Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


heute soll es nun also losgehen mit dem großen Flüchtlingstausch: Die ersten Syrer kommen mit Linienmaschinen aus der Türkei in Deutschland an. Und gleichzeitig werden mehrere hundert Migranten von den griechischen Inseln zurück in die Türkei verfrachtet. Dabei sind die Behörden bisher weder auf der griechischen noch auf der türkischen Seite richtig darauf vorbereitet. Trotzdem soll nun demonstriert werden, dass Angela Merkels Pakt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan funktioniert. Wir werden erst im Laufe des heutigen Tages sehen, was das bedeutet: Werden sich die Menschen wirklich ohne Widerstand zurückbringen lassen? Oder wird es in Griechenland zu den dramatischen Szenen kommen, die Europa mit diesem Deal eigentlich so gerne vermeiden wollte? SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE verfolgen die Ereignisse in den nächsten Tagen mit vier Reportern auf der Insel Lesbos und in der Türkei.

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Heft 14/2016
Präsident Erdogans Feldzug gegen Freiheit und Demokratie

Was jetzt schon sichtbar ist: Angela Merkels neue Abhängigkeit vom türkischen Präsidenten macht sich auf ziemlich unwürdige Weise bemerkbar: Während nun auch US-Präsident Obama warnt, Erdogans "Einstellung gegenüber der Presse könnte die Türkei auf einen beunruhigenden Pfad führen" und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz es als "absolut unhaltbar" bezeichnete, dass die Türkei eine Satire im NDR zensieren lassen wollte, dringt zu diesem Thema aus dem Kanzleramt weiterhin nur eines: ohrenbetäubendes Schweigen. Lesen Sie zu diesem Thema auch die Titelgeschichte im aktuellen SPIEGEL.

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REUTERS
Putins Panama-Connection

Der beste Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist Cellist und kontrollierte über eine Briefkastenfirma zeitweise 100 Millionen Dollar - dabei hieß es doch immer, Musiker sei ein brotloser Job. Mehr als zwei Milliarden Dollar sollen insgesamt durch ein Firmengeflecht von Freunden des Präsidenten geschleust worden sein - es ist das erste Mal, das es zu den Gerüchten über Putins angeblich gewaltigen Reichtum konkrete Indizien gibt. Sie entstammen den Recherchen eines weltweiten Konsortiums von 400 Journalisten unter Leitung der "Süddeutschen Zeitung", die ein enormes Datenleak aus einer Anwaltskanzlei in Panama analysiert haben. Hunderte Politiker und Sportstars sind davon betroffen, so etwa der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der Fußballer Lionel Messi. Einmal mehr zeigt sich: Wir leben in einer Welt der Datenleaks, Geheimnisse lassen sich kaum noch wahren.

AFP
Krieg im Kaukasus

Manchmal versetzen einen Nachrichten zurück in ein anderes Jahrzehnt. So geht es mir mit den Meldungen, dass der Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Enklave Berg-Karabach wieder auszubrechen droht. Ein Konflikt aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern im Jahr 2016 - das hat der sensiblen Region zwischen Türkei und Russland gerade noch gefehlt. Droht hier der nächste Stellvertreterkrieg zwischen Putin und Erdogan? Während Russland sich als Schutzmacht des christlichen Armeniens versteht, hat die Türkei dem muslimischen Aserbaidschan seine Unterstützung zugesichert. Die vermeintliche Nachricht aus der Vergangenheit erzählt uns viel über unsere Gegenwart: Die Welt ist beunruhigend instabil geworden.

REUTERS
Gewinner des Morgens

Zwei Wochen nach den Terroranschlägen starten und landen am Brüsseler Flughafen seit gestern wieder Flugzeuge. Die Menschen, die mit der allerersten Maschine in den portugiesischen Urlaubsort Faro flogen, sind für mich die Gewinner des Tages. Denn jeder Tag, an dem nach einem Anschlag ein Flughafen geschlossen bleibt, ein Konzert nicht stattfindet, das Leben einfriert, ist ein Freudentag für Terroristen. Es ist wichtig, dass wir nicht in Schock und Trauer und Wut verharren, sondern dass der Alltag zurückkehrt.

Einen guten Start in die Woche!

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr, stv. Ressortleiter Ausland DER SPIEGEL

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
stefan.p1 04.04.2016
1. Die Stimmung wird kippen
nach diesem Kuhhandel werden wir sehen wie schnell Merkel von der Heilbringerin zur bösen Frau für die Flüchtlinge wird!
j.cotton 04.04.2016
2. Hässliche Bilder
Weltweit gibt es die. Und täglich. Und meistens sehen wir sie nicht. Man wird sich an sie aber gewöhnen müssen. Ein Ende mit Schrecken immer noch besser als...ohne Ende. Denn 250Mio. Immigranten (alleine ca 200Mio aus Afrika würden gerne...) würden auch mehr als hässliche Bilder erzeugen. Hier, vor unsere Haustüre.
cm1 04.04.2016
3. Konjunkturprogramm für Schlepper
Wenn nur im Fall einer Abschiebung ein Kontingentflüchtling nach Europa kommt, werden zukünftig viele junge Männer immer wieder nach Lesbos "geschleppt". Ein neues Geschäftsmodell dank Frau Merkel
aus_dem_off 04.04.2016
4. wenn man die Entwicklungen verfolgt
wenn man die Entwicklungen seit letzten September bis jetzt verfolgt, dann ist eines klar: die Signale der offenen Arme und Grenzen aus Deutschland seit letzten September waren ein großer Fehler, der in Deutschland nicht in den Medien benannt wird. Man sieht bis heute, wie die Flüchtlingsströme auf jede noch so kleine Nachricht, ob falsch oder wahr, reagieren, sehr sensibel reagieren. Angeschwollen sind sie, als Merkel ihre ossentative Flüchtlingspolitik betrieb, und da handelte es sich um viele Wirtschaftsflüchtlinge, die ssich heute dreimal überlegen, loszuziehen. Es gab schon Bilder von Rückkehrern, die in ruhigen Regionen ihre Wohnungen und Häuser wieder bezogen. Jetzt kommt es zu dem Eiertanz, wer darf kommen, wer wird abgeschoben. Ich möchte nicht wissen, wie hinter den Kulissen bei den Griechen und Türken mit Geld gekungelt wird, wer ins Flugzeug gesetzt wird. Und dabei hat Deutschland mit den vorangegangenen Mengen an Zuströmenden schon lange sein mitmenschliches Soll erfüllt, aber da möchte ich nicht wissen, wieviele dabei waren, die wirklich schutzbedürftig sind. Die Welt ist nicht gerecht, auch nicht in Deutschland. Übrigens sind 2 Häuser des Asternweges für Flüchtlinge tip top renoviert worden.........
observer101 04.04.2016
5. Und wo
sind Merkel, Steinmeier, Gabriel, Altmeyer und und und. Hat es denen nach dem Türkeideal die Sprache verschlagen. Kopf in den Sand und durch, das scheint die Losung zu sein. Der Wähler vergisst schnell. Ich glaube, diesmal klappt das nicht.
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