Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


die Männer verdienen das Geld, die Frauen kümmern sich um die Kinder. Das scheint ein abgelegtes Rollenmodell zu sein und nur noch ergraute Paare zu betreffen. Aber so ist es nicht. Unser Ressort Wirtschaft hat für eine Titelgeschichte recherchiert, wie es in jüngeren Beziehungen aussieht und kommt zu einem bedenklichen Befund: Noch immer ist es so, dass viele Frauen zugunsten der Kinder und ihres Partners auf eine Karriere verzichten, lange im Beruf aussetzen, nur noch Teilzeit arbeiten oder ganz ausscheiden.

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Heft 3/2017
Das Problem mit der Liebe und dem Geld

Im Falle einer Trennung droht dann ein karges Leben oder sogar die Armut. Meine Kollegin Susanne Beyer empfiehlt in einem Essay den Frauen, die tradierten Rollenmodelle zu überdenken. Ansonsten gilt: Schon früh über Geld reden, auch wenn die Liebe noch glüht und dieses Thema schrecklich abturnt. Es zahlt sich aus, übrigens auch für Männer.

Der böse König

Haben Sie das auch gesehen, dieses Video von der Pressekonferenz Donald Trumps? Ich war danach beinahe verstört. Denn nun ist klar, dass er es ernst meint, dass all die Hoffnungen, er habe im Wahlkampf aufgedreht, um Stimmen zu sammeln, und würde danach zu einem halbwegs annehmbaren Politiker mutieren, vergeblich waren. Wie er da auftrat, Gunst, Tadel und Missachtung verteilte wie ein alter, böser König, der sich an nichts gebunden fühlt, der nur noch seinen Stimmungen folgt, da lieferte Trump den Ausblick auf eine gefährliche Zeit. Wir bekommen Trump, nicht Trump plus. Im Heft haben wir ein großes Psychogramm des künftigen Präsidenten, ein Interview mit seinem Anhänger Newt Gingrich und eine erste Analyse des seltsamen Geheimberichts, der einen Trump minus darstellt, anhand seiner angeblichen Aktivitäten in Russland.

Im Video: Donald Trump - Der 140-Zeichen-Präsident

DER SPIEGEL

Schicke Bären

Das Leck macht Karriere, also eigentlich ein Nichts, ein Loch, aber wenn dieses Loch Leak genannt wird, dann ist es hochpolitisch, dann klingt es schon beinahe bedrohlich in diesen Zeiten. Marcel Rosenbach hat sich dieses Themas in einem Essay angenommen. Es ist zu erwarten, dass auch im deutschen Wahlkampf Leaks eine Rolle spielen werden, also zum Beispiel geklaute Mails. In den USA sollen sie Trump zum Sieg verholfen haben. Rosenbach analysiert die schädliche Wirkung solcher Blogs auf die Politik, stellt aber auch Regeln auf, wie Journalisten mit Leaks umgehen können. Denn manchmal können sie Informationen enthalten, die für die Allgemeinheit nützlich sind.

Shaunae Miller
REUTERS

Shaunae Miller

Wir haben gleich ein Beispiel dafür im Blatt. Uns wurden Unterlagen über die Arbeit der Anti-Doping-Agentur Usada zugespielt. Meine Kollegen haben das nachrecherchiert und kommen zu interessanten Erkenntnissen über das Doping vor sportlichen Großereignissen. Natürlich legen wir offen, woher das Material kommt und wie die Quelle einzuschätzen ist. Hier handelt es sich um eine Hackergruppe mit dem schönen Namen "Fancy Bears" (schicke Bären).

Verbrechen ohne Zeugen

Die Zahl klingt nach Skandal: Nicht einmal jeder zehnte Mann, der wegen einer Vergewaltigung angezeigt wurde, wird verurteilt. Laura Backes wollte wissen, was hinter dieser niedrigen Quote steckt, hat sich Statistiken und Fälle angeschaut. Das Ergebnis: Von einem Skandal mag sie nicht reden. Es ist ein besonders heikles Feld der Kriminalität: Einerseits ist da das brutale, ekelhafte Verbrechen der Vergewaltigung. Andererseits waren in vielen angezeigten Fällen nur das angebliche Opfer und der angebliche Täter zugegen, es gibt keine Zeugen, es gibt manchmal ein komplexes Verhältnis zueinander, aus dem sich seltsame Situationen ergeben. Klar ist: Eine erwiesene Vergewaltigung muss hart bestraft werden. Aber wann kann eine angezeigte Vergewaltigung als erwiesen gelten? Backes hat einen differenzierten Report aus einer Grauzone geschrieben.

