Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


die vergangenen Monate waren nicht gerade die erfolgreichsten in der langen Karriere von Frank Bsirske, dem Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Erst gingen die Arbeitskämpfe bei Post und Kitas ziemlich ruhmlos zu Ende, dann erhielt er beim jüngsten Gewerkschaftstag so wenig Stimmen wie noch nie. Nun soll die laufende Tarifrunde im öffentlichen Dienst die Wende bringen. Gestern legten seine Kollegen Busse, Bahnen und Flughäfen in ganz Deutschland still, heute verhandelt Bsirske in Potsdam wieder mit den Arbeitgebern. Die wissen genau: Ein angeschlagener Gegner ist umso gefährlicher.

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AP/dpa

Majestät und Kanzlerin

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Heft 17/2016
Macht, Mord und Moral - Die erstaunlich aktuelle Welt des William Shakespeare

Der Bundespräsident ist heute im östlichen Sachsen unterwegs. Joachim Gauck besichtigt deutsch-polnische Gemeinschaftsprojekte, spaziert durch Görlitz, trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Seit Monaten bekniet ihn die politische Elite der Republik, unbedingt im Amt zu bleiben. Doch Gauck zeigt lieber, wie lästig er sein kann, vor allem für die Kanzlerin. Nachdem Angela Merkel kürzlich angekündigt hatte, sie wolle den Paragrafen 103 des Strafgesetzbuches ("Majestätsbeleidigung") so rasch wie möglich abschaffen, nannte Gauck das "ein bisschen kurzatmig". Gestern schlossen sich mehrere führende Unionspolitiker seiner Meinung an, sodass vorerst festzuhalten bleibt: Beschädigt ist nicht seine Majestät, der Präsident, sondern die Autorität der Kanzlerin.

REUTERS/ Tesla Motors

Die Tesla-Falle

Wenn der vom Abgasskandal gebeutelte VW-Konzern heute seine Bilanz vorstellt, kann er den Aktionären vorführen, dass er noch immer konkurrenzfähig ist, zum Beispiel beim Kungeln mit der Politik. Gemeinsam mit den Kollegen von Daimler, BMW und Co. haben die VW-Emissäre beim gestrigen Elektromobilitäts-Gipfel in Berlin ein hübsches Subventionspaket erstritten: 4000 Euro Kaufprämie, 15.000 Ladestationen und nicht zuletzt die Vorschrift, dass es Prämien nur für Autos mit einem Listenpreis bis maximal 60.000 Euro gibt.

Vorteil: Für das wichtigste ausländische Konkurrenzprodukt, die US-amerikanische Elektrolimousine Tesla, gibt es keine Staatsknete, weil sie hierzulande erst ab gut 70.000 Euro zu haben ist. Merke: Die größten Wettbewerbsvorteile werden heutzutage nicht in der Fabrik oder im Forschungslabor errungen, sondern im Kanzleramt.

Getty Images

Gewinner des Morgens...

ist Gerhard Schröder. Seine Agenda-Reformen kosteten ihn erst die Zustimmung der Genossen und dann das Kanzleramt. Jetzt bekommt er den Ludwig-Erhard-Preis - aber noch lieber wäre es ihm wahrscheinlich, er gewönne die Gunst seiner Partei zurück.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag, Ihr

Michael Sauga, Leiter Hauptstadtbüro DER SPIEGEL

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version hieß es zur "Tesla-Falle", Autos würden erst ab einem Verkaufspreis von 60.000 Euro gefördert. Das ist falsch. Tatsächlich gibt es Prämien nur für Autos mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro. Wir haben den Fehler korrigiert.

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
notbehelf 28.04.2016
1. Ab 60.000€ ?
"4000 Euro Kaufprämie, 15.000 Ladestationen und nicht zuletzt die Vorschrift, dass Autos erst ab einem Verkaufspreis von 60.000 Euro gefördert werden"? Ich las, es sollen Prämien nur für Modelle mit einem Listenpreis von BIS maximal 60.000 Euro fürs Basismodell möglich sein. Wenn ich > 60.000€ für ein Auto übrig habe, ist mit doch die Prämie egal.
inge_meint 28.04.2016
2. Artikel-Korrektur notwendig!
Förderung bis 60.000 EUR Kaufpeis!
bremerfranz 28.04.2016
3. Fehler in der Darstellung
Das muss ja wohl heißen: "...und nicht zuletzt die Vorschrift, dass Autos bis zu einem Verkaufspreis von 60.000 Euro gefördert werden..."
winkler00 28.04.2016
4. Recherche hilft
Einen Zuschuss gibt es nur für die Hersteller, die ach mit einzahlen. Somit ist es egal, ob Tesla 10000 oder 70000 kostet, alle ausländischen Modelle schauen in die Röhre. Wird leider nicht so propagiert. Hier soll nicht die Elektromobilität gestärkt werden, sondern das ist nur eine Subvention der deutschen Autoindustrie.
franky_24 28.04.2016
5.
Zitat "Für das wichtigste ausländische Konkurrenzprodukt, die US-amerikanische Elektrolimousine Tesla, gibt es keine Staatsknete, weil sie hierzulande erst ab gut 70.000 Euro zu haben ist. Merke: Die größten Wettbewerbsvorteile werden heutzutage nicht in der Fabrik oder im Forschungslabor errungen, sondern im Kanzleramt." Lieder Herr Sauga, endlich mal ein Beschluss der -wenn schon Steuergelder ausgegeben werden- nicht die größten Mitbewerber aus dem Ausland bevorzugt sondern hoffentlich die heimischen Hersteller fördert. Übrigends kommen die meisten Elektrofahrzeuge von japanischen und französischen Hersteller. Da fließen schon genug Steuergelder auf ausländische Konten.
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