Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


heute beginnt der Nato-Gipfel in Warschau mit der Frage: Wie umgehen mit Russland? Kanzlerin Merkel ist dabei erkennbar anderer Ansicht als ihr Außenminister Steinmeier, der vor einem "Säbelrasseln" gewarnt hatte. In ihrer Regierungserklärung am Donnerstag verteidigte Merkel die Politik der Abschreckung, gerade mit Blick auf die Annexion der Krim durch Russland. Auch die Innenpolitik kennt den Kalten Krieg.

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Beerdigung für TTIP

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Heft 27/2016
Klein-Europa: Die Rückkehr der Vergangenheit

In Warschau trifft sich auch EU-Kommissionspräsident Juncker mit US-Präsident Obama. Dabei geht es allerdings nicht um Sperrspitzen und Panzerdivisionen, sondern um TTIP (hier finden Sie alle Fakten zum geplanten Freihandelsabkommen). Für das Gespräch ist eine knappe Stunde angesetzt. Aber wenn es nur das Abkommen zu erörtern gäbe, könnten die beiden wahrscheinlich nach fünf Minuten vor die Presse treten. Im Moment jedenfalls ist es wahrscheinlicher, dass Obama eine dritte Amtszeit bekommt, als dass das Freihandelsabkommen jemals beschlossen wird.

DPA

Lachen über Berlin

Jaja, ich weiß, ganz Deutschland amüsiert sich schon seit Jahren über den Berliner Flughafen beziehungsweise dessen Nichtfertigstellung. Die Buchstaben BER sind zum Synonym für den hauptstädtischen Schlendrian geworden. Heute trifft sich wieder der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, die Terminvorschau der dpa verkündet, es gehe um den "Baufortschritt". Man muss kein Experte sagen, um die Prognose zu wagen: Das wird eher nix. Ich sehe die Sache ganz praktisch. Wer im Berliner Zentrum wohnt und 20 Minuten zum Flughafen Tegel braucht (statt eine Dreiviertelstunde nach Schönefeld), der betrachtet den Spott der Republik völlig gelassen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

REUTERS

Verlierer des Tages...

... sind - natürlich - wir alle. Ich weiß, nichts kann den akuten Schmerz eines Fußballfans lindern, schon gar nicht der Trost eines Fußballignoranten wie mir. Aber wenn man auf die EM-Rangliste blickt, dann wird Deutschland auch dann auf Platz eins bleiben, wenn Frankreich am Sonntag gewinnt - weil Deutschland an sechs EM-Finalspielen teilgenommen hat, Frankreich jedoch nur an dreien. Stark bleibt, wer in der Niederlage die großen Linien im Auge behält.

Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Tag. Ihr

René Pfister, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
ackermart 08.07.2016
1. Selten war offensichtlicher...
, dass einzig das Quantum Glück - ein Spiel entscheidend - schwerer auf der Waage liegt, als das qualitative Potenzial zum Siegen. Wenn man dies auch bei Siegen mal so sehen würde wäre die Empörung, dass es nicht immer dem Besseren hold ist, weniger unwürdig.
gehirngebrauch 08.07.2016
2. ich frage
mich, was hat juncker auf dem NATO-gipfel in warschau zu tun, ist doch gar nicht sein profil. desgleichen frage ich mich, womit will merkel putin abschrecken, der kennt doch die pfaffentochter noch aus der ddr. ja, da hat schweinsteiger das ganze spiel geändert und nun ist es aus.
colonium 08.07.2016
3. politischen Honig im Kopf :-)
Irgendwie ist Angela Merkel "putzig". Die Frau, die an der Seite von George W Bush in den völkerrechtswidrigen Irakkrieg ziehen wollte, siniert über das Völkerrecht und begründet damit die Nato Aufrüstung und die Sanktionen. Das nenne ich Mal Cruzpe. Aber wollen wir es positiv formulieren... Merkel hat politischen "Honig im Kopf" :-), aber das trifft ja auch irgendwie auf die Empörungskultur vieler anderer Politiker zu. Vielleicht sollte die Nato ein politisches Pflegeheim einrichten, für westliche Staatschefs, die von der selben politischen Krankheit befallen sind und alle Teilnehmer und Befürworter von westlichen, völkerrechtswidrigen Kriegen dort betreuen. Das wäre Mal eine Nato Einrichtung mit Perspektive und hoher Auslastung.
zvonimir 08.07.2016
4. Frau Merkel hat keine
eigene Meinung,sie konsumiert brav das Vorgekaute aus dem NATO- Topf.Ebenso wie die Polen schaltet sie automatisch bei diesen Themen ab und hofft tapfer auf Abschreckung. Sie nimmt auch schlicht das, was jetzt mit dem Irakkrieg hochkommt nicht zur Kenntnis. Moeglicherweise haengt das ja mit ihrer DDR-Herkunft zusammen, Herr Gauck kann da ja auch mit merkwuerdigen Ansichten ueberraschen. Waere interessant zu wissen, worueber sie eigentlich vor diesem Hintergrund mit den Russen reden will,oder verhandelt sie bereits mit Obama die Rueckabwicklung des Irakkrieges?
thequickeningishappening 08.07.2016
5.
Schon erstaunlisch dass dieser "Supereuropaer auf Europas Kosten" Juncker so ein bedeutendes Dokument in Abwesenheit der gewaehlten Staatschefs in der Sommerpause eroertern kann?
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