit einer Abfindung von 17.700 Euro rechnen. Bei einer Betriebszugehörigkeit von mehr als 20 Jahren erhöht sich die Zahlung für Beschäftigte derselben Gruppe auf 117.700 Euro. Beschäftigte der »Tarif Plus«-Gruppe, der höchsten Tarifstufe bei Volkswagen, erhalten zwischen 60.700 Euro (weniger als fünf Jahre Betriebszugehörigkeit) und 404.700 Euro (mehr als 20 Jahre).
Erst jüngst berichteten meine Kollegen Simon Hage, Hakan Tanriverdi und Christoph Giesen , wie sehr Volkswagen sich vom chinesischen Markt abhängig gemacht hat. Nicht nur der AfD-Mann Krah steckt in der China-Falle, der deutsche Konzern offenbar auch.
Volkswagen kann nicht ohne China. In der Volksrepublik verkauft VW noch immer jedes dritte Auto. Bräche das Geschäft dort weg, gerieten auch in Europa Jobs und Werke in Gefahr. Ist das jüngste Abfindungsprogramm ein erstes Indiz? An der China-Gläubigkeit des Konzerns ändern auch neue Recherchen von SPIEGEL und ZDF wenig, die belegen, dass VW jahrelang im großen Stil ausspioniert wurde, mutmaßlich von chinesischen Staatshackern. Zur Automesse in Peking, die am Donnerstag beginnt, fährt der gesamte VW-Vorstand trotzdem.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Volkswagen zahlt Mitarbeitern bis zu 450.000 Euro Abfindung
3. Ein Unternehmensberater rechnet ab
Der deutschen Wirtschaft geht es schlecht. Laut der neuesten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wachsen Industrie und Dienstleistung hierzulande in diesem Jahr so schwach wie in keinem anderen Industrieland. Morgen will die Bundesregierung ihre sogenannte Frühjahrsprojektion vorlegen – allzu optimistisch dürfte der Bericht nicht ausfallen.
Meine Kollegin Yasmin El-Sharif und mein Kollege Stefan Kaiser haben mit Stefan Schaible , Chef der größten deutschen Unternehmensberatung Roland Berger gesprochen. Im Interview kritisiert er die »Besitzstandswahrer«, die das Ausmaß des Wohlstandsverlustes noch gar nicht begreifen, sollte Deutschland nicht innovativer werden. Ein gesellschaftlicher Druck sei nicht wirklich da, »weil es gar kein Krisenbewusstsein gibt«.
Kleiner Exkurs, siehe 2.: »Wir lassen uns die Butter nicht vom Brot nehmen.« Die Automobilstandorte Deutschland und Europa seien in Sachen Technologieführerschaft auf dem richtigen Weg. Das sagte vor zehn Jahren der damalige VW-Chef Martin Winterkorn, tüftelte an Verbrennungsmotoren und lästerte über neue Mitbewerber. »Wir haben keine Angst.« Man habe einen Wissensvorsprung, den man nicht mehr hergebe.
Heute hinkt die deutsche Autoindustrie bei der Elektromobilität hinterher. Roland-Berger-Mann Schaible sagt, die treibende Kraft müsse von den Unternehmen kommen, nicht aus der Politik. »Sie müssen 70 oder 80 Prozent selbst machen.« Die Parteien könnten im Rahmen einer modifizierten Schuldenbremse eine klare Haushaltsdisziplin vereinbaren. Die konsumtiven Ausgaben müssten begrenzt sein, aber gleichzeitig müsste festgelegt werden, welche mittelfristigen Investitionen notwendig sind, um die Transformation zu schaffen, so Schaible. Und zu Innovationen, die Schaible meint, gehört auch Zuwanderung.
Auf die kurze Frage, ob es dem Standort Deutschland schadet, wenn die AfD bei den anstehenden Landtagswahlen gewinnt, hat der Unternehmensberater eine klare Antwort: »Ja.«
Lesen Sie hier das ganze Interview: »Wenn gefühlt jede zweite Rolltreppe in einem Land kaputt ist, dann sagt das was«
Was heute sonst noch wichtig ist
Nahostkonflikt auf dem Campus – Polizeieinsatz an US-Unis: Festnahmen an der New York University, die Columbia stellt auf Onlineunterricht um: Der Pro-Palästina-Protest an US-Hochschulen verschärft sich. Viele jüdische Studierende fühlen sich nicht mehr sicher.
