Die Lage am Abend Cum-Ex-Skandal bei Freshfields - Nun schlägt der Staat zurück

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Abend!
Heute beschäftigen wir uns mit dem Cum-Ex-Skandal um die Großkanzlei Freshfields. Außerdem geht es um US-Drohungen gegen Europa. Und die Einwohnerzahl in Deutschland erreicht einen neuen Höchststand.

Das Thema des Tages: Cum-Ex-Skandal bei Freshfields - Nun schlägt der Staat zurück

Freshfields gilt als eine der einflussreichsten Anwaltskanzleien der Welt. Jahrelang soll sie Banken und Investoren dabei geholfen haben, den deutschen Steuerzahler um Milliarden zu betrügen. Die Geschäfte sind aufgeflogen – nun sollen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Fahnder kamen in den frühen Morgenstunden, am 22. November holten sie Ulf Johannemann aus seiner Villa in Bad Homburg. Der Staranwalt und frühere Steuerchef von Freshfields ist die Schlüsselfigur in dem wohl größten Steuerskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern soll er einen Steuerschaden von zehn Milliarden Euro angerichtet haben. Mindestens. Vielleicht sind es auch 30 oder 40 Milliarden, noch weiß das niemand so genau. Ein Gericht soll nun die Hintergründe klären.

Nach langen Ermittlungen hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Anklage gegen Johannemann erhoben. Die Ermittler wollen auch die Kanzlei selbst als Nebenbeteiligte vor Gericht bringen. Der Fall ist einmalig: Freshfields wird beschuldigt, den deutschen Staat gezielt ausgenommen zu haben. Nun will der Staat zurückschlagen – juristisch und politisch. (Wie die sogenannten Cum-Ex-Geschäfte funktionieren lesen Sie hier.)

DER SPIEGEL 4/2020

Drama Queen

Palastrevolte bei den Windsors

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In den vergangenen Wochen hat ein SPIEGEL-Team Aktenordner durchforstet, mit aktuellen und früheren Freshfields-Partnern gesprochen, mit Ermittlern, die sie verfolgen, mit Anwälten anderer Kanzleien und mit den Unternehmen, die sie beauftragen. Die ganze Geschichte dazu lesen Sie hier .

Das Zitat des Tages: "Ich glaube, die Menschen müssen frei sein in ihrer Wahl, was sie anziehen wollen."

Shohreh Bayat hat sich in den vergangenen Jahren gegen viele Widerstände durchgesetzt. Die Iranerin machte trotz der systematischen Diskriminierung von Frauen in ihrer Heimat Karriere – derzeit ist sie Schiedsrichterin bei der Schach-WM der Frauen in Wladiwostok. Ihr Auftritt könnte ihr allerdings zum Verhängnis werden. In iranischen Medien wird die junge Frau beschuldigt, absichtlich ihr Kopftuch abgelegt zu haben, um gegen den Hidschab zu protestieren. Der Schachverband kann nun nicht mehr für ihre Sicherheit garantieren – und Bayat hat Angst vor ihrer Heimkehr. Die ganze Geschichte lesen Sie hier.

Foto: STR/ AFP

News: Was Sie heute wissen müssen

  • US-Drohung gegen Europa: Die Europäer haben im Atomstreit den Druck auf Iran erhöht. Nun bestätigt Berlin, dass die USA zuvor damit drohte, Zölle auf europäische Autos zu erheben. Die Opposition spricht von "Erpressbarkeit auf offener Bühne."

  • Einwohnerzahl auf neuem Höchststand: Die Bevölkerung in Deutschland ist erneut gewachsen. 83,2 Millionen Einwohner zählte das Statistische Bundesamt im vergangenen Jahr. Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung bereits seit Jahrzehnten schrumpfen.

  • Seltener Auftritt in Iran: Ajatollah Ali Khamenei, geistiges Oberhaupt des Landes, hat eine wichtige religiöse Zeremonie in Teheran genutzt, um die USA und die europäischen Partner des Atomprogramms scharf zu kritisieren. Khamenei bezeichnete unter anderem US-Präsident Donald Trump als einen "Clown".

  • Neuer Versuch für Le Pen: Bei der vergangenen Präsidentschaftswahl in Frankreich hatte es die Rechtsextreme Marine Le Pen bis in die Stichwahl geschafft - unterlag dann aber dem heutigen Amtsinhaber Emmanuel Macron. 2022 will sie erneut kandieren.

  • Verkehrsschilder für Gleichberechtigung: Die Schweizer Stadt Genf hat neue Verkehrsschilder vorgestellt. Darauf zu sehen sind nun nicht mehr nur Männer, sondern auch Paare, Schwangere und Senioren. Was sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben, lesen Sie hier.

Foto:

Martial Trezzini/ dpa

Meinung: Die meistdiskutierten Kommentare, Interviews, Essays

Wer wird deutscher Meister? Diese Frage war in den vergangenen Jahren ziemlich langweilig. Dieses Mal ist es anders. Was Sie von der Rückrunde erwarten können, verraten meine Kollegen Peter Ahrens und Marcus Krämer im Video.

"Wir wollen auf der Weltbühne ein Spieler sein – kein Spielzeug": Der neue EU-Chefdiplomat Josep Borrell bringt den Einsatz europäischer Soldaten in Libyen und im Irak ins Gespräch. Insgesamt müsse Europa endlich die "Sprache der Macht" lernen, auch gegenüber den USA. 

Nimm das Schwein mit auf die Yacht! Sie wollen Ihr Wochenende umweltverträglich und der Zukunft zugewandt verbringen? In seiner Videokolumne verrät Harald Schmidt Ihnen , wie das geht.

Foto: DER SPIEGEL

Stories: Die meistgelesenen Texte bei SPIEGEL+

Ach, wär' er doch im Dschungelcamp geblieben: Nach seinem Kurzauftritt im Trash-TV warten wieder Gläubiger auf Günther Krause. Doch es kommt noch schlimmer: Gegen die Frau des ehemaligen Verkehrsministers liegt ein Haftbefehl vor .

Der Mann hinter der Maske: Der Journalist Barrett Brown unterstützte das Hackerkollektiv Anonymous und kam dafür ins Gefängnis. Heute verbreitet er krude Videos. 

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27 Jahre Selbstvorwürfe - weil er eine Bierflasche am Tatort stehen ließ: 1986 wird eine Frau in ihrer Wohnung brutal getötet. Für den jungen Ermittler Peter Schall ist es der erste Mordfall. Bei der Spurensicherung macht er einen Fehler, der sein Leben verändert. 

Mein Abend: Die Empfehlungen für Ihren Feierabend

Machen Sie blau – und planen Sie den nächsten Urlaub: Die marokkanische Stadt Chefchaouen ist auf jeden Fall eine Reise wert und bietet jede Menge Fotomotive. Das Besondere an dem Ort ist die Farbe. Die Häuser und Gassen der Medina, so heißen Altstädte im nordafrikanischen Raum, sind blau bemalt. Dahinter verbirgt sich übrigens kein Marketingtrick der Tourismusbranche, die ersten Mauern wurden bereits vor Jahrhunderten gestrichen. Zur Bedeutung der blauen Farbe gibt es allerdings verschiedene Theorien.

Foto: Hannah Schultheiß

Herzlich

Anna-Sophie Schneider

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