Die Lage am Abend Corona-Rezession: Wie tief werden wir fallen?

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Abend,
heute beschäftigt uns das Thema, wie tief greifend die Corona-Wirtschaftskrise in Deutschland wird, welche Wege es zurück zur Normalität gibt - und ob wir uns langfristig auf höhere Arbeitslosigkeit und weniger Geld im Portemonnaie einstellen müssen.

Das Thema des Tages: Wie lange geht der Corona-Lockdown gut?

Sie kennen vielleicht diese Kryonik-Visionen, aus Science-Fiction-Filmen oder Berichten über durchgeknallte reiche Amerikaner: Menschen lassen sich einfrieren, um wieder aufgetaut zu werden, wenn für ihr heute noch unheilbares Leiden in Zukunft hoffentlich eine Therapie gefunden ist.

Ein riskantes Experiment mit ähnlich ungewissem Ausgang nehmen derzeit viele große Industrienationen vor: Sie kühlen ihre Volkswirtschaften herunter in der Hoffnung, dass in einigen Wochen die Verbreitung des Coronavirus entweder stoppt oder doch zumindest ausgefeiltere Techniken bereitstehen, für eine zielgenauere Eindämmung der Infektionswelle.

Kann so etwas funktionieren, ohne die Volkswirtschaft dauerhaft zu beschädigen? Die Konjunkturexperten der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute beteuern: das geht. Ihr erstmals im Homeoffice entstandenes Frühjahrsgutachten prognostiziert zwar einen heftigen Einbruch der Wirtschaftskraft um fast zehn Prozent im zweiten Quartal, dazu mehr Arbeitslose, geringere Löhne und 2,4 Millionen Kurzarbeiter. In ihren Berechnungen folgt auf den Absturz aber auf dem Fuße eine Aufholbewegung.

Geschlossenes Straßencafé (in Düsseldorf)

Geschlossenes Straßencafé (in Düsseldorf)

Foto: Martin Gerten/ DPA

Skepsis ist erlaubt: Das Gutachten (hier als PDF ) könnte leicht in die Geschichte eingehen als die am schnellsten von der Realität überholte Wirtschaftsprognose aller Zeiten. Grundlage der Berechnungen ist nämlich ein Ende der Kontaktsperren bereits am 20. April.

Gewisse Zweifel an einem weitgehend glimpflichen Verlauf der Krise haben die Ökonomen dann auch selbst formuliert, unter der etwas sperrigen Überschrift "Abwärtsrisiken": Firmen könnten womöglich massenhaft pleitegehen, Millionen Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verlieren oder Corona eine erneute Staatsschuldenkrise im Euroraum entfesseln. Das würde die deutsche Wirtschaft dann auf Jahre belasten.

Vor allem Italien könnten die finanziellen Folgen der Coronakrise stark zusetzen. Bei den Verhandlungen über die mögliche gemeinsame Schuldenaufnahme durch alle EU-Staaten ("Corona-Bonds") gibt es allerdings weiter viel Streit und wenig Raum für Kompromisse. "Die Coronakrise reißt Europas alte Wunden auf", beobachten meine Kollegen aus dem SPIEGEL-Büro in Brüssel.

Politik und Wissenschaft sondieren deshalb fieberhaft Möglichkeiten, wie die Wirtschaft sukzessive wieder hochgefahren werden könnte. Meine Kollegen Claus Hecking und Gerald Traufetter haben darüber mit mehreren Topökonomen gesprochen.

Sie formulieren einige Bedingungen dafür:

  • Schutzkleidung müsse ausreichend für Pfleger und Ärzte vorhanden sein

  • Auch die Bevölkerung legt Masken an

  • Kapazitäten für Flächendeckende Tests werden aufgebaut und immune Personen identifiziert

Ziel soll es sein, nicht mehr pauschal alle Kontakte der Bevölkerung insgesamt zu reduzieren, sondern zielgenau die Kontakte von Infizierten mit Nichtinfizierten. Der Lockdown-Knüppel soll bei der Pandemiebekämpfung abgelöst werden durch das Florett, das ist zumindest der Plan.

Eher rabiat hingegen gehen offenbar einige Kommunen vor, die versuchen, Teile der Corona-Kosten abzuwälzen auf eine Beschäftigtengruppe, die eben noch als "systemrelevant" gepriesen wurde: die Erzieherinnen. Meine Kollegin Silke Fokken dokumentiert, wie einige von ihnen in die Kurzarbeit getrieben werden sollen.

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Herzliche Grüße

Benjamin Bidder

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