Herz auf Pluto entstand durch Zusammenstoß mit riesigem Himmelskörper: Herzförmig zeigt sich eine riesige Vertiefung auf der Oberfläche des Pluto. Sie ist wohl gewaltvoll entstanden, verrät eine Simulation: Ein 700 Kilometer breiter Brocken sei einst in den Zwergplaneten gekracht.
Schaumweinhersteller Freixenet will bis zu 80 Prozent seiner Belegschaft in Kurzarbeit schicken: Katalonien leidet unter der schlimmsten Trockenheit seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, die Weinreben verdorren. Der Cava-Produzent Freixenet hat nun für bis zu 80 Prozent seiner Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt.
Britisches Parlament genehmigt umstrittene Abschiebungen nach Ruanda: Großbritannien wird Migranten bald nach Ruanda abschieben – auch wenn sie nicht von dort kommen. Das Gesetz wurde in der Nacht verabschiedet. Erste Flüge nach Ostafrika sind bereits terminiert.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
»Norwegen ist nicht dafür gemacht, all diese Touristen zu beherbergen«: Die Reederei Hurtigruten arbeitet an einem emissionsfreien Schiff – samt Segeln mit Sonnenkollektoren. CEO Hedda Felin erklärt, warum sie sich striktere Vorschriften wünscht und wie viele Touristen Norwegen verträgt .
Ein Fahrrad im Autosalon kaufen? Aus der Traum: Es klang so schön. Pkw-Händler setzten zuletzt auf das Geschäft mit Fahrrädern, in der Hoffnung auf Zusatzgewinne. Doch die Ersten geben schon wieder auf. Die bittere Erkenntnis: »Autoleute sind keine Fahrradleute.«
Ist das noch Urlaub oder schon Arbeit? Einfach in den Bergen bleiben, ohne Urlaubstage zu verbrauchen: Viele Unternehmen lassen Angestellte auch vom Ausland aus arbeiten. Was dann bei Steuern, Versicherungen und Unfällen gilt .
Kinder zeugen für Hitler: Im »Lebensborn« züchteten die Nationalsozialisten »arischen« Nachwuchs und verschleppten im Rassenwahn Kinder in die Heime. Soziologe Dirk Kaesler hat spät erfahren, dass seine Eltern für den Verein arbeiteten .
Was heute weniger wichtig ist
Kuss-Verdruss: In ihrer Anfangszeit als Schauspielerin hat Anne Hathaway, 41, eigenen Angaben zufolge am Set regelmäßig Männer küssen müssen, »um die Chemie zu testen«. Sie dachte: »Stimmt etwas nicht mit mir, weil ich mich nicht gefreut habe? Ich fand, es klang eklig.« Hathaway stellt aber klar, dass es in dieser Situation nicht um ein »Machtspiel« der Verantwortlichen gegangen sei und niemand sie habe verletzen wollen. »Es war einfach eine ganz andere Zeit, und heute wissen wir es besser.«
Mini-Hohlspiegel
Preisinformation im Schaufenster eines Friseursalons in Balingen (Bad.-Württ.)
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Illustration: Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Wer laufen will, braucht Schuhe, nur welche?
Foto: Elena Popova / Getty ImagesKönnten Sie sich sportlich betätigen. Entweder Sie machen es wie die Kanadierin DonnaJean Wilde, die mit mehr als viereinhalb Stunden den Weltrekord für den längsten Unterarmstütz einer Frau hält . Das sogenannte Planking stärkt insbesondere die Rumpfmuskulatur, schon wenige Sekunden auszuhalten, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Kraftakt. Hier gibt Wilde Tipps, wie Sie es richtig anstellen.
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Oder Sie folgen dem Rat meines Kollegen Jan Göbel und gehen laufen. Jan hat sich trotz Knieproblemen an diversen Laufschuhen versucht, um den richtigen zu finden. Hier beschreibt er, worauf es ankommt und welche Ausreden künftig nicht mehr zählen.
Ein Experte warnt allerdings vor zu schnellen Steigerungen der Trainingskilometer. Muskeln und vor allem Sehnen bräuchten oft mehrere Wochen, Knochen womöglich sogar Monate, um sich an neue Belastung anzupassen. Deshalb empfiehlt er: »Langsam steigern – und am Bewegungsapparat arbeiten.«
Ich wünsche Ihnen einen sportlichen Abend. Herzlich
Ihr Janko Tietz, Ressortleiter Nachrichten