Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


den türkischen Präsidenten Erdogan einmal so sehen, wie man ihn noch nicht gesehen hat? Greifen Sie zum neuen SPIEGEL, der heute erscheint. Schon auf dem Titelbild zeigt unser Zeichner Samson eine interessante Studie Erdogans. Er hat ihn gut getroffen, finde ich. Die Geschichte im Text erzählt von Erdogans Kindheit in einem Istanbuler Hafenviertel, von seinem Aufstieg und den Machenschaften seiner Familie. Bei der Lektüre lernt man ihn gut kennen und fragt sich mehr und mehr: Kann es richtig sein, dass sich die Bundeskanzlerin so sehr abhängig gemacht hat von diesem Mann? Samson zeigt sie in einer Geste der Scham. So werden wir sie nie sehen. Aber heimlich schämt sich sie vielleicht doch ein bisschen für diesen "fürchterlichen Freund", wie es in der Titelzeile heißt. Hier können Sie die Titelgeschichte lesen.

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Was geht

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 14/2016
Präsident Erdogans Feldzug gegen Freiheit und Demokratie

"Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht." So lautet einer der wenigen harschen Sätze von Bundeskanzlerin Merkel. Sie sagte diese Worte, nachdem sie erfahren musste, dass US-Geheimdienst ihr Handy abgehört hatte. Nun stellt sich heraus, dass auch der Bundesnachrichtendienst bei Freunden ausspähte, bei Amerikanern, Österreichern, Israelis, Briten, Franzosen. Das haben meine Kollegen aus dem Berliner Büro recherchiert und aufgeschrieben (hier finden Sie den Text). Ich finde: eine atemberaubende Geschichte. Und nun würde ich gerne wissen, was Merkel dazu sagt.

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Das Geheimnis der Waldfrauen

Was machen Chinesen, wenn sie zu Wohlstand kommen? Das war eine Frage, die sich der Westen seit der Öffnung Chinas für die Marktwirtschaft gestellt hat. Viele hofften, Chinesen würden das gleiche tun wie die Bürger Europas in vergangenen Jahrhunderten. Mit dem Wohlstand entwickelte sich Individualität und daraus erwuchs der Anspruch, der Politik nicht nur ausgeliefert zu sein, sondern selbst entscheiden zu können, mindestens über Wahlen. So entstand die Demokratie. Bernhard Zand beschreibt nun, dass China auch hier einen eigenen Weg geht. Zwar entwickelt sich mit dem Wohlstand die Individualität, aber viele Chinesen werden deshalb nicht zu Staatsbürgern, sondern zu Konsumfiguren: zu Waldfrauen oder Manga-Mädchen, zu Baifumei, Sennü oder Xiaoqingxin. Die Übersetzungen finden Sie im neuen SPIEGEL - hier.

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Bröckelnder Kitt

Die Gemeinschaft von Menschen beginnt damit, dass man sich auf eine gemeinsame Realität einigt. Jeder hat eine ähnliche Vorstellung von dem, was war und was ist. In den USA gelingt das immer weniger. Das beschreibt Philipp Oehmke in seiner Reportage "Narrativer Nebel". Was geschah wirklich bei der Tötung von Osama Bin Laden? Wer hat John F. Kennedy ermorden lassen? Was spielte sich am 11. September 2012 im libyschen Bengasi ab, als eine islamistische Miliz US-Einrichtungen stürmte? Es gibt in Amerika mehrere Versionen zu diesen zentralen Ereignissen, und damit bröckelt der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Hochinteressant. Hat Angela Merkel eigentlich wirklich "Wir schaffen das" gesagt? Hier finden Sie die Reportage.

Pom-Pom-Hochzeit

Paradoxien sind oft herrlich. Einer der schönsten Paradoxien unserer Zeit war Maren Keller auf der Spur: Während die Ehe immer unwichtiger wird, werden die Hochzeiten immer aufwendiger. Die Vorbereitungen beginnen mitunter schon 500 Tage vorher. Mir gefällt auch das Wort Pompom-Pomp aus Kellers Geschichte. So könnte ich ja meinen nächsten Geburtstag feiern, mit Pompom-Pomp. Leider habe ich keine 500 Tage Zeit bis dahin. Hier gibt es die Geschichte.