Honecker war schlauer

Franz Josef Strauß, Erich Honecker
DPA

Franz Josef Strauß, Erich Honecker

Eine meiner Lieblingsgeschichten aus diesem Heft: Wie Erich Honecker den Kollegen Franz Josef Strauß über den Tisch gezogen hat, damals beim bundesdeutschen Kredit für die DDR. Strauß dachte, er habe als Gegenleistung einen Verzicht Honeckers auf die Selbstschussanlagen an der Grenze ausgehandelt. Pustekusten.

Gewinner des Tages

AFP

Das ist ausnahmsweise Europa. Die EU ist verschrien, weil sie angeblich so weit weg von den Bürgern ist, eine undurchschaubare Bürokratie, demokratisch nur schwach legitimiert. Das sagen viele; unsere führenden Alt-Intellektuellen, Habermas und Enzensberger, haben Bücher mit diesem Tenor geschrieben. Aber es gibt eine gute EU, eine nützliche, bürgernahe, nicht nur wegen des Friedens in Europa, sondern ganz praktisch, im mehr oder weniger Kleinen. Unser Reporter Ullrich Fichtner hat Orte aufgesucht, an denen die EU ein gutes Werk verrichtet, und geht der Frage nach, warum kaum jemand wahrnehmen will, dass die Europäische Union zum Besten gehört, was wir haben.

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Herzlich

Dirk Kurbjuweit, stellv. Chefredakteur DER SPIEGEL

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
quark2@mailinator.com 14.01.2017
1.
Honecker zog Strauss über den Tisch ? Ich scheine hier bei Radio Jerewan gelandet zu sein. Es gibt ein Muster, welches sich quer durch eine ganze Reihe von Ländern zieht, Süd- und Mittelamerika, Bulgarien, Jugoslawien ... Das Muster war immer das Gleiche - Vergabe von Krediten, von denen man wußte, daß die Länder sie nicht würden zurückzahlen können. Wenn die Fälligkeit dann dringend genug war, wurden über den Internationalen Währungsfond Forderungen nach politischen Veränderungen gestellt und anderenfalls die Umschuldung verweigert. Die politischen Forderungen waren für diese Länder zersetzend. Ich habe schon Dokumentationen gesehen, wo dieser Mechanismus als Grundlage für den Krieg in Jugoslawien aufgeführt wurde. In jedem Fall war diese Praxis der Kreditvergabe effektiv ökonomische Kriegsführung, wie sie auch heute noch betrieben wird. Vorsichtig gesagt steigen die Erdölpreise jetzt wieder, nachdem Brasilien und Venezuela ihre Wechsel hatten. Also wer hier wen über den Tisch gezogen hat ...
ahloui 14.01.2017
2. Herr Kurbjuweit,
nicht wir bekommen Trump, die Amerikaner bekommen ihn. Ich kann diesen Hype nun langsam nicht mehr ertragen.
hsc71@gmx.de 14.01.2017
3. Als ob
den average US Wähler je die E-Mail Affäre interessiert hätte. Dort entschied sich kein Wähler wegen der E-Mail Affäre zwischen Clinton und Trump zugunsten Trump. Er wurde in der Masse von denen gewählt die zwischen Pest und Cholera zu entscheiden hatten und sich für das vermeintlich kleinere Übel entschieden. Genau wie Obama damals einen Change mit "Yes we can" verkaufte, erhofft sich der der Durchschnitts Ami nun eine andere Politik von Trump. Das Trump u.a. CNN wegen seiner aktuellen und fragwürdigen Kampagne gegen ihn nun bestraft ist nach gängiger US Logik, auch unter nicht Trumpisti, normal. In den USA gelten auch heute noch das Biblische Auge um Auge, Zahn um Zahn und Mord wird häufig mit Todesstrafe geahndet. So gesehen finden die die meisten Amis Trumps Reaktion richtig gut.
spon-facebook-1035483455 14.01.2017
4. Gaehnende Leere
Originalton Kurbjuweit: "Wie er da auftrat, Gunst, Tadel und Missachtung verteilte wie ein alter, böser König, der sich an nichts gebunden fühlt, der nur noch seinen Stimmungen folgt, da lieferte Trump den Ausblick auf eine gefährliche Zeit." Kurbjuweit schreibt ueber unseren gewaehlten Praesidenten wie jemand, in dessen Geschirrschrank gaehnende Leere herrscht.
thequickeningishappening 14.01.2017
5. # FJS - Honecker - Milliardenkredit
Der Franz Josef haette sich bei Geldangelegenheiten nie ueber den Tisch ziehen lassen! Der kannte die Höhe eines Hundert Mark Scheins bis auf den 1000tel Millimeter! Vor kurzem war uebrigens ein Bericht bzgl. seiner Provision für den Deal auf SPON!
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