AFP
Gewinner des Morgens

Das ist für mich heute die MLPD, die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland, eine dieser Splittergruppen, die man natürlich nicht mit der Deutschen Kommunistischen Partei verwechseln darf und die wahrscheinlich mit den Maoisten verfeindet ist und einen ganz eigenen Blick auf Pol Pot hat, der sich stark unterscheidet vom Blick der... Und Sahra Wagenknecht gilt dort eventuell als Kompromisslerin. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich hatte die MLPD vergessen. Ann-Katrin Müller hat mich nun wieder an diese Partei erinnert, mit einer kleinen, köstlichen Geschichte (hier). Die MLPD ist nämlich reich, weil einige Genossen reich sind und einen großen Teil ihres Vermögens der Partei spenden, auch aus schlechtem Gewissen. Sie wollen keine Großkapitalisten sein, Gott bewahre.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Dirk Kurbjuweit, stellvertretender Chefredakteur DER SPIEGEL

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
granathos 02.04.2016
1. Warum immer Merkel?? Ist sie die EU??
Merkel wurde stark, und nicht zu Unrecht, dafür kritisiert, dass sie die Flüchtlingsthematik nicht genügend abgesprochen hat mit den EU-Partnern. Sie ist dafür abgestraft worden und hat das Heft ja gar nicht mehr in der Hand. Warum ist sie denn nun an den EU-Vereinbarungen mit der Türkei verantwortlich??
lupenreinerdemokrat 02.04.2016
2. BND handelt im Auftrag der US-Geheimdienste
Da der BND ein "Juniorpartner" der US-Geheimdienste ist, liegt auf der Hand, in welchem Auftrag Ziele in Jerusalem und Washington abgehört wurden. Hat ja auch seine Vorteile für die US-Geheimdienste, wenn man die Deutschen nennen kann, wenn etwas auffliegt....
Amadablam 02.04.2016
3. Freund Erdogan?
Ich glaube nicht, dass da eine Freundschaft besteht. Mit der Türkei muss eben geredet und verhandelt werden. Aktuell finden alle Obama toll, weil er mit den Castros redet, von deren Totalitarismus sich Erdogan noch eine Scheibe abschneiden kann. Und selbst in puncto Gaddafi wird posthum betrauert, man hätte mit ihm doch nur mehr reden müssen...
j.vantast 02.04.2016
4. Mitverantwortlich
Zitat von granathosMerkel wurde stark, und nicht zu Unrecht, dafür kritisiert, dass sie die Flüchtlingsthematik nicht genügend abgesprochen hat mit den EU-Partnern. Sie ist dafür abgestraft worden und hat das Heft ja gar nicht mehr in der Hand. Warum ist sie denn nun an den EU-Vereinbarungen mit der Türkei verantwortlich??
Natürlich ist Merkel nicht allein dafür verantwortlich. Aber wer sich vehement für die Menschenrechte der Flüchtlinge in Deutschland einsetzt darf nicht vergessen wie es um die Menschenrechte in der Türkei bestellt ist. Und das hat Merkel eben bei den Verhandlungen völlig unter den Tisch fallen lassen.
niktim 02.04.2016
5. Sie ist aber nicht mhr zu retten
Frau Merkel hat ihre politischen Erfolge selbst vernichtet. Sie ist wie die ganze Politik ndes Westens im Nahen Osten gescheitert. Sie haben stabile Staaten zerstört und eine Flüchtlingswelle geerntet. Libien, der sozialste Staat Afrikas! Syrien, der liberalste Staat im Nahen Osten, Irakusw. Und nun ist guter Rat teuer. Man versucht mit Diktatoren wie Erdogan die Situation zu retten. Wo bleiben da Werte wie Menschenrechte, Demokratie, Meinungsfreihet usw.?